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Ins Westminster-Parlament werden insgesamt 650 Abgeordnete aus den Landesteilen England, Wales, Schottland und Nordirland gewählt (Bild: Michael D Beckwith / flickr / by 2.0)
- 17. April 2015 2 Min.
Bereits jetzt hat das britische Parlament den höchsten Anteil an lesbischen und schwulen Abgeordneten – nach den Unterhauswahlen am 7. Mai könnten es noch mehr sein.
Im kommenden Monat könnte der Anteil der offen homosexuellen Parlamentarier im britischen "House of Commons" mit 4,5 Prozent einen neuen Rekord erreichen, so das Ergebnis einer Studie (PDF) von Professor Andrew Reynolds, einem Politikwissenschaftler der University of North Carolina in den USA.
Demnach könnten die meisten der augenblicklich 26 schwulen oder lesbischen Abgeordneten am 7. Mai mit ihrer Wiederwahl rechnen und weitere hinzukommen. Der Professor sagt voraus, dass insgesamt 29 Abgeordnete, die sich zu einer sexuellen Minderheit zählen, im 650-Sitze-Parlament Platz nehmen dürften. Vier Fünftel dieser Abgeordneten werden demnach schwule Männer sein.
Insgesamt gebe es 130 LGBT-Kandidaten inklusive fünf Transsexuelle, von denen allerdings niemand einen aussichtsreichen Wahlkreis erhalten habe. Die meisten LGBT-Bewerber kommen von der oppositionellen Labour-Partei und den Liberaldemokraten, dem Juniorpartner der augenblicklichen Mitte-Rechts-Koalition. Beide stellen je 35 Kandidaten. Knapp dahinter sind die Konservativen mit 28 vor den Grünen mit 23 Bewerbern.
Ehe-Öffnung durch Konservative im Jahr 2013

Es ist nicht sicher, ob Premierminister David Cameron nach den Wahlen weiterhin die Regierung anführt (Bild: bisgovuk / flickr / by-nd 2.0)
Im Wahlkampf spielen LGBT-Rechte allerdings nur eine untergeordnete Rolle, da die Ehe-Öffnung für Schwule und Lesben bereits 2013 auf Druck des konservativen Premierministers David Cameron gegen Widerstände in der eigenen Partei durchs Parlament gedrückt wurde (queer.de berichtete). Von den großen Parteien verspricht Labour am meisten: Die Partei von Premierministerkandidat Ed Miliband hat unter anderem angekündigt, einen Bildungsplan zur Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebensweisen an britischen Schulen einzuführen und einen Beauftragen für weltweite LGBT-Rechte zu ernennen.
Bei den Fernsehdebatten kam auch das Thema HIV und Aids zur Sprache: Hier schlug Nigel Farage, der Spitzenkandidat der rechtspopulistischen Partei UKIP, in zwei TV-Debatten vor, HIV-infizierten Ausländern keine Medikamente mehr durch das staatliche Gesundheitssystem zu bezahlen. Der Vorschlag sorgte bei Politikern anderer Parteien für Empörung. Eine UKIP-Kandidatin beschuldigte via Twitter sogar einen Kandidaten der Liberaldemokraten, sich absichtlich mit HIV infiziert zu haben, um den Nationalen Gesundheitsdienst zu schaden. Sie entschuldigte sich später für die Äußerung.
Derzeit ist der Wahlausgang völlig offen. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass trotz des Mehrheitswahlrechts weder Konservative noch Labour eine absolute Mehrheit der Sitze erreichen können. Die Rolle des Königsmachers könnte dann den vor Kraft strotzenden Nationalisten der SNP zufallen. Die LGBT-freundliche sozialdemokratische Partei, die von der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon angeführt wird, könnte Schätzungen zufolge bis zu 54 der 60 schottischen Sitze im Unterhaus erobern. Allerdings hat Labour-Chef Miliband eine Koalitionsregierung mit der SNP abgelehnt, weil sich die Regionalpartei zum Ziel gesetzt hat, Schottland vom Vereinigten Königreich abzutrennen. (dk)














