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Kinostart "Lilting"
In Ben Whishaws Armen liegen
- 31. Dezember 2014 3 Min.

Nur eine Erinnerung: Kai (Andrew Leung, li.), der Freund von Richard (Ben Whishaw), kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben (Bild: Edition Salzgeber)
Ein kleines Filmwunder gleich zu Beginn des Jahres: In Hong Khaous Debütfilm "Lilting" nähern sich der schwule Richard und die kambodschanisch-chinesische Mutter seines verstorbenen Freundes an.
Von Peter Fuchs
Zwei verwuschelte Männer um die Dreißig kugeln im Bett herum. Sie tragen nur Boxershorts, die weißen Laken reflektieren die Sonnenstrahlen, die durch das Fenster scheinen. Da lässt der eine den anderen mit dem nackten Fuß seinen Herzschlag spüren. Was für ein reizender Effekt, sexy und dennoch unaufgeregt.
Dieser Fuß gehört auch noch Schauspieler Ben Whishaw. Privat hat er 2013 seine Verpartnerung mit dem Komponisten Mark Bradshaw bekannt gegeben (queer.de berichtete) Beruflich gehört er als süßer Nerd "Q" zum engen Mitarbeiterkreis von James Bond (queer.de berichtete).
Für die Schwiegermutter ist Richard ein Fremder

Plakat zum Film: Deutscher Kinostart ist am 1. Januar 2015
Doch die Bettszene mit ihrer leichtfüßigen Erotik hat auch eine bittersüße Seite. Das Herz von Kai (Andrew Leung) hat bereits zu schlagen aufgehört, wir sehen alles nur in der Erinnerung von Richard (Ben Whishaw). Kai starb bei einem Verkehrsunfall auf dem Weg ins Seniorenheim, in dem seine kambodschanisch-chinesische Mutter Junn (Pei-Pei Cheng) lebt. Wie Richard um seinen geliebten Partner, trauert sie um ihren Sohn in Rückblenden, die Regisseur Hong Khaou auf wundervoll zarte Weise in die Gegenwart verwebt.
Der trauernde Richard sucht nun den Kontakt zu seiner Schwiegermutter, doch für sie ist er ein Fremder, bloß ein WG-Kollege ihres toten Sohns. Kai hat sich Zeit seines Lebens nicht geoutet. Um auch die Sprachbarriere zu überwinden – Junn spricht kein Wort Englisch – engagiert Richard eine Dolmetscherin. Die soll helfen das ungleiche Andenken an den geliebten Kai zusammenzufügen. Das Finden einer gemeinsamen Sprache ist also der Schlüssel zu dieser feinen Studie über die komplizierte Dynamik von Trauer und gelebtem Mitgefühl.
Hong Khaou lässt den Film aber nicht in einer elegische Abhandlung über Liebe, Tod und Verlust ertrinken, sondern baut eine witzige Nebenhandlung ein, die den Hauptstrang noch deutlicher hervortreten lässt. Junn hat sich im Seniorenheim ein Techtelmechtel mit einem Heimkollegen angefangen, den sie regelmäßig zu Tête-à-Têtes trifft. Dabei geht fast alles, nur kein Dialog. Deshalb stellt Richard auch dafür die Dolmetscherin zur Verfügung. Schon nach kurzer Zeit geht es in diesen Szenen nach höflichem Süßholzgeraspel ans Eingemachte: Themen wie "in den Popo zwicken" und Knoblauchfahne müssen besprochen werden.
Ben Whishaw trägt den Film jedoch vom Anfang bis zum Ende. Sein Richard ist am Verlust fast zerbrochen, stemmt aber mit emotionaler Kraft, sich trotz hartnäckiger Abweisung Junns Schmerz und Enttäuschung zuzuwenden. Am Ende hat er auch den Zuschauer davon überzeugt, das Richtige und Sinnvolle zu tun. Wenn sein Richard dann endlich weinen kann, weinen wir mit ihm. Und wenn sein Richard dann tanzt, möchten wir dabei in seinen Armen liegen.
"Lilting" ist gleich zu Beginn des Jahres 2015 ein kleines Filmwunder.
Lilting. Drama. Großbritannien 2014. Regie: Hong Khaou. Darsteller: Ben Whishaw, Cheng Pei-Pei, Andrew Leung, Naomi Christie, Peter Bowles. Originalfassung (Englisch/Mandarin) mit deutschen Untertiteln. Laufzeit: 86 Minuten. FSK 6. Verleih: Edition Salzgeber. Kinostart: 1. Januar 2015
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