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Nach Razzia im "Central Station"
St. Petersburg: Milonow will Homo-Clubs schließen lassen
- 15. Dezember 2014 2 Min.

Witali Milonow in der Nacht zum Sonntag vor dem Club "Central Station"
Der Stadtabgeordnete, der bereits das Gesetz gegen "Homo-Propaganda" verantwortete, plant einen neuen Schlag gegen die Szene. Am Samstag ließ er bereits eine Razzia durchführen.
Von Norbert Blech
Der St. Petersburger Abgeordnete Witali Milonow will mit einer neuen Gesetzesinitiative Clubs und andere Einrichtungen schließen lassen, in denen sich LGBT treffen. Ein entsprechendes Vorgehen gegen "Verbreiter von Ausschweifungen" kündigte der Politiker der Putin-Partei "Einiges Russland", der bereits das regionale Gesetz gegen Homo-"Propaganda" verantwortet hatte, am Montag nach einer Razzia im populären Homo-Club "Central Station" an.
Nähere Details nannte Milonow zunächst nicht. Allerdings sollten Clubs auch verpflichtet werden, Webcams zu installieren, die ihre Veranstaltungen live ins Internet übertragen. Dadurch hätte jeder die Gelegenheit, problematische Vorkommnisse den Behörden zu melden, so Milonow. In der Praxis könnte ein solches Vorhaben vor allem LGBT-Besucher davon abschrecken, die Einrichtungen überhaupt zu besuchen.
Unklar ist zunächst, was von den Plänen zu halten ist. Viele Forderungen des Politikers der letzten Jahre, etwa ein Einreisestopp für Conchita Wurst, wurden von Verantwortlichen ignoriert oder führten zu nichts. Zuletzt hatte ein Mitglied des russischen Oberhauses gefordert, Milonow auf Straftaten sowie auf seinen Geisteszustand überprüfen zu lassen.
"Perverse" im Homo-Club

Die "Loshadka"-Party im sozialen Netzwerk vk
Zugleich besitzt der Abgeordnete lokal Macht: Am Samstag ließ er die Polizei eine Razzia in der Schwulendisco "Central Station" durchführen und ließ sich dabei von der Zeitung "Fontanka" begleiten. Im Innern wurde die "Loshadka"-Party gefeiert, die aufgrund ihrer elektronischen Musik und einem Dresscode zwischen extravagant und erotisch auch bei vielen heterosexuellen Partygängern populär ist.
Wie bereits bei einigen Events zuvor hatte Milonow zunächst versucht, Einlass in den Club zu bekommen. Auch hatte er minderjährige Mitglieder der Jugendorganisation der Partei dabei, die mit zuvor gekauften Tickets ebenfalls Einlass begehrten – ein Jugendlicher trug dazu ein S/M-Kostüm. Als die Türsteher des Clubs ihnen den Zutritt verweigerten, kam es zu kleineren Rangeleien.
Mit Hilfe der herbeigerufenen Polizei konnte Milonow später in den Club eindringen. Er hatte angegeben, dass sich Minderjährige in dem Club befinden würden, und dabei die angeblichen Eltern von den Jugendlichen als Quelle angegeben. In Interviews sagte er danach, die Party sei voll gewesen mit "zugedröhnten und angetrunkenen Perversen". Er habe 20 Jugendliche beobachtet, die auf der Bühne Sex gehabt hätten. Die Polizei habe viele Minderjährige festgenommen.
Nachdem russische Medien diese Meldung am Sonntag zunächst verbreitet hatten, hat "Fontanka" inzwischen vermeldet, dass sie falsch seien. Auf Anfrage habe die Polizei mitgeteilt, dass sie keine Minderjährigen in dem Club gefunden habe und niemand auf eine Polizeistation gebracht worden sei.















Ähm ja...