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Castingshow
Das schwule Supertalent 2014
- 21. Dezember 2014 3 Min.

Mit dem Whitney-Houston-Stück "One Moment In Time" sang sich Marcel Kaupp in die Herzen der RTL-Zuschauer (Bild: RTL)
In der RTL-Castingshow konnte der Kölner Friseur und Travestiestar Marcel Kaupp am Samstagabend mit 100.000 Euro nach Hause gehen. Nun will er sich für LGBT-Rechte engagieren.
Eine Minute nach Mitternacht stand "Das Supertalent 2014" fest: Mit 24,41 Prozent der Stimmen des Zuschauer-Votings holte sich Marcel Kaupp den heißbegehrten Titel der RTL-Castingshow. Der schwule Kölner Friseur und Travestiekünstler, der unter dem Namen Marcella Rockafella auftritt, bekam außerdem eine Siegprämie in Höhe von 100.000 Euro und darf sich auf eine Reise nach Las Vegas mitsamt Auftritt freuen.
Bereits bei seiner ersten Show im "Supertalent 2014" hatte Marcel Kaupp als Conchita-Wurst-Double den schwierigen Song "Rise Like a Phoenix" zum Besten gegeben und damit die Jury regelrecht aus den Socken gehauen. Und auch im großen Finale der RTL-Castingshow legte "die deutsche Wurst" ("Bild"-Zeitung) eine perfekte Drag-Perfomance hin: Das Whitney-Houston-Stück "One Moment In Time" sang er zunächst mit Perücke und als Frau verkleidet, schminkte sich jedoch beim Singen ab und verwandelte sich in Marcel.
Juror Kretschmer: "Ach, der könnte mein Freund werden!"

Bei seinem ersten Auftritt in der Show präsentierte sich Marcel Kaupp als Conchita-Wurst-Double (Bild: RTL)
Jury und Publikum waren gleichermaßen begeistert: "Du bist eine Ausnahmeerscheinung", lobte etwa Modedesigner Guido Maria Kretschmer und meinte mit verklärtem Blick: "Jedesmal wenn ich Dich treffe, denke ich: Ach, der könnte mein Freund werden!" Vielleicht lag das Lob aber auch daran, dass der 26-Jährige bei der Perfomance ein von Kretschmer designtes Kleid trug.
Doch auch Bruce Darnell umarmte den jungen Kandidaten: "Ich finde dich als Typ der absolute Hammer", meinte der Choreograf. Lena Gercke kamen bei Marcel Kaupps Auftritt sogar die Tränen. Nur Dieter Bohlen hatte mal wieder was zu meckern: "Durch das Abschminken sind die Gefühle verloren gegangen", kritisierte der Jury-Boss. Auch hätte Whitney Houston den Songs ungleich besser gesungen. Am Ende entschieden jedoch die Zuschauer.
In der Kölner Szene wurde in der Nacht zum Sonntag ordentlich gefeiert – denn dort ist Marcel Kaupp kein Unbekannter. Bereits seit vier Jahren tritt er regelmäßig im "Kulturschock", Kölns ältester Travestie-Comedy-Show, sowie auf dem CSD als Marcella Rockafella auf. Zuletzt hatte er umjubelte Auftritte auf dem schwul-lesbischen Kölner Weihnachtsmarkt "Christmas Avenue".
Das Singen sei seine Leidenschaft, sagte er unlängst im Gespräch mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger", die Bühne für ihn auch ein Raum für Provokation. "Ich könnte auch als Mann auftreten", meinte der 26-Jährige, "aber solange sich die Leute über Männer in Frauenkleidern aufregen, ist etwas nicht in Ordnung. Da muss noch viel getan werden."
Engagement für LGBT-Rechte
Er wolle seinen neuen Bekanntheitsgrad nutzen, um gegen Diskriminierung und für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen zu kämpfen, sagte Kaupp – und lud passend dazu in der vergangenen Woche unter dem Hashtag #LiebeIstEinMenschenrecht das selbst produzierte Musikvideo "Take Me To Church" auf seiner Facebook-Seite sowie auf Youtube hoch.
Auch für ihn sei es nicht immer leicht gewesen, sagte der aus Aschaffenburg stammende Friseur, der vor sechs Jahren nach Köln zog. Als persönliche Erinnerung daran, dass es trotzdem "immer weiter geht", ließt er sich auf die Handgelenke Autogramme von seinen Vorbildern Lady Gaga und Pink tätowieren.
Mit Lady Gaga hatte es Marcel Kaupp übrigens schon einmal vor vier Jahren beim "Supertalent" versucht. Im November 2010 trat er mit blonder Langhaarperücke in der RTL-Talentshow auf und gab mit zwei Tänzern den Gaga-Hit "Bad Romance" zum Besten (queer.de berichtete). Er kam damals zwar eine Runde weiter, schied jedoch vor dem Finale aus. (cw)
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Die letzte habe ich 2006 in Palma mit hinreissenden mallorquinischen Freunden gesehen.
Leider beginnen Kabaretts dieser Art in Spanien immer erst lange nach Mitternacht, wenn ich schon längst im Bett nur davon träumen kann. Schade, dass ich die RTL-Sendung nicht gesehen habe, was daran liegt, dass ich die Privaten grundsätzlich nicht einschalte. Es müsste viel mehr Travestie auf allen Kanälen gesendet werden, denn das mögen doch auch viele Heteros ?