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- 19. Januar 2005 4 Min.
Zur 1.000 Folge der "Lindenstraße": Im Gespräch mit Marianne Rogée alias Isolde Panowak-Pavarotti, die bereits seit der 9. Folge dabei ist.
Von Jan Gebauer
Am 30. Januar wird die 1000. Folge der "Lindenstraße" ausgestrahlt. Vor fast 20 Jahren gab es einen Riesenwirbel, weil sich zum ersten Mal zwei Schwule in der Serie küssten. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Ja, damals empörten sich sämtliche Spießer. Ich wurde sogar persönlich angesprochen, ob dieser Kuss wirklich nötig war, da man jetzt seine Kinder nicht mehr vor den Fernseher lassen könne. Aber schon damals liefen am Nachmittag irgendwelche Brutalo-Western, die die Kinder gucken durften. Ich habe deshalb geantwortet, dass das sicher gefährlicher und brutaler sei, da vom Küssen eigentlich noch keiner gestorben ist. Es gab viele Diskussionen darüber, ob man die Serie noch gucken könne. Ich fand es damals sehr gut, diesen Schritt gegangen zu sein, denn mittlerweile regt sich niemand mehr auf. Dieselben Leute, die sich damals empörten, machen jetzt, wenn ich mit ihnen rede, keine Bemerkungen mehr. Vielleicht kennen sie meine Einstellung, oder sie begreifen allmählich, dass es normal ist.
Kommen heute in dieser Richtung keine Beschwerden mehr über die Lindenstraße?
Darüber bin ich nicht informiert. Es kann sein, dass es die gibt und ich es nur nicht weiß. Damals habe ich auch nur mitbekommen, dass wir säckeweise Post geschickt bekamen. Ich wusste es nur, weil man mich direkt auf der Straße angesprochen hat, ob ich keinen Einfluss hätte und diesen Kuss verhindern könne.
Haben Sie privat schwule Freunde?
Ja, mein Leben lang! Es ist für jede Frau unabdingbar, mindestens zwei schwule Freunde zu haben, da man wunderbar bei denen aufgehoben ist. Ich könnte Gründe über Gründe aufzählen, warum das so ist, ob es Reisen sind, Einkäufe oder vertrauliche Gespräche. Man kann mit ihnen wunderbar zusammen lachen, ohne gleich etwas anderes im Hintergrund zu wittern. Ich finde Schwule als Freunde ganz wunderbar und ich habe sehr viele. Auch nicht erst seit Lindenstraßen-Zeiten, sondern eigentlich schon, solange ich denken kann und ich noch gar nicht wusste, dass es so etwas gibt. In frühester Jugend wollte ich ständig eine Dame mit einem Herren verkuppeln, weil die beiden immer zusammen waren und sich sehr gut verstanden. Irgendjemand fragte mich dann, ob ich nicht wüsste, dass der Mann schwul sei. Ich bin in Coesfeld aufgewachsen, hatte noch nie das Wort "schwul" gehört und wusste gar nicht, was das bedeutet. Erst danach stellte ich fest, dass ich schon lange lesbische und schwule Freunde hatte.
Welche Klischees, die es über Schwule gibt, sind ihrer Meinung nach wirklich wahr?
Das mit der Höflichkeit stimmt. Und was mir immer besonders auffällt, ist dieses Gepflegt-sein. Es ist einfach eine schöne Sache, wenn ich in Athen im Café sitze und denke: Gott sei Dank, der Kellner ist schwul. Dann weiß ich, dass ich auch dort unbesorgt auf die Toilette gehen kann, weil die sicher sauber ist. Das ist vielleicht ein Klischee, aber mir ist das sehr angenehm. Ich will natürlich nicht sagen, dass alle Heteros schmutzige Klos haben. (lacht)
Eine Sache, die Fans besonders gut an Ihrer Rolle in der "Lindenstraße" gefallen hat, war das Singen. Warum ist dieser Teil der Rolle unter den Tisch gefallen?
Das ist nicht ganz unter den Tisch gefallen, sondern hat mit dem Wandel der Figuren zu tun. Eine Geschichte tritt in den Vordergrund, dafür müssen andere weiter nach hinten rücken und im Moment bin ich eher weiter hinten. Das ist etwas langweilig für mich. Mir hat das Singen sehr viel Spaß gemacht. Ich sage immer, wenn ich so gut singen würde, wie ich gerne singe, wäre ich die beste Sängerin. Wenn ich es mit der Termin-Planung vereinbaren kann, trete ich mit einem Programm mit Gedichten und Chansons auf. Ich mache auch Lesungen und viel Funk als weiteres Standbein. Und ich hoffe, dass Sie gesehen haben, dass ich ein wunderbares Katzenbuch mit dem Titel "Katzen für Unicef" herausgegeben habe. Das müssen Sie unbedingt kaufen und anschauen.
Können Sie Ihr Buch beschreiben?
Ich habe innerhalb von zehn Jahre viele Leute angesprochen, ob sie mir eine Katze malen können, und jetzt habe ich 214 Katzenzeichnungen in dem Buch zusammengetragen mit kurzen Textbeiträgen. Gemalt haben Leute wie Alain Delon, Elke Heidenreich, Helge Schneider, Peter Ustinov und Roger Moore - ganz unterschiedliche Prominente. Auch der Fußballtrainer Jörg Berger, ein jordanischer Architekt von der EXPO 2000, der Boxer Axel Schulz und der Schriftsteller Günter Grass sind dabei - und Helmut Zerlett mit einem Rezept "Katze in Wein". (lacht) Ich verdiene mit diesem Buch nichts, es ist mein Geschenk an Unicef beziehungsweise an die Kinder.
24. Januar 2005
Links zum Thema:
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» Offizielle Lindenstraßen-Homepage
» queer.de-Rückblick über die schwulen Stationen der Lindenstraße
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