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"Der Kuss der Spinnenfrau"
Die Schwuchtel und der Revoluzzer
- 03. März 2015 3 Min.

Molina (Andrea M. Pagani, re.) und Valentin (Thomas Christ) kommen sich in ihrer Gefängniszelle näher (Bild: Stadttheater Gießen)
Noch bis Anfang Juli läuft das Stück "Der Kuss der Spinnenfrau" am Stadttheater Gießen – leider kommt das Musical um zwei Zellengenossen nicht ohne Klischees aus.
Von Mara Otterbein
Durch Zufall kommen sie zusammen in eine Zelle: der schwule Molina und der marxistische Aufrührer Valentin. Durch die gedanklichen Fluchtversuche Molinas in die Filmwelten der 1930er Jahre kommt der linke Revolutionär ihm nach anfänglicher Ablehnung näher. Molinas Träume, mit denen er sich aus dem brutalen Gefängnisalltag flüchtet, verführen letztendlich auch Valentin, der trotz der gewaltvollen Einschüchterungen der Wärter nicht die Namen seiner Mitrevolutionäre verraten will.
"Der Kuss der Spinnenfrau", welcher seit Dezember im Stadttheater Gießen aufgeführt wird, zeigt Gewalt, Träume, Liebe, Sex und Tod. Das auf dem gleichnamigen Roman von Manuel Puig basierende Stück zeigt Stärken und Schwächen eines kleinen Musical-Ensembles; bietet lesbische und schwule Küsse und kommt trotzdem nicht ohne Hetero-Knutscher aus.
Homosexualität und Marxismus für die breite Masse

Schicke Kostüme und erstklassiger Gesang: "Der Kuss der Spinnenfrau" am Stadttheater Gießen (Bild: Stadttheater Gießen)
Stärken des Stücks stellen nicht nur die Thematisierung von staatlicher Repression und willkürlichen Inhaftierungen dar, sondern auch, dass einem breiten – vermutlich meist heterosexuellem -Publikum zur Auseinandersetzung mit Homosexualität verholfen wird.
Während das Gießener Bürgertum in gehobenem Alter die revolutionären Lieder nach Freiheit und gesellschaftlicher Umwälzungen beklatscht, kommt jedoch der fade Beigeschmack auf, dass John Kander und Fred Ebb mit ihrem Musical vielmals auf typische Klischees zurückgreifen. Bei denen nicht klar ist, ob diese ironisch oder unhinterfragt gezeigt werden: Valentin als Marxist definiert sich etwa als "richtiger" Mann und liest selbstverständlich "Das Kapital" von Marx, während Valentin sehr selbstbewusst tuntig auftritt, auf Grund der Verführung eines Minderjährigen inhaftiert wurde und von der unerfüllten platonischen Liebe zu einem verheirateten Kellner und für seine Mutter schwärmt.
Die Liebe zur Klassenfeindin
An manchen Stellen werden Stereotype jedoch gebrochen. Zum Beispiel wenn klar wird, dass die Freundin des Marxisten eigentlich Klassenfeindin ist, einen Mercedes fährt und Golf spielt oder Molina Valentins Annahme widerspricht, als dieser vorurteilsvoll behauptet, dass Molina sich ja bestimmt auf einer Klappe rumgetrieben habe, als er von der Polizei verhaftet wurde.
Es bleibt festzuhalten, dass das Musical gerade wegen der ambivalenten Inhalte sehenswert ist. Ergänzt wird die Geschichte mit teilweise sehr schicken Kostümen, mit fancy Glitzer-Gaylords und erstklassigem Gesang von Andrea Pagani und Thomas Christ. Für die ein oder andere Person ist das Musical also sicherlich ein guter und zeitweise unterhaltsamer Einstieg in die Welten homosexueller und kommunistischer Revolutionen.
Der Kuss der Spinnenfrau. Musical von John Kander und Fred Ebb am Stadttheater Gießen, Großes Haus, am Berliner Platz. Nächste Vorstellungen am 08.03. um 15 Uhr sowie am 11.04., 14.05., 11.06., 04.07.2015, jeweils um 19:30 Uhr.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Stück und Karten auf der Homepage des Stadttheaters Gießen
Mehr zum Thema:
» Endlich auf DVD: Kuss der Spinnenfrau (24.07.2011)
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