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Jetzt sind Homo­sexuelle also auch noch für Abtreibungen verantwortlich (Bild: tipstimesadmin / flickr / by 2.0)

  • 20. April 2015 19 2 Min.

Je mehr Homosexuelle sich das Ja-Wort geben, desto mehr Kinder werden abgetrieben. Mit diesem "Argument" versuchen 100 Forscher von meist christlichen Universitäten, die Ehe-Öffnung in den USA zu verhindern.

100 amerikanische Wissenschaftler appellieren an den obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Homosexuelle nicht im Ehe-Recht gleichzustellen. In einem sogenannten "Amicus Curiae"-Dokument, mit dem nicht an einem Verfahren beteiligte Parteien ihre Einschätzung einem Gericht darlegen können, argumentieren die Forscher, dass die Ehe-Öffnung zu einer erhöhten Zahl von Abtreibungen führen werde.

In dem Dokument wird erklärt, dass Heterosexuelle weniger häufig vor den Traualtar schreiten würden, wenn Homosexuelle ebenfalls heiraten dürfen. Dadurch gebe es mehr unverheiratete Frauen. Und weil unverheiratete Frauen viel öfter abtrieben als verheiratete Frauen, würde sich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche deutlich erhöhen.

Als "Beweis" für die These wird etwa angeführt, dass sich die Zahl der Hetero-Ehen in Spanien nach der Ehe-Öffnung stark reduziert habe. Allerdings verschweigen die Autoren, dass der Grund eher in einer jahrelangen Wirtschaftskrise zu suchen ist und andere südeuropäische Länder wie Italien und Griechenland ähnliche oder noch höhere Rückgänge vermelden, obwohl sie die Ehe nicht geöffnet haben.

Zweifelhafte Studien

Zitiert werden zudem umstrittene Studien wie die des erzkonservativen Soziologieprofessors Mark Regnerus von der University of Texas in Austin. Er hatte unter anderem 2012 in einer Studie erklärt, dass Kinder in Regenbogenfamilien "einer Form von sexueller Misshandlung" ausgesetzt seien. Der amerikanische Psychologenverband bezeichnete dieses Papier bereits kurz nach der Veröffentlichung als Humbug (queer.de berichtete). In einer späteren Studie glaubt Regnerus sogar bewiesen zu haben, dass Pornos heterosexuelle Männer dazu verleiten, homofreundlicher zu werden (queer.de berichtete).

Die Professoren oder Dozenten, die das Dokument unterzeichnet haben, kommen aus Fachbereichen wie Politikwissenschaft, Psychologie, Philosophie oder Moraltheologie. Viele von ihnen stammen von christlich-konfessionellen Universitäten, beispielsweise der mormonischen Brigham Young University in Provo (Utah), der katholischen Franciscan University in Steubenville (Ohio), der baptistischen Baylor University in Waco (Texas) oder der evangelikalen Liberty University in Lynchburg (Virginia).

Die gleichgeschlechtliche Eheschließung ist von christlich motivierten Homo-Gegnern bereits für viele Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre verantwortlich gemacht worden. Die Ehe-Öffnung führt manchen Theorien zufolge etwa zu Kindesmissbrauch, Unfreiheit, Hedonismus, Mensch-Hund-Ehe und sogar zum Mord.

Der Supreme Court wird kommende Woche eine Anhörung zur Klage mehrerer gleichgeschlechtlicher Paare halten, die das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben als Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz in der US-Verfassung ansehen. Die Höchstrichter werden voraussichtlich im Juni entscheiden, ob die Ehe im gesamten Land geöffnet werden muss. Derzeit behandeln 37 der 50 US-Bundesstaaten Homo- und Heterosexuelle im Ehe-Recht gleich. (dk)

-w-

#1 FelixAnonym
  • 20.04.2015, 15:05h

  • Die müssen ja echt verzweifelt sein, wenn sie jetzt sogar schon so abstruse Theorien als letzte Hoffnung auskramen.
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#2 VeganBearEhemaliges Profil
#3 ursusEhemaliges Profil
  • 20.04.2015, 16:25h
  • immer, wenn ich irgendwo lese: "amerikanische wissenschaftler haben herausgefunden..." hole ich mir 'ne tüte popcorn, bevor ich weiterlese. leider kommt es mir manchmal wieder hoch.

    vor einiger zeit kursierte ein video mit einem angeblichen afrikanischen "wissenschaftler", der mithilfe zweier magnete "bewies", dass homosexualität nicht funktionieren könne. dieses video sollte natürlich einen kaum verhohlenen rassistischen unterton transportieren. irgendwie fühle ich mich gerade daran erinnert.

    was ich hier lesen muss, ist ein alarmierendes armutszeugnis für den zustand der wissenschaft in amerika. es ist zum fremdschämen.
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