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  • 23. Februar 2015 54 4 Min.

Beim Aschermittwoch unterhielt Bernd Lucke sein Publikum mit Sprüchen über "Sadismus und Sodomie", die nun angeblich Unterrichtsthema würden

Homophobie im Doppelpack: In einer Rede und auf Facebook kritisiert der AfD-Vorsitzende, dass LGBT-Themen auch außerhalb des Biologie-Unterrichts angesprochen werden sollen.

Von Norbert Blech

AfD-Chef Bernd Lucke hat in den letzten Tagen gleich zweifach Stimmung gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt gemacht. So schrieb er am Sonntag in seinem viel beachteten Facebook-Profil, dass es "im Prinzip" richtig sei, dass "Kinder im Rahmen der schulischen Bildung über sexuelle Vielfalt und beispielsweise Homosexualität aufgeklärt werden". Dann schränkte er aber ein, das müsse "mit Maß und im richtigen Alter geschehen".

Danach folgte reinster Populismus mit Falschdarstellungen: "Die sexualpädagogischen Neuerungen jedoch, die zurzeit in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Niedersachsen eingeführt werden, gehen zum Teil in erschreckender Weise darüber hinaus. Da sollen Kinder mit 12 oder 13 Jahren Stellungen ausprobieren ('Sagt mir mal, was eure Lieblingsstellung bei Sex ist'), da werden Massagen im Unterricht erprobt, die Kinder sollen dünne Kleidung tragen und sich gegenseitig massieren. Solcherlei wird von den Pädagogen ernsthaft vorgeschlagen und auch in Schulversuchen umgesetzt."

Diese vermeintlichen Pläne, gegen die sich die AfD ausspreche, überschritten "jede vernünftige Grenze" und seien "verstörend", so Lucke. Er könne sich nicht vorstellen, dass Eltern "dies für ihre Kinder akzeptieren würden", sagte er und rief diese Eltern quasi zum Widerstand auf: "Ich würde dagegen auf die Barrikaden gehen, wenn ich schulpflichtige Kinder hätte!"

Fast 1.400 Mal klickten Facebook-Nutzer bei dem Eintrag bereits auf "Gefällt mir", rund 330 Menschen haben ihn geteilt. Versehen wurde er mit einem neuen Motiv der Partei mit der Überschrift "Frühsexualisierung stoppen" – dem Slogan der Demonstrationen gegen die Schulaufklärung.

"50 Shades of Gay"


Luckes Eintrag bei Facebook

Obwohl die AfD maßgeblicher Antreiber dieser Proteste war und ist, hatte sich Lucke sebst bislang zu dem Thema eher zurückgehalten. Nun scheint er die mit Homophobie spielende und Homophobie antreibende Bewegung gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt zum Kampfthema machen zu wollen.

Denn bereits bei seiner Rede zum Aschermittwoch in der letzten Woche hatte er Kritik an den Bildungsplänen instrumentalisiert und sich darüber lustig gemacht, dass eines der "imminent wichtigen Projekte" der Thüringer Landesregierung die "Gleichstellung von sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität im Unterricht".

Lucke sprach in Bezug auf entsprechende Pläne mehrerer Bundesländer von einer "Masche", die "Sexualerziehung raus aus den Bio-Unterricht" zu führen – so als gänge es bei den Bildungsplänen oder den Belangen von LGBT-Schülern um Sexualstellungen. Erneut zeigte er den homophoben Hintergrund der Stimmungsmache, als er kritisierte, dass in allen Fächern über "alle möglichen Schattierungen gleich­geschlechtlicher Neigungen" aufgeklärt werden solle. Im Englisch-Unterricht liefe das dann bestimmt unter dem Titel: "50 Shades of Gay".

Als würden die Bildungspläne anderes vorsehen, betonte Lucke noch, dass es wichtig sei, "kindliches Schamgefühl" zu respektieren. Kindliches Wissen in Fragen der Sexualität sollte "bestimmte Grenzen" haben. Den Begriff "Vielfalt" interpretierte er bewusst falsch mit "Sadismus und Sodomie".

Youtube | Lucke am Aschermittwoch über Bildungspläne, ab 17:20

Neue homophobe Online-Petition


AfD-Plakate bei der letzten "Demo für Alle" in Hannover (Bild: nb)

Seit rund einem Jahr wird das Thema Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität zunehmend zur rechten Stimmungsmache genutzt. Begonnen hatte alles mit einer homophoben Online-Petition gegen entsprechende Pläne in Baden-Württemberg, dann folgten erste Demos, die später von der AfD-nahen "Initiative Familienschutz" professioneller organisert wurden.

Geschickt wurden dabei immer öfter Verzerrungen über angebliche Verfehlungen der Sexualpädagogik eingebaut, was Kritik an der Bewegung schwieriger machte und ihren homophoben Hintergrund vernebelte. Auch der organisatorische Hintergrund wurde durch ein Protestbündnis, zu dem auch Kirchenvertreter oder CDU-Arbeitskreise gehörten, vernebelt; zuletzt hatte die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch aber zugegeben, die "Demos für Alle" zu organisieren (queer.de berichtete).

Vor wenigen Tagen hat die "Initiative Familienschutz", die zum Netzwerk der Eheleute von Storch gehört, eine Online-Petition gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt in Schleswig-Holstein begonnen. Darin wird – unter allerlei Verdrehungen – kritisiert, dass "Lobbyverbände" wie der LSVD in Schulen gingen, "um unter dem Deckmantel der Anti­diskriminierung die Kinder dort nach ihrem Gusto sexuell-vielfältig zu 'bilden'". Unterrichtsmaterialien stellten eine "massive Gefährdung der Identitätsentwicklung der Kinder" dar und verstießen gegen das "Indoktrinationsverbot".

Beatrix von Storch hatte kürzlich angekündigt, dass es demnächst auch eine "Demo für Alle" in Schlewsig-Holstein geben wird. Zunächst protestiert die Bewegung aber erneut in Stuttgart (queer.de berichtete); diese Veranstaltung im "Kampf um die Kinder" am 21. März bewirbt die Initiative sogar mit bezahlten Einträgen auf Facebook.

-w-

#1 NicoAnonym
  • 23.02.2015, 12:24h

  • Tja, die rechtspopulistische AfD kennt keine Grenzen, wenn es um das Schüren von Hass geht, um daraus politisch Kapital zu schlagen.
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#2 TimonAnonym
  • 23.02.2015, 12:33h

  • Da sieht man wieder mal, dass der Homohass in der AfD kein Einzelfall ist, sondern dass die ganze Partei inkl. der Parteispitze vom Homohass durchsetzt ist.
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#3 HonestAbe
  • 23.02.2015, 13:03hBonn
  • "Sadismus und Sodomie"

    Jemand der so daherkommt zeigt nur eines: Er will es! Unbedingt! Jetzt und hier und hart! Einzig und allein unterdrückt er seine Neigungen.

    Lieber Bernd, hör einfach auf dich selbst auf diese Weise zu kasteien. Wir wollen, dass du glücklich bist und dich nicht weiter dem Selbsthass ergeben musst. Du wirst angenehm überrascht sein, wie stark daraufhin dein Hass auf andere nachlassen wird.

    Nur je nachdem, wie du das mit der Sodomie gemeint hast (traditionelle oder neuzeitliche Bedeutung), denke bitte immer daran: Gelebte Sexualität setzt das Einvernehmen aller Beteiligten voraus. Sollte das mit deiner Neigung nicht vereinbar sein, begib dich bitte schleunigst in psychiatrische Behandlung.

    Schalom dann!
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