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Wegweisendes Urteil
China: Schadenersatz nach Ex-Gay-Therapie
- 20. Dezember 2014 2 Min.

Kläger Yang Teng erschien mit Regenbogenfahne und Justitia vor Gericht
Ein Gericht in Peking hat erstmals eine pychologische Klinik wegen des Versuchs der "Heilung" eines schwulen Mannes zur Zahlung einer Entschädigung verurteilt.
Wegweisendes Urteil für Lesben und Schwule in der Volksrepublik China: Zum ersten Mal hat sich ein Gericht mit der Frage der Rechtmäßigkeit von "Homoheilungs"-Therapien beschäftigt – und dabei einem früheren schwulen "Patienten" eine Entschädigung zugesprochen.
Der in der Hauptstadt Peking lebende Kläger Yang Teng war in einer psyschologischen Klinik in Chongqing u.a. mit Hypnosen und Elektroschocks "behandelt" worden. Im Urteil des Pekinger Bezirkgsgerichts heißt es nun, diese "Therapie" sei unnötig gewesen, da Homosexualität keine Krankheit sei. Das Gericht sprach Yang ein Schmerzensgeld in Höhe von 3.500 Yuan (umgerechnet 460 Euro) zu. Ursprünglich hatte der 30-Jährige allerdings den vierfachen Betrag gefordert.
Seine Eltern hatten ihn zur "Therapie" gezwungen
Nach Angaben von Yang und seinem Anwalt Li Duilong muss die Klinik außerdem eine Entschuldigung auf ihrer Homepage veröffentlichen."Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, damit hatte ich nicht gerechnet", sagte der Kläger nach Verkündung des Urteils.
Yang hatte sich im Februar dieses Jahres in Therapie begeben, weil seine Familie ihn unter Druck gesetzt habe, zu heiraten und ein Kind zu bekommen. Das Gerichtsurteil wolle er nun seinen Eltern vorlegen, um ihnen zu zeigen, dass Homosexualität aus Sicht der chinesischen Justiz nicht länger eine Geisteskrankheit ist. Der 30-Jährige kündigte zudem an, sich auch in Zukunft öffentlich für LGBT-Rechte zu engagieren, um anderen Menschen solche negativen Erfahrungen zu ersparen.
In der Volksrepublik China war gleichgeschlechtlicher Sex noch bis 1997 als "Rowdytum" verboten. Bis 2001 galt Homosexualität außerdem als Geisteskrankheit. Während sich in den letzten Jahren in den großen Metropolen eine kleine queere Subkultur entwickelt hat, bleiben die meisten Schwulen und Lesben nach wie vor unsichtbar, da das Thema als Tabu gilt. (cw)














