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  • 26. Februar 2015 5 1 Min.

(Bild: Blaues Sofa / flickr / by 2.0)

Fritz J. Raddatz, einer der einflussreichsten deutschen Literaturkritiker, starb am Donnerstag im Alter von 83 Jahren.

Der 1931 in Berlin geborene Feuilletonist und Essayist war von 1960 bis 1969 stellvertretender Leiter des Rowohlt-Verlags. Er entdeckte damals Autoren wie Walter Kempowski oder Elfriede Jelinek. Von 1977 bis 1985 war er Feuilletonchef bei der "Zeit" und arbeitete später als freier Kulturkorrespondent für die Wochenzeitung.

Raddatz hatte unter anderem in seiner 2004 erschienen Autobiographie und in seinen 2010 und 2014 veröffentlichten Tagebuchbänden über seine Bisexualität geschrieben. In einem Interview mit dem "SZ Magazin" sagte er vergangenes Jahr, dass er überwiegend männliche Partner gehabt habe. "Nachdem ich mit einer Frau geschlafen hatte, ging ich oft noch in eine Schwulensauna", so Raddatz damals. Er lebte in Hamburg über 30 Jahre lang mit seinem Partner zusammen, davon 13 Jahre lang in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Im letzten Oktober hatte Raddatz mit einem Artikel in der "Zeit" Abschied vom Journalismus genommen. Am Freitag erscheint sein letztes Buch, "Jahre mit Ledig", über seine Zeit beim Rowohlt-Verlag. (cw)

#1 PatroklosEhemaliges Profil
#2 goddamn liberalAnonym
  • 26.02.2015, 18:46h
  • Antwort auf #1 von Patroklos
  • Schließe mich an!

    Der Kritiker war sehr geistreich und seine Kritik machte auch nicht vor vermeintlichen Ikonen wie Marion Gräfin Dönhoff oder Helmut Schmidt halt, die ja scheinbar über jeden Zweifel erhaben am Himmel der deutschen Medienwelt schweben.
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#3 LorenEhemaliges Profil
  • 27.02.2015, 02:13h
  • Schön, dass seiner erinnert wird. Der wache, kritische Geist, der Autor, Feuilletonist, Literaturkritiker, Verleger und Mensch Fritz J. Raddatz hat sich nie versteckt und bis zum Schluss größtmögliche Selbstbestimmung gelebt.
    Er hat lustvoll angeeckt, aufgerüttelt, verärgert und Menschen zusammengeführt, die seine Leidenschaft für die Literatur teilten. Und er hat ab den 60er Jahren seinen Teil dazu getan, die Gesellschaft zu modernisieren und auch Werke schwuler Autoren wie Hubert Fichte und James Baldwin in Deutschland ins Bewusstsein vieler Menschen und damit schwules Leben über den literarischen Salon hinaus in die Mitte der gesellschaftlichen Debatte zu befördern.

    Ein Wortmächtiger, dessen Lebenswerk großen Respekt abnötigt und der fehlen wird. Seine qualitativen Ansprüche an Literatur und Intellektualität als Kontrapunkt zum flacheren Entertainment, formuliert in trocken treffender Diktion, werden leider zu selten in Zeiten von clicks and bytes zum Maßstab der Beschäftigung mit kulturellen Angeboten. Ich habe viel gelernt und kennengelernt durch die Lektüre seiner Schriften. So ziehe ich meinen Hut und danke.
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