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Nach dem Tod seiner Frau greift der junge Vater David (Romain Duris) zu Perücke und Make-up und verwandelt sich in Virginia (Bild: Weltkino)

In seinem Kinofilm "Eine neue Freundin" zerlegt François Ozon mit Präzision und Humor sexuelle wie geschlechtliche Identitäten – und präsentiert sich als postmoderner Hitchcock.

Von Peter Fuchs

In einem dunklen Kinosaal setzt sich ein Mann neben zwei ihm unbekannte Frauen und legt der einen seine Hand aufs Knie. Sie lässt ihn zunächst gewähren, er darf ihr sogar den Rock ein wenig nach oben schieben. Dann setzt sie sich aber doch mit ihrer Freundin woanders hin.

Diese Szene in "Eine neue Freundin" von François Ozon macht aus zwei Gründen Spaß. Zum einen, weil das nylonbestrumpfte Knie der Frau einem Mann gehört, der Frauenkleider trägt. So deutlich wir im Publikum die getrimmte Behaarung unter der Strumpfhose sehen, so deutlich muss sie der Fummler auch gefühlt haben.

Und zum anderen, weil der Fummler vom Regisseur gespielt wird: François Ozon gönnt sich den Spaß eines Cameo-Auftritts in seinem eigenen Film. Aber Alfred Hitchcock lässt nicht nur deshalb grüßen.

"Schwul wäre immer noch besser als Transvestit"


Poster zum Film: "Eine neue Freundin" startet am 26. März 2015 in den deutschen Kinos

Die verheiratete Claire (Anaïs Demoustier) verliert ihre beste Freundin durch eine schwere Krankheit. Bei ihrer Trauerrede verspricht sie, in Zukunft auf Witwer David (Romain Duris) und die Babytochter aufzupassen. Dabei erwischt sie David, wie er der Kleinen das Fläschchen gibt und dabei Claires Kleider trägt, inklusive Perücke und Make-up.

Claire ist schockiert, findet es pervers und krank. Eine Pointe ist ihr Ausruf "Schwul wäre immer noch besser als Transvestit". Aber sie steht zu ihrem Versprechen gegenüber der toten Freundin und unterstützt David. Der startet nun seine Reise als Crossdresser aus Trauer um die Ehefrau zu einer neuen Identität. Das ist smart und unterhaltsam in Szene gesetzt.

Der spannendere Aspekt offenbart sich aber immer mehr bei Claire. Macht sie mit, damit auch sie das Gefühl hat, ihre Freundin sei noch am Leben? Gab es zwischen den beiden mehr als nur eine platonische Beziehung? Immer stärker fühlt sie sich von David angezogen, auch erotisch. Ihr ist dabei unklar, ob das Objekt der Begierde David oder Virginia ist, wie sich David nun nennt.

Haben sie bereits eine Affäre oder sind sie doch nur gute Freundinnen? Die Antworten auf diese Fragen bleiben lange in der Schwebe und geben diesem Film seinen Reiz. Hetero, lesbisch, schwul, diese Kategorien lösen sich dabei auf. François Ozon packt dazu noch jede Menge Suspense mit heimlichen Telefonaten, Treffen und Wochenendausflügen. Außerdem trumpft er mit satter Melodramatik auf und bebildert lustvoll Angstträume mit schwulem Sex unter einer Sportclub-Dusche.

Ozon tritt die postmoderne Nachfolge von Alfred Hitchcock an

François Ozon kokettiert mit Alfred Hitchcock und tritt mit "Eine neue Freundin" endgültig die postmoderne Nachfolge des Großmeisters an. Wie sein Vorbild verbindet der französische Regisseur Spannung mit Humor und legt die Angst vor der Vernichtung sogenannter bürgerlicher Werte als roten Faden durch seine Filme. Hieß es bei Hitchcock, der Zeit geschuldet, dass hinter den bürgerlichen Fassaden Abgründe lauern, dekonstruiert der offen homosexuelle Ozon mit Präzision, aber auch Leichtfüßigkeit, sexuelle und geschlechtliche Identitäten. Dabei richtet er sich auf wunderbare Weise nicht nur an ein queeres Publikum.

Vielleicht findet ein heteronormativ geschultes Publikum zu den Fantasien und Begierden, die der Film untersucht, seine Bezüge. Vielleicht aber auch nicht. Aber es ist egal, weil die Message darin liegt, dass jede Figur die Besonderheit der anderen akzeptiert und seine oder ihre Identität jenseits vom Geschlecht findet. Gleich, ob nun männlich, weiblich oder etwas anderes. Mit dieser Botschaft verlässt jede und jeder schwer getröstet den Kinosaal.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Infos zum Film

Eine neue Freundin (Originaltitel: Une nouvelle amie). Drama. Frankreich 2014. Regie: François Ozon. Darsteller: Romain Duris, Anaïs Demoustier, Raphaël Personnaz. Laufzeit: 107 Minuten. Verleih: Weltkino Filmverleih. FSK 12. Deutscher Kinostart: 26. März 2015
Galerie:
Eine neue Freundin
13 Bilder


#1 LoreleyTVAnonym
  • 25.03.2015, 17:32h
  • süß,solch schöne Männer gibt es nur im Film, für ihn könnte ich auch lesbische Gefühle entwickeln.Heteromänner sind dumm, sie meinen unter jedem Rock würde sich eine Biofrau befinden.Ich liebe es, mich aufreizend lasziv in eine Frau zu verwandeln und Heteromänner aufzugeilen. Besonders auf Rolltreppen fummeln sie gerne von hinten unter dem Rock, und in Moskau sind die Rolltreppen in den Metrostationen besonders lang!!!!!!
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#2 GrabscherAnonym
#3 LoreleyTVAnonym
  • 26.03.2015, 13:01h
  • Antwort auf #2 von Grabscher
  • Hallo,Darling,bin vom 8.5.2015 an zur Militärparade in Moskau.Fahre auch in Düsseldorf bei C&A,Kaufhof,Karstadt Rolltreppe und bin auch auf der A3 im Raum Düsseldorf/Köln unterwegs.Man muss sich was gönnen.
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#4 Rainer BrüderleAnonym
#5 HugoAnonym
  • 08.02.2022, 00:36h
  • Das ist das Schlimmste an diesem Film: es ist soviel überflüssig oder unglaubwürdig.
    Also mal unsystematisch hintereinander:
    -->was soll die endlose Szene der Beerdigung (auf dem Friedhof) von Laura mit einer Einstellung aus dem Grab heraus und den rumms rumms auf den Sarg geworfenen Rosen? Sie erklärt das Verhältnis der beiden Frauen nicht.
    --> was soll es erklären, dass David der verstorbenen Laura das Brautkleid anzieht? Weder hat das Bezug zu seinem Crossdressing noch Bezug zu Claire
    -->was sollen die ausgiebigen Beischlafszenen, außer Beischlaf zu zeigen?
    -->dass ein Baby von paar Monaten sich beruhigt, weil der Vater die Kleider der Mutter trägt ist absoluter Quatsch. Babies haben da feinere Antennen...
    -->"7 Jahre später" scheint sich nichts verändert zu haben an Claire und David, als sie die Tochter abholen. Und erst jetzt ist Claire schwanger -das Gespräch über Absetzen der Pille war 6,5 Jahre vorher.... 7 Jahre sind eine Ewigkeit.
    -->Es ist ja wirklich ein schönes Auto, das rote -aber soviele Fahrten sind schon fast Schleichwerbung
    -->die lange und sehr einfühlsame Anfangsgeschichte zwischen Claire und Laura hat nichts mit der weiteren Geschichte zu tun -es ist doch völlig unglaubwürdig, dass Claire über die Klamotten von Laura am David zu David findet
    -->völlig komisch ist auch, dass David mithilfe des Liedes von der Sehnsucht, eine Frau zu sein, aus dem Koma erwacht, ins Auto steigt und zu seinem Baby fährt. So ein Quatsch.
    -->was soll die Hitchcock-Szene mit David in herumwirbelnder Perücke. Männer in Frauenkleidern sind doch nicht grauenhaft, sondern sehen oft nur grauslig aus. (Bitte mich zu entschuldigen: ich weiß, wovon ich rede und das mit der Erfahrung vieler Jahrzehnte.)
    -->und: dass Claire wieder zu Tode erschrocken ist, als sie David mit Kaminholz in männlicher Kleidung sieht. Das unterstellt doch, dass sie die Illusion von David als Frau hatte, solange er in Kleidern war. Ist doch völlig undenkbar: 10 km gegen den Wind sieht man den Mann. Und Frauen sehen das immer, und zwar auf den ersten Blick, dass dieser Mensch ein Mann ist (ich weiß, wovon ich rede).

    Zur Geschichte:
    David ist Crossdresser -das sind ganz überwiegend heterosexuelle Männer, die gern Frauenkleider tragen und sich gern wie eine Frau geben. Aber nie Frau sein wollen oder durch geschlechtsangleichende Operationen frauenähnlich werden wollen. SIe wollen in größeren Gefilden wandeln als in dem engen Korsett der überkommenen Männlichkeit.
    David hat sein coming out und das war's. Die Qual der Crossdresser, nach Irrungen, Ängsten schließlich zu entdecken, dass überhaupt nichts dran ist, wenn man sich so gibt, wird überhaupt nicht thematisiert. Ich meine die innere Qual, in sich diese Wünsche zu entdecken und die Angst vor dem Abgrund. Die Angst vor der gesellschaftlichen Akzeptanz ist dann die zweite große Hürde. Auch hier ist außer der Nebenbemerkung, dass ihm die Schwiegereltern das Kind wegnehmen würden, nichts weiter vorgebracht.

    Thema ist die aufkeimende Liebe zwischen David und Claire. Völlig unglaubwürdig, dass das über das Laurabild gehen soll. Frauen, die Crossdresser sexuell und in ihrer Erscheinung anziehend finden, sind mit der Lupe zu suchen -ich verweise auf die einschlägige Literatur zum Thema "My husband is crossdresser". Also was will Claire? David weiß was er will -viele Crossdresser träumen von dem Support durch Frau oder Freundin.

    Ich finde also keine Geschichte in der Geschichte: weder zum Crossdressing von David noch zur Liebesgeschichte zwischen den Beiden.

    Und der allergrößste Unsinn ist, von Freundin zu reden: David ist im schönsten Fummel unverkennbar immer ein Kerl und will auch einer sein. Er ist der Claire ein wunderbarer, weil einfühlsamer und feminier Freund. Dazu braucht es aber keinen Fummel. Und schon garnicht die Tränen zu dem Lied in der Bar, wo ein Mann von seiner Erfüllung singt, endlich Frau zu sein. Das wollen Transsexuelle, aber keine Crossdresser.

    Und die hohle Geschichte erklärt dann auch die Beliebigkeit der oben genannten Szenen.

    Ich habe nach dem Film mich gefragt, was mir da erzählt worden ist. Nichts zum Crossdressing, nichts zum Wachsen einer liebenden Freundschaft. Aber eine wunderbare Schauspielerin, das hat mich etwas versöhnt.

    Und kulinarisch war der Film auch nicht: Kein Schwelgen in Kleidern, kein Mitfliegen in der Liebe, einfallslose Bilderfolgen: Tür auf, Tür zu, Garaga auf, Garage zu, hinfahren, wegfahren... soviel Lückenbüßerei.
    Viel Geklapper und nichts dahinter.

    Der Anfang zwischen den Mädchen war schön!
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