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Mutiger Schritt
Star von russischer TV-Sitcom outet sich
- 10. Februar 2015 3 Min.

Odin Biron in seiner Rolle als Phil
Der Amerikaner Odin Biron, der in einem russischen "Scrubs"-Klon einen Austauschschüler spielt, reagiert damit auch auf die Homophobie eines Kollegen.
In Russland sorgt ein am Dienstag in den USA publiziertes Interview für Wirbel: Der 30-jährige amerikanische Schauspieler Odin Lund Biron hat sich in einem Artikel des "New York Magazine" als schwul geoutet.
Während Biron in seiner Heimat nahezu unbekannt ist, gilt er in Russland als Star. Vor allem seine Rolle in einer Art russischen Version von "Scrubs" machte ihn bekannt. In "Interny" (Praktikumsärzte) spielt er seit 2010 einen Austausch-Medizinstudenten, der nicht so ganz mit den russischen Bräuchen zurecht kommt.
Einerseits erfüllt die Rolle des amerikanischen Arztes Phil viele Klischees über Amerikaner, berichtet das Magazin. Und die Serie mache nur bedingt progressive Scherze darüber, dass der Arzt bei zwei Vätern aufwuchs – passend zur Propaganda, dass Homosexualität ein Import des Westens sei. Andererseits ist Phil die einzige wohlmeinde Figur der Serie – und dadurch populär geworden, in einer Zeit, in der das Ansehen von Amerikanern in Russland nicht allzu hoch ist.
Erzhomophober Kollege

Birons Kollege Iwan Iwanowitsch Ochlobystin wollte Schwule und Lesben in den Ofen schieben
Das Coming-out von Biron ist auch deshalb bedeutsam, weil der Schauspieler, der Phils Vorgesetzten spielt, durch Homophobie Schlagzeilen gemacht hatte. Iwan Iwanowitsch Ochlobystin hatte etwa 2013 über Homosexuelle gesagt: "Ich würde sie alle lebendig in den Ofen schieben." Als gäubiger Mensch lehne er "Sodom und Gomorrha" ab, da dies "eine ständige Gefahr" für seine Kinder darstelle.
Im letzten Jahr schrieb der russisch-orthodoxe Priester im Ruhestand einen Brief an Präsident Wladimir Putin mit der Bitte, homosexuelle Handlungen wieder unter Strafe zu stellen. Unter anderem deswegen hatte im letzten Oktober der Außenminister Lettlands, der schwule Politiker Edgars Rinkevics, ein Einreiseverbot gegen ihn verfügt (queer.de berichtete).
Auch Estland und die Ukraine haben ihn verbannt, wobei er es trotzdem nach Donezk schaffte, um seine Unterstützung für "Neurussland" zu zeigen. Aufrufe, Ochlobystin zu entlassen oder in seiner TV-Rolle zu beurlauben, verhallten ungehört. Produziert wird die Serie vom Sender NTW und ausgestrahlt vom Sender TNT – beide Firmen gehören zum staatlichen Gazprom-Konzern.
Coming-out als Dialog

In Kürze starten für Biron die Dreharbeiten zur nächsten Staffel der Serie
Ochlobystin habe bisher nichts von seinem Schwulsein gewusst, sagte Biron dem US-Magazin. Nur einige Freunde und TV-Kollegen hätte er bislang eingeweiht. Zugleich hätte er nicht gelogen: Wurde er von Journalisten nach russischen Frauen gefragt, habe er gesagt, dass sie schön seien. Sei er gefragt worden, ob er mit einer ausgehe, habe er einfach mit Nein geantwortet. Für ein Jahr sei er mit einen Regisseur aus Kasachstan zusammen gewesen.
Der Schauspieler aus Minnesota, der inzwischen russischer Staatsbürger ist, war 2003 über einen Studentenaustausch nach Moskau gekommen und in Kontakt zu einer Theaterschule gekommen, deren Student er dann wurde. Neben der Rolle in "Interny" spielte er auch in mehreren Filmen mit und stand mehrfach auf der Bühne.
Die Homosexualität vieler Künstler ist in Russland ein offenes Geheimnis, über das in der Regel nicht gesprochen wird. Biron sagte, er habe lange überlegt, wie er sich outen sollte. Als sich Ochlobystin, den er als Freund ansieht, homophob äußerte, habe er überlegt, zum Sender zu gehen und zu drohen: Der oder ich. Er habe auch eine Rückkehr in die Heimat erwogen.
Aber Konfrontation sei nicht "die Art, in der ich operiere", so Biron. "So funktionieren Sachen in den Staaten. Aber das braucht dieses Land nicht. Dieses Land braucht Dialog." Niemanden würde geholfen, würden alle ausländischen Praktikanten und Austauschschüler das Land verlassen.
Vor Ort die Leute überzeugen, auch durch prominente Coming-outs – das könnte seiner Meinung nach der wachsenden Schwulen- und Lesbenbewegung Russlands helfen, so Biron in dem Magazin. In wenigen Wochen starten die Aufnahmen zur neuesten Staffel von "Interny". Noch ist unklar, wie Russland auf das Coming-out reagieren wird. (nb)














