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- 23. Januar 2005 2 Min.
Alt und jung, arm und reich in Trauer vereint. Ein Kommentar zur Gedenkveranstaltung am Samstag in München.
Von Jürgen Friedenberg
Tausende erwiesen ihm in München die letzte Ehre, Millionen waren am Fernseher landauf, landab dabei: nein, das war kein Medienspektakel, sondern ein Rudolph Moshammer würdiger Abschied. Sensationsgier, die die Berichterstattung über den ermordeten Modemacher zuweilen abscheulich geprägt hatte, wich am Samstag wenigstens für Stunden einer ruhigen Besinnung auf das Wesentliche, auf Leben und Tod - und dies auf eine Weise, die Moshammer zu Lebzeiten vorgegeben hatte.
Alt und Jung, Arm und Reich, Prominente und Menschen wie Du und ich waren in ihrer Trauer vereint. Ist es zu viel gesagt, zu viel gewagt, wenn man behauptet: ein Volk trauerte?
Wenn es so war, dann stimmt das hoffnungsvoll. Denn die Fähigkeit, zu trauern, setzt Gefühle und Kräfte frei, die trösten und über den Trauerfall hinaus belebend in die Zukunft wirken können. Zumal dann, wenn des Toten am Grabe ehrlich gedacht wird, wenn seine Stärken nicht überzeichnet, seine Schwächen nicht vertuscht werden. In der Trauerpredigt wurde Moshammers Zwiespältigkeit nicht verschwiegen, seine homosexuelle Orientierung angesprochen, sein Verhalten als die ihm gemäße Lebenswirklichkeit respektiert.
Vielleicht könnte der bewunderte und beliebte Münchener Modemann und Wohltäter noch am Leben sein, wenn er sich zu seiner Natur ebenso offen bekannt hätte wie zu seinem sozialen Engagement. Doch wie wenig kennen wir die Persönlichkeit der Prominenten, ihre Sehnsüchte, ihre Ängste, ihre Einsamkeit – obwohl ihre Namen in aller Munde sind.
Moshammer ist tot, was bleibt? Die dankbare Erinnerung an einen großen Menschenfreund, an einen Mitmann, der zu uns Schwulen gehörte, auch wenn er sich dies selber und anderen nicht einzugestehen vermochte.
23. Januar 2005















andy