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Neue Bürgerschaft
Hamburg-Wahl: Chefs der Schwusos und LSU scheitern
- 17. Februar 2015 3 Min.

CDU-Spitzenkandidat Dietrich Wersich und Grünen-Veteran Farid Müller konnten sich als einzige schwule Politiker den Wiedereinzug ins Hamburger Landesparlament sichern
Mehrere schwule Kandidaten haben es nicht in die Hamburger Bürgerschaft geschafft. Mit Dietrich Wersich und Farid Müller sind nur zwei offen homosexuelle Politiker dabei.
Mehr als ein Dutzend schwule Kandidaten haben bei der Bürgerschaftswahl am Sonntag um die insgesamt zehn Stimmen der Wähler gekämpft (lesbische Politikerinnen waren nicht in Erscheinung getreten). Am Ende reichte es nicht für die meisten Bewerber um einen Sitz im schicken Hamburger Rathaus.
Über die Liste konnte CDU-Spitzenkandidat Dietrich Wersich den Sprung schaffen, der vergeblich versuchte, die Bürger der Hansestadt für seine Christdemokraten zu erwärmen. Ebenfalls geschafft hat es Farid Müller, der im Wahlkreis 1 (Hamburg-Mitte) mit 22.059 Stimmen den zweiten von fünf hier vergebenen Sitzen erringen konnte. Müller ist Sprecher für Schwulen- und Lesbenpolitik der Grünen.
Die SPD hat dagegen ihren homopolitischen Sprecher verloren: Philipp-Sebastian Kühn konnte nicht genügend Stimmen auf sich vereinen. Enttäuschung auch für Arne Platzbecker: Der Landeschef der Arbeitsgemeinschaft für Lesben und Schwule in der SPD (Schwusos) konnte nicht genügend Hamburger dazu animieren, ihn auf Listenplatz 41 das Vertrauen zu schenken.
Nicht geschafft hat es auch der schwule Kandidat Roland Kelm, der ebenfalls im Wahlkreis Hamburg-Mitte für die Linke um den Einzug in die Bürgerschaft gekämpft hatte.
Ex-LSU-Bundeschef fliegt aus Bürgerschaft raus

Roland Heintze war von 2004 bis 2015 Bürgerschaftsabgeordneter – am Sonntag reichte es für den ehemaligen LSU-Chef nicht mehr.
Dem katastrophalen Abschneiden der CDU fiel dieses Mal Roland Heintze zum Opfer, der von 2004 bis 2006 Bundesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) war. Er muss damit nach elf Jahren die Bürgerschaft verlassen. Homopolitisch galt er eher als umstritten, weil er viele LGBT-Aktivisten als parteipolitische Feinde ansah, als er 2012 die Gemeinnützigkeit des CSDs in Frage stellte (queer.de berichtete). Heintze war bereits im letzten Jahr Spitzenkandidat der Hamburger CDU zur Europawahl, konnte aber auch damals nicht genügend Stimmen auf sich vereinigen.
Den Einzug verpasst hat auch der LSU-Vorsitzende von Hamburg, Christian Röbcke-Gronau. Der 34-jährige Kreativ-Direktor trat auf Platz 31 der CDU-Landesliste an.
Auch auf einen erbitterten Homo-Gegner müssen die Christdemokraten künftig verzichten: Nikolaus Haufler, der noch Ende Januar auf der homophoben Demo der "Besorgten Eltern" eine Rede gehalten hatte (queer.de berichtete), konnte den Wiedereinzug ins Parlament nicht schaffen.
Bei den Grünen scheiterten unter anderem der 24-jährigen schwulen Nachwuchspolitiker Maximilian Bierbaum, der Soziologie und Amerikanistik studiert, und Fabian Rombach, ein Student und Gebärdendolmetscher. Auch Personalreferent René Gögge und Zugfahrer Aron Elias Bröhl-Mugendi haben den Einzug ins Parlament verpasst.
Übrigens reicht Sexappeal nicht (alleine) aus, um schwule Stimmen zu erhalten: So schaffte der FDP-Politiker Robert Bläsing nicht den Wiedereinzug ins Parlament, dem er seit 2011 angehörte – und das, obwohl er kurz vor der Wahl mit seinem schicken Sixpack um Stimmen geworben hatte (queer.de berichtete).















Gut das es Farid Müller zumindest geschafft hat, da die Grünen neben der FDP die treibende Kraft bei LGBT-Themen sind.
Der Nichteinzug der anderen schwulen Kandidaten hingegen ist schade, da ich generell es immer befürworte, wenn schwule und lesbische Kandidaten in die Parlamente einziehen - egal welche Partei, es sei denn es handelt sich um die Partei der Republikaner oder um die Partei NPD: dort haben homosexuelle Kandidaten weiß Gott nichts verloren.