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Jahresrückblick Teil 2
Tiefpunkte des Jahres 2014
- 29. Dezember 2014 7 Min.

Wenn Homosexuelle im Unterricht als gleichwertig behandelt werden sollen, wird das von Homo-Hassern gerne als Gefährung der Kinder dargestellt
2014 gab es aus LGBT-Sicht einige Schläge unter die Gürtellinie – von Wladimir Putin über die Katholische Kirche hin zur AfD.
Von Dennis Klein
Lüge des Jahres: Bildungsplan = Sexualisierung
In Baden-Württemberg und Niedersachsen wollen die Landesregierungen etwas gegen Mobbing von Schwulen und Lesben an Schulen tun und im Unterricht verbreiten, dass Homosexuelle keine Teufel sind. Dieses ehrenwerte Vorhaben bringt Homo-Hasser bis in die Mitte der Gesellschaft auf die Palme: Sie behaupten, dass die Erwähnung von Homosexualität bereits zur "Sexualisierung" von Kindern und Jugendlichen führt. In Baden-Württemberg machen CDU und FDP bei der Hetze gegen Schwule und Lesben mit, in Niedersachsen machen es die Christdemokraten alleine. Unterstützt werden sie unter anderem vom Rechtsradikalen und der AfD, aber auch von Teilen der gutbürgerlichen Presse, allen voran der FAZ.
Der falsche Schein des Jahres: Katholische Kirche
Wir wundern uns ja schon seit längerem, mit wie viel Nachsicht der Papst in der Mainstream-Presse behandelt wird. Da könnte man meinen, der Pontifex akzeptiert Schwule und Lesben als gleichwertig. Dabei ist seine Kirche so feindlich gegenüber Homosexuellen gesinnt wie eh und je. Schwule und Lesben werden zwar akzeptiert – aber nur, wenn sie ihre Sexualität unterdrücken und niemals mit jemandem kuscheln gehen oder "Schlimmeres" tun. Dass in "Spiegel" und Co. aber immer wieder zu lesen steht, dass der Papst auf Homosexuelle zugeht, entspricht mehr Wunschdenken als der Wahrheit. Und das Bodenpersonal des Papstes war dieses Jahr homophob wie eh und je – und setzte Schwule und Lesben wahlweise mit Kindern oder Kinderschändern gleich oder warnte vor Homo-"Propaganda".
Spalter des Jahres: David Berger
Mitte November hatte die Deutsche Aids-Hilfe genug: Sie stoppte alle Anzeigenschaltungen in "Männer", weil das schwule Traditionsmagazin unter dem neuen Chefredakteur "mit teils rechtspopulistischen Aussagen" provoziere. Via Facebook rächte sich Berger mit einem wilden Rundumschlag, in dem er wahlweise Kritikern vorwarf, die Pressefreiheit einzuschränken, ihm körperlich schaden zu wollen oder "krank" zu sein. Das war nur einer seiner Feldzüge, und es wird langsam einsam um ihn.
Peinlichster Streit des Jahres: Stonewall-CSD
Vielleicht der wichtigste CSD Deutschlands zerstritt sich in zwei Teile: In eine Parade fast ohne Inhalte, aber mit Masse, und eine mit Inhalten, die kaum Zuschauer fand. Man will aufeinander zugehen, aber die handelnden Personen, mit Einschränkung der Hauptgrund für den Streit, bleiben die gleichen.
Nicht-Dialog des Jahres: Gescheiterter Moschee-Besuch von LGBT-Aktivisten
Im November begann in Berlin ein eigenartiges Katz-und-Maus-Spiel: Zwei Mal wurde verkündet, dass die Şehitlik-Moschee LGBT-Aktivisten zum offiziellen Gespräch ins Gotteshaus eingeladen hat, zwei Mal wurde das Treffen unter dubiosen Umständen wieder abgesagt. Die Moschee, die via des Moscheevereins DITIB praktisch der türkischen Regierung untersteht, hat offenbar unter Druck von außen gehandelt. Ein langer Dialog steht bevor, aber es wird wohl noch einige Zeit brauchen, bis die Moschee-Oberen in LGBT-Aktivisten gleichwertige Menschen ansehen.

AfD-Chef Bernd Lucke spielt gerne mit homophoben Klischees, da seine Wähler mehr als nur Asylantenschelte von seiner Partei verlangen
Verführer des Jahres: Bernd Lucke
Der dauergrinsende AfD-Gründer versucht, mit Vorurteilen gegen Schwule und Lesben Stimmen zu sammeln. Am deutlichsten zeigte sich das in seiner Reaktion auf das Coming-out von Thomas Hitzlsperger: Der Fußballer solle sich nicht so haben, fand Lucke, und solle außerdem betonen, dass die heterosexuelle Familie natürlich viel wichtiger ist als ein einzelner Homosexueller. Genauso wie der Deutsche an sich wichtiger ist als der Ausländer. Natürlich will er am Ende von der "Lügenpresse" falsch dargestellt worden sein.
Die kurz vor der Europawahl gegründete Gruppe "Homosexuelle in der AfD" findet die von oben geförderte Homophobie innerhalb der AfD halb so schlimm. Die kleine Gruppe schwuler Männer gibt sogar offen zu, dass ihr Homo-Rechte reichlich egal sind, stattdessen wettert sie lieber gegen "rot-grüne Schreihälse". Für den Januar haben sie Beatrix von Storch zu einer Podiumsdiskussion in Bremen unter dem Titel "Homosexuelle gegen den Genderwahn" eingeladen.
Enttäuschung des Jahres: SPD
Im vergangenen Jahr warb die SPD auf CSDs beim Bundestagswahlkampf mit dem Slogan "100 Prozent Gleichstellung – nur mit uns". Als sie in Koalitionsverhandlungen mit der Union stand, drohte die Partei, den Koalitionsvertrag platzen zu lassen, wenn Homosexuelle nicht endlich gleichgestellt werden. Und am Ende war's doch nix. Das ganze Jahr 2014 hindurch warb die Regierungspartei SPD in der Öffentlichkeit zwar als eine Art Opposition in der Regierung für die Gleichstellung, konnte aber bislang nichts auf den Weg bringen – und noch nicht einmal durchsetzen, dass die SPD-Ministerien zum Berliner CSD eigens aufgehängte Regenbogenfahnen hängen lassen durften.
Bärendienst des Jahres: Karla Etschenberg
Seit 2011 gibt es die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die sich unter anderem darum kümmern soll, die Diskriminierung von Schwulen und Lesben abzubauen. Doch der Hass auf Homosexuelle findet leider auch hier Einlass: Fachbeirätin Karla Etschenberg, eine emeritierte Professorin an den Universitäten Kiel und Flensburg, warnt in Interviews offen davor, dass Aufklärung über Homosexualität an den Schulen Propaganda, eine Umerziehung und Werbung "für homosexuelles Handeln" sei. Zwar bedauerte sie später "Irritationen", rückt aber von ihrer homophoben Propaganda nicht ab. Zum Jahreswechsel sitzt sie noch immer im Fachbeirat.
Respektlosigkeit des Jahres: ARD
Der Sender bewirbt eine "Toleranzwoche" mit einem sich küssenden schwulen Paar und der Frage "Normal oder nicht normal". Als Teil der Woche wird der homophobe Publizist Matthias Matussek in eine Talkshow eingeladen. Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard rechtfertigt das danach so: "Meines Wissens ist Homophobie nicht zwangsläufig menschenverachtend."

Lebt noch in den Kohl-Jahren: Gleichbehandlungsgegner Norbert Blüm (CDU)
Dämlichste Äußerung des Jahres: Norbert Blüm
Der Blüm war ja immer der lustige und scheinbar weltoffene Minister in der Kohl-Regierung. Dass er viel engstirniger ist, zeigte er in diesem Jahr in einem Artikel für die FAS: Darin beschrieb er Schwule und Lesben als geradezu nutzlos für die Gesellschaft. Das Bundesverfassungsgericht laufe zu Unrecht dem Zeitgeist hinterher, bei dem Homosexualität gerade "in" sei. Blüm lebt halt noch in der Zeit vor der LSU, als der gute schwule Christdemokrat oder die gute lesbische Christsoziale ihre sexuelle Orientierung nur im Dunklen auslebten.
Ignorante Person des Jahres: Steffen Henssler
Früher war es normal, dass Heten etwas als "schwul" bezeichneten, was ihnen nicht gefiel. Inzwischen wird dies dankeswerterweise als genau so diskriminierend eingestuft wie die Verwendung von "Nigger" oder ähnlichen Begriffen. Hier wundert man sich schon sehr, wenn sich einer der größten Stars des meist gesehenen privaten Fernsehkanals noch dieser diskriminierenden Sprache bedient. Und dann nach der Sendung noch nicht einmal versucht, dazu Stellung zu nehmen.
Hetzer des Jahres: Akif Pirinçci
"Gender Mainstreaming ist ein von geisteskranken und faulen Lesben, die komplett vom Staat alimentiert werden, erfundener Scheißdreck."
Augen zu und durch des Jahres: Sport-Offizielle
Bei den Olympischen Winterspielen in Russland schweigt das IOC, als LGBT-Aktivisten in Moskau und St. Petersburg verhaftet werden – und selbst als in Sotschi eine italienische Transgender-Aktivistin samt Regenbogenflagge und gültigem Ticket abgeführt wird, spricht man von einem illegalen Protest. Dass man aus diesen Propaganda-Spielen nichts gelernt hat, zeigt die Fifa, die nichts gegen homophobe Sprechchöre bei der WM in Brasilien unternimmt und an den kommenden Turnieren in Russland und Katar festhält. Und später im Jahr die UEFA, die Spiele der Fußball-EM 2020 nach St. Petersburg und Baku vergibt. In Aserbaidschan ist die Lage für Schwule und Lesben so toll, dass sich Anfang des Jahres ein junger Aktivist, der mit seinem offenen Umgang mit seiner Homosexualität in den Medien Hoffnungen weckte, erhängt hat. An einer Regenbogenflagge.
Manipulation des Jahres: Russland
Die russischen Behörden gingen dieses Jahr voll in ihrer homophoben Rhetorik auf. Als die dortige Wirtschaftskrise schärfer wurde und der Putin-Clan mehr denn je einen Sündenbock brauchte, wurde es bizarr: So fälsche das russische Staatsfernsehen sogar einen Bericht, um zu zeigen, wie sehr Homosexualität die Jugend verdirbt. Bereits im Frühjahr hatte Quarteera vor der zunehmenden homophoben Propaganda des Staatsfernsehens gewarnt. Die Organisation russischsprachiger LGBT in Deutschland muss sich derweil um immer mehr Flüchtlinge aus der Heimat kümmern.
Der laufende Wahnsinn
In Nigeria und Gambia wurde 2014 die Gesetzgebung gegen Homosexuelle verschärft, in beiden Ländern wurden danach Schwule verhaftet. Vorbild war eine Strafverschärfung in Uganda, die von einem Gericht aufgehoben wurde – Abgeordnete planen derzeit eine Neuauflage des Gesetzes. Die Republik Tschad ließ 2014 erstmals homosexuelle Handlungen verbieten und Brunei führte die Scharia ein – eine Todesstrafe für Homosexuelle könnte in den nächsten Jahren folgen. In Ägypten und im Libanon werden immer mehr Schwule verhaftet, aus Saudi-Arabien werden mehrere Haftstrafen berichtet. Der "islamische Staat" brüstet sich mit der Hinrichtung von insgesamt drei angeblich schwulen Männern – wie bei zwei Hängungen im Iran sind die Hintergründe allerdings unklar. Kroatien, die Slowakei und Mazedonien ließen 2014 die Ehe für Homosexuelle verbieten. In einigen Ländern wie Kirgisistan sind "Propaganda"-Gesetze in Planung, die teilweise das russische Vorbild übertreffen könnten. Die Lage in den Separatistengebiete in der Ukraine ist derweil unübersichtlich, viele LGBT flüchten von dort nach Kiew.
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» Höhepunkte des Jahres 2014















Wowereit ist weg, Kahrs verbraucht, die Schwusos haben keine Schlagkraft... wer ist da eigentlich noch?
Harte Zeiten für Willys selbsternannte Enkel!
Die SPD muss sich entmerkeln, wenn sie überhaupt noch ernst genommen werden will. Und sie muss sich personell erneuern, weil alles, was sie da irgendwie für uns auffahren könnte, überaltert, verbraucht, machtverschlafen und teils sogar inkompetent ist!