https://queer.de/?23249
Rechtspopulismus
Frauke Petry will an Schulen die "normale" Familie schützen
- 19. Februar 2015 3 Min.

Frauke Petry will dafür sorgen, dass Schüler möglichst nichts über die Existenz von Schwulen und Lesben erfahren
Die AfD-Sprecherin bezweifelt, dass Homophobie an Schulen ein Problem ist, obwohl Studien das Gegenteil beweisen.
Nicht Schwule und Lesben, sondern "normale" Familien sollten an Grundschulen geschützt werden, so die in rhetorische Fragen verpackte Forderung der sächsischen AfD-Chefin Frauke Petry am Dienstag auf ihrer Facebook-Seite.
Dort schrieb die Politikerin: "Ist denn Homophobie (Angst vor homosexuellen Menschen), hier speziell bei Grundschülern in den dritten und vierten Klassen so weit verbreitet, dass die Kinder dieses Alters in Schulen und Kindertagesstätten damit konfrontiert werden müssten?" Die 39-Jährige, die vor einem halben Jahr als Spitzenkandidaten der sächsischen AfD mit einem Wahlkampf gegen "Überfremdung" rund zehn Prozent der Stimmen gewinnen konnte, reagiert damit auf eine Auseinandersetzung um Aufklärungspläne in Schleswig-Holstein.
Petry deutete an, dass es besser sei, heterosexuelle Familien statt Schwule und Lesben zu schützen – und führte das Grundgesetz als Grund an: "[S]ollte der Staat nicht, gerade im Hinblick auf die demographische Entwicklung in unserem Land, viel eher die 'normale' Familie schützen, wie es auch Art. 6 GG vorsieht?"
Sie bezieht sich damit auf den besonderen Schutz von Ehe und Familie in der deutschen Verfassung. Der Artikel wird von Homo-Gegnern gerne als Argument gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht angeführt. Allerdings hatte das Bundesverfassungsgericht mehrfach festgestellt, dass daraus keine Schlechterstellung von Lebenspartnerschaften abzuleiten ist, und zuletzt auch, dass auch Homo-Paare mit Kindern selbst Familie sind und unter den Schutz fallen.
Studien: Mobbing gegen Schwule und Lesben an Schulen alltäglich
Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass homosexuellenfeindliches Mobbing bereits unter jungen Schülern weit verbreitet ist. So kam eine Berliner Studie aus dem Jahr 2012 zu dem Ergebnis, dass fast zwei Drittel der Sechstklässler "schwul" oder "Schwuchtel" als Schimpfwort benutzen (queer.de berichtete). Auch internationale Studien kommen zu dem Ergebnis, dass junge Schwule und Lesben überproportional Mobbing ausgesetzt sind, so etwa eine Untersuchung der renommierten Cambridge-Universität (queer.de berichtete). Laut einer US-Studie sind schwule und lesbische Schüler auch drei Mal so häufig Online-Mobbing ausgesetzt als andere Jugendliche (queer.de berichtete).
Anlass für die Äußerung Petrys, die auf der Facebook-Seite zahlreiche homophobe Kommentare ihrer Anhänger provozierte, ist ein Bericht des "Hamburger Abendblatts" über eine geplante Aufklärung über Homo- und Transsexualität an Grundschulen in Schleswig-Holstein. Mit der Veröffentlichung eines kleinen Teils der noch unfertigen Unterrichtsmaterialien erwecken einige Politiker und Medien seit Wochen den Eindruck, die heterosexuelle Familie würde damit an den Rand gedrängt (queer.de berichtete). Entsprechende Skandalisierungsversuche hatte es in den letzten Monaten immer wieder gegeben, wenn Bundesländer gezielter im Unterricht auf LGBT-Themen eingehen wollten.
Die AfD hatte zuletzt im Hamburger Wahlkampf versucht, mit Homophobie Stimmen zu sammeln (queer.de berichtete). Außerdem hat die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch Ende Januar zugegeben, dass sie persönlich die homophoben "Demos für alle" organisiert (queer.de berichtete). Diese richten sich gegen Schulaufklärung über "sexuelle Vielfalt". (dk)














