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Berlin galt einst als Vorreiter bei der Aufklärung über sexuelle Vielfalt an Schulen. Jetzt befürchten Verbände, dass in der Hauptstadt und in Brandenburg die Tafel wieder blankgewischt wird (Bild: blaustein.de)

  • 18. März 2015 21 1 Min.

Der neue Rahmenlehrplan für beide Bundesländer verzichtet auf Sexualaufklärung und eine verbindliche Berücksichtigung von LGBT-Themen.

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) warnt vor einem "bildungspolitischen Rollback". Hintergrund ist der von beiden Landesregierungen vorgelegte Entwurf für den neuen Rahmenlehrplan, der turnusgemäß alle zehn Jahre überarbeitet wird. So ist darin etwa eine 2001 eingeführte Berliner Richtlinie zur Sexualerziehung (PDF) nicht mehr vorgesehen. Auch bei der Thematisierung sexueller Vielfalt und geschlechtlicher Identität bestehen große Defizite.

In einem Schreiben u.a. an Berlins Schulsenatorin Sandra Scheeres (PDF) und Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (PDF), beide SPD, hat der LSVD bereits eine umfassende Überarbeitung des bisher vorgelegten Entwurfs gefordert. Der "große Rückschritt" müsse verhindert werden.

LGBT-Themen nur unverbindlich erwähnt

Eine ausführliche Analyse (PDF) des geplanten Rahmenlehrplans für die Klassen 1 bis 10 hat die AG Schwule Lehrer in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erstellt. Hauptdefizite für die Pädagogen sind das komplette Fehlen von Sexualerziehung als fächerübergreifendes Thema und das Außerkraftsetzen der bisherigen Richtlinien.

Statt einer echten Implementierung von LGBT-Themen finde zudem nur eine lückenhafte und unverbindliche Erwähnung statt, so die AG Schwule Lehrer. Die Perspektive von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transidenten und intergeschlechtlichen Jugendlichen werde weitestgehend ignoriert. Auch die Rolle von nicht-heterosexuellen Lehrpersonen als Vorbilder werde – anders als in den bisher gültigen Richtlinien – ausgeblendet.

"Obwohl das Schulgesetz die Einbeziehung gesellschaftlich relevanter Gruppen vorschreibt, wurde dies von den Rahmenlehrplankommissionen ignoriert", unterstützt der LSVD die Kritik der schwulen Gewerkschafter. Der derzeitige Entwurf stehe im Widerspruch zum Beschluss des Abgeordnetenhauses "Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt" sowie den Ergebnissen einer in diesem Rahmen beauftragten Studie zur Akzeptanz sexueller Vielfalt an Schulen.

Momentan befinden sich der Rahmenlehrplan, der ab dem Schuljahr 2016/2017 gelten soll, noch in einer Anhörungsphase. Um Druck auf die Politik auszuüben, hat die AG Schwule Lehrer einen Musterbrief (PDF) entworfen, der an Schulsenatorin Scheeres und Bildungsminister Baaske geschickt werden kann. Die Gewerkschafter schreiben dazu: "Wird jetzt kein Druck auf die Politik gemacht, ist Sexualerziehung, Erziehung zu Akzeptanz und Abbau von Homophobie nicht mehr Gegenstand der Schule." (cw)

-w-

#1 KlaroAnonym
  • 18.03.2015, 17:31h
  • Die Zeiten von Wowereit sind vorbei. Der heterosexuelle Müller setzt andere Prioritäten, nämlich bei den Familien mit Kindern. Brandenburg ist sowieso schon konservativ.
    Die gesellschaftlichen Experimente finden zur Zeit nicht in Berlin/Brandenburg statt, sondern in Baden-Württemberg.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 18.03.2015, 17:31h
  • In Brandenburg regiert die 'Linke' mit.

    Die könnte man auch mal an ihre Programmatik erinnern, oder?
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#3 FinnAnonym
  • 18.03.2015, 17:35h
  • Da sieht man wieder mal, was passiert, wenn man der SPD vertraut:
    Aufklärung wird abgeschafft und Homo-Themen ganz totgeschwiegen.

    Wie die SPD sich Fundamentalisten und Faschisten anbiedert, ist ekelerregend. Dass die sich noch im Spiegel ansehen können, ohne kotzen zu müssen.
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