https://queer.de/?23066
- 21. Januar 2015 3 Min.

Alan Turing wurde in den 1950er Jahren wegen der damaligen homophoben Gesetzgebung verhaftet, verurteilt und hatte die Wahl zwischen Gefängnis und chemischer Kastration (Bild: SquareOne Entertainment)
Im Drama "The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben" brilliert Benedict Cumberbatch als schwules Logik- und Mathematikgenie Alan Turing – er wurde zu Recht für einen Oscar nominiert.
Von Peter Fuchs
Wir sollen uns ja nicht Cumberbitches nennen. Das hört Benedict Cumberbatch nicht so gerne. Der britische Schauspieler hält diese Fanbezeichnung für unhöflich und erlaubt uns nicht, seine Bitches zu sein. Der Name sei dem Feminismus nicht zuträglich, weshalb der 38-Jährige den Begriff Cumberpeople bevorzuge. Wir sehen uns zwar auch als Feministen, aber mal ehrlich: Cumberpeople darf er behalten.
Unser Cumbercrush nährt sich ungemindert von Benedicts blau-grünen Augen, seinen sexy Wangenknochen, den verwuschelten Locken und dem tiefen Timbre seiner Stimme. Natürlich auch von seiner extravaganten Rollenwahl: Männer, die drüber und abseits stehen. Wie der manische Sherlock Holmes in der BBC-Serie, Julian Assange blondiert in "Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt" oder mit einschüchterndem Charisma der Bösewicht Kahn in "Star Trek Into Darkness". 2016 sehen wir ihn als Marvels bizarren Zauberer Doctor Strange. Passt.
Thriller mit tragischer Komponente und ohne Sex

Poster zum Film. Bundesweiter Kinostart von "The Imitation Game" ist am 22. Januar 2015
Seine aktuelle Rolle als britisches Logik- und Mathematikgenie Alan Turing ist da keine Ausnahme. Turing half den Alliierten maßgeblich, die Nazis im Zweiten Weltkrieg zu besiegen, in dem er eine Maschine entwickelte, die den deutschen Verschlüsselungscode Enigma knackte. Das ist die Thrillerkomponente des Films.
Nach dem Krieg feierte ihn aber niemand als Kriegsheld. Er wurde in den 1950er Jahren wegen homosexueller Handlungen verurteilt und hatte die Wahl zwischen Gefängnis und chemischer Kastration. Wie barbarisch! Turing entschied sich für die Kastration, fing sich dabei eine Depression ein und beging ein Jahr danach Selbstmord. Das ist die tragische Komponente des Biopics.
Der Film springt mit uns sauber zwischen drei Zeitabschnitten: die 1920er Jahre, die uns Turing als hochbegabten und gemobbten Schuljungen zeigen, der sich in einen Mitschüler verliebt; die Kriegsära im Sold des britischen Geheimdiensts; und der Winter 1952, als Turing wegen des Vorwurfs der "groben Unzucht" verhaftet wurde.
Cumberbatch genießt es, den Intelligentesten im Raum zu spielen
Als Turing ist Cumberbatch exzellent und zu Recht für einen Oscar nominiert (queer.de berichtete). Er gibt ihn eitel und unsicher, arrogant und mit der Fähigkeit, diese Arroganz im richtigen Moment zurückzunehmen. Cumberbatch genießt es, den intelligentesten Menschen im Raum zu spielen und lässt das Publikum an diesem Genuss teilhaben. Dennoch vermittelt er gleichzeitig Turings rüde Art, auf Konflikte seines Jobs zu reagieren. Das sind oft Herausforderungen, die sich Turing selbst in den Weg stellt.
Cumberbatch widersteht dabei der Versuchung, uns Turing sympathisch zu machen. Stattdessen schafft er einen komplizierten Helden, dessen Hirn rasend schnell wie ein Computer arbeitet, und zeigt uns herzerwärmend einen Menschen, dessen Antrieb sich letztlich nicht aus der rationalen Vernunft des Wissenschafters nährt, sondern von der Liebe. Seine Maschine, die den Code der Nazis knackte, benannte er nach Christopher, seiner großen Liebe aus den Schultagen.
Dem Film "The Imitation Game" wurde in den USA vorgeworfen, dass es keine expliziten Sexszenen mit Alan Turing zu sehen gibt und man verdruckst mit seiner Homosexualität im Drehbuch umgegangen sei. Dieser Eindruck lässt sich nicht bestätigen, weil Turing offen, arglos und ergreifend unschuldig von seiner Sexualität spricht. Also alles gut, auch wenn die schwule Cumberbitch in uns eine solche Szene natürlich mit Freude gesehen hätte.
The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben. Drama. Großbritannien 2014. Regie: Morten Tyldum. Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Rory Kinnear, Allen Leech, Matthew Beard, Charles Dance, Mark Strong, James Northcote. Laufzeit: 114 Minuten. FSK 12. Verleih: Squareone (DCM). Kinostart: 22. Januar 2015
Links zum Thema:
» Englische Homepage zum Film
» Deutsche Fanpage auf Facebook
Mehr zum Thema:
» "The Imitation Game" für acht Oscars nominiert (15.01.2015)
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
05:55h, MDR:
Käthe und ich
Folge 6: Das Adoptivkind – Film über den zwölfjährigen Ben, der vor kurzem noch beliebt war und inzwischen der meistgehasste Junge der Schule ist, auch dabei der schwule Tierarzt Eric.
Spielfilm, D 2021- mehr TV-Tipps »















