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- 25. Januar 2005 4 Min.
Auch Schwule und Lesben können in Zukunft gemeinsam Eltern werden, verspricht Zellbiologe Dr. Giuseppe Testa im queer.de-Interview.
Von Tanja Reinsfelder
Die Stammzellenforschung weckt bei schwulen und lesbischen Paaren große Hoffnungen. Theoretisch sei es möglich, so behaupten Zellbiologen, dass auch zwei Männer oder zwei Frauen genetisch eigene Kinder bekommen können. queer.de sprach mit Dr. Giuseppe Testa, Zellbiologe aus Dresden und Mitbegründer des Forums "Science and Society", über den Stand der bisherigen Forschung und über ethische Fragen der so genannten Demokratisierung der Fortpflanzung.
Sie sagen, dass es für schwule Paare in zirka 20 Jahren möglich sein wird, Kinder mit den Genen beider Elternteile zu zeugen. Wie läuft dieses technologische Verfahren ab?
Wir wussten schon seit längerer Zeit, dass aus embryonalen Stammzellen praktisch fast alle Gewebearten erzeugbar sind. Die Versuche, die innerhalb des letzten Jahres an Mäusestammzellen gemacht wurden, haben gezeigt, dass auch Gameten, das heißt Eier und Spermien, produziert werden können. Die Tatsache, dass man in diesen Vorgang auch in vitro durchführen kann, ist ein großer wissenschaftlicher Durchbruch, weil es bedeutet, dass wir in den nächsten Jahren schon sehr viel mehr über diesen Prozess wissen werden. Besonders interessant dabei ist, dass aus männlichen embryonalen Stammzellen nicht nur Spermien, sondern auch Oocyten, also Eizellen, erzeugbar sind. Wir haben probiert, den genetischen Rahmen dieses Prozesses zu analysieren und überlegt, was passieren würde, wenn wir beispielsweise bei zwei Männern diese Technologie benutzen würden, um ein Kind zu zeugen, dessen Genom von beiden Partnern Gene tragen würde. Einer der beiden Männer würde im normalen Prozess Spermien produzieren. Aus irgendeiner Zelle des Partners würden wir dann einen Klon erzeugen, aus dessen embryonalen Stammzellen Oocyten produziert werden. Diese Eier werden dann mit den Spermien des anderen Mannes kombiniert, um ein Kind zu zeugen. Leider verstehen wir diesen Prozess noch nicht im Detail und noch weniger sind wir in der Lage, ihn zu kontrollieren und so sehen, ob alles richtig gelaufen ist.
Wie groß ist das Risiko bei diesem Prozess?
Natürlich gibt es ein Risiko, weil Gene reprogrammiert werden. Eine Zelle, beispielsweise eine Hautzelle, wird gezwungen, die ganze Entwicklung, die sie bereits vollzogen hat, noch einmal durchzuspielen. Dieser Prozess ist sehr schwierig, und wie wir bereits bei dem Klonschaf Dolly oder anderen Spezies gesehen haben, klappt es auch sehr selten. Was diesen Prozess aber entscheidend von Dolly unterscheidet, ist, dass der Mann, der sich klonen lässt, nicht das Ziel hat, eine genetische Kopie von sich selbst zu erzeugen. Stattdessen will man nur einen geklonten Embryo produzieren, um entsprechende Gameten zu erhalten. Hierbei wählt man dann nur Zellen aus, die den Prozess einigermaßen gut durchgeführt haben. Das Problem ist zurzeit, dass wir noch nicht in der Lage sind, genau zu sagen, ob der Prozess gut gelaufen ist. Aber das wird vermutlich nur eine Frage der Zeit sein.
Sie vergleichen dieses Verfahren mit Operationen, die auch ein Eingriff in das Natürliche sind.
Ein Mann produziert Spermien durch das natürliche Verfahren der Spermiogenese, ein Prozess, bei dem das Genom der Zelle so reprogrammiert wird, dass es als Spermium funktionieren kann. Aber es gibt auch Männer, die steril sind, weil genau dieses Verfahren defekt ist. Wenn wir es schaffen, dieses Verfahren in vitro durch diese Technologie durchzuführen, ist es wie bei einem Mann, dessen Niere defekt ist und der deshalb zur Dialyse muss. Bei beidem liegt eine technologische Intervention vor, die einen defekten Prozess ersetzt.
Haben Sie selbst keine ethische Bedenken bei dieser Methode?
Bei diesem Verfahren im Speziellen nicht. Wie wir geschrieben haben, ist für uns das einzige Problem die Sicherheit. Dabei muss man aber betonen, dass Leute, wenn sie über Sicherheit und Risiko sprechen, nicht annehmen sollten, dass das natürliche Verfahren hundertprozentig risikofrei ist. Eins ist sicher: Es gibt keinen Beweis, dass homosexuelle Paare weniger geeignet sind, Eltern zu werden und zu sein. Wenn es eines Tages tatsächlich möglich sein sollte, dass sie durch diese Technologie wie heterosexuelle Paare Eltern werden können, finden wir das sehr gut. Das ist nur eine Art und Weise, die Natur zu modifizieren, was zu einer weiteren Demokratisierung der Fortpflanzung führt.
25. Januar 2005















Das Problem, was ich aber weiterhin sehe, ist nicht die medizinische und technologische Machbarkeit oder ethische Verantwortbarkeit (die zweifelslos gegeben ist), sondern die Austragung des ungeborenen Lebens.
Wer übernimmt die Schwangerschaft...? Und da wird es dann wohl eher sehr problematisch (natürlich nicht für lesbische Paare, logo)...