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Bitte keine Schwulen!
Vatikan lehnt Botschafter wegen Homosexualität ab
- 09. April 2015 2 Min.

Papst Franziskus lässt nur Botschafter in seinen Mini-Staat, die heterosexuell sind oder sich nicht als schwul oder lesbisch zu erkennen geben (Bild: ROK / flickr / by-sa 2.0)
Laurent Stefanini versteckt seine Homosexualität nicht – Grund genug für Papst Franziskus, den französischen Diplomaten als Botschafter im Vatikan abzulehnen.
Diese Entscheidung wird die Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan belasten: Der Heilige Stuhl hat laut einem Bericht der französischen Zeitung JDD Laurent Stefanini als französischen Botschafter im Vatikanstaat abgelehnt. Grund ist offenbar die Homosexualität des derzeitigen Chefs des Protokolls im französischen Außenministerium. Präsident François Hollande hatte sich bereits Anfang Januar auf Stefanini festgelegt (queer.de berichtete).
Papst Franziskus hat offenbar persönlich sein Veto gegen den ledigen schwulen Diplomaten eingelegt: "Die Entscheidung kommt direkt vom Papst", zitiert JDD einen Insider. Besonders die homofeindliche Lobbygruppe "Manif pour tous", die im Vorfeld der Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben in Frankreich teils gewalttätige Demonstrationen organisiert hatte, soll Lobbyarbeit gegen den Kandidaten am Heiligen Stuhl betrieben haben.
Heterosexuelle Alternativen gesucht

Laurent Stefanini ist wegen seiner sexuellen Orientierung eine Persona non grata im Kirchenstaat (Bild: Ministère des Affaires étrangères et du développement international)
Frankreich muss nun einen neuen Kandidaten präsentieren. Medienberichten zufolge werden die Namen von einer Diplomatin und zwei Diplomaten genannt, darunter der gegenwärtige Botschafter in Saudi-Arabien. Die drei neuen Vorschläge sind weniger kontrovers: Alle sind mit Mitgliedern des anderen Geschlechts verheiratet.
Stefanini soll dagegen voraussichtlich einen Botschafterposten in einem toleranteren Land im nördlichen Europas erhalten. Von seiner sexuellen Orientierung abgesehen galt Stefanini als perfekter Kandidat für den Vatikan: Der praktizierende Katholik hatte bereits zwischen 2001 und 2005 in der französischen Botschaft des Kirchenstaates gearbeitet und gilt als Experte in Religionsfragen.
Bereits 2008 hatte der Vatikan den französischen Botschafter Jean-Loup Kuhn-Delforge wegen dessen Homosexualität abgelehnt (queer.de berichtete). Kuhn-Delforge wurde später ohne Probleme zum französischen Botschafter in Griechenland ernannt.
2012 kam es zu einem weiteren Eklat, als der Vatikan Kiril Maritschkow nicht als bulgarischen Botschafter akzeptieren wollte. Sein Vergehen: Er hatte einen Roman geschrieben, in dem auch eine schwule Sexszene vorkommt (queer.de berichtete). In der Vergangenheit hatte der Vatikan auch einen geschiedenen heterosexuellen Botschafter-Kandidaten aus Argentinien abgelehnt. (dk)















Das ist ein Affront gegen die Souveränität Frankreichs und ein schwerer Verstoß gegen diplomatische Gepflogenheiten.
Statt einen neuen Botschafter zu benennen, sollte Frankreich da gar keinen hin schicken und stattdessen auch den Botschafter des Vatikans aus Frankreich ausweisen.
Der Vatikan nicht sich nur deshalb immer so viel raus, weil ganze Staaten vor ihm einknicken und brav kuschen.