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Rücktritt und Polizeiermittlungen
Nordirischer Minister: Homo-Paare missbrauchen Kinder

Jim Wells wollte mit Homosexuellenfeindlichkeit auf Stimmenfang gehen, ist jetzt aber zu weit gegangen
- 27. April 2015 3 Min.
Er hatte Homosexuelle zu Kinderschändern erklärt und ein lesbisches Paar im Wahlkampf beleidigt. Deshalb musste jetzt der nordirische Gesundheitsminister seinen Hut nehmen.
Am Montag ist der nordirische Gesundheitsminister Jim Wells zurückgetreten, nachdem er wenige Tage zuvor im Wahlkampf erklärt hatte, dass Homosexuelle Kinder "eher missbrauchen" würden. Die Äußerungen des Politikers der radikalprotestantischen Democratic Unionist Party (DUP) wurden landesweit scharf kritisiert.
Wells hatte am Donnerstag bei einer Wahlveranstaltung in Downpatrick gesagt: "Man zieht kein Kind in einer homosexuellen Beziehung auf. Hier wird ein Kind eher missbraucht und vernachlässigt." Im Publikum protestierten daraufhin viele Zuhörer lautstark mit Worten wie "Blödsinn".
Zwei Tage nach diesem Vorfall beleidigte der 58-Jährige beim Häuserwahlkampf außerdem ein lesbisches Paar. Der Politiker sagte den Frauen, dass er ihren "Lebensstil" nicht gutheiße. Das Paar erstattete daraufhin Anzeige bei der Polizei, die inzwischen Ermittlungen aufgenommen hat.
Wells bekräftigt Ablehnung der Ehe-Öffnung
Für beide Vorfälle entschuldigte sich Wells später und begründete sie mit dem Stress, der durch den Gesundheitszustand seiner Frau verursacht werde. Mit der Pflege seiner Frau, die zwei Schlaganfälle und eine Herzoperation hinter sich hat, begründete er auch offiziell seinen Rücktritt.
Zugleich erklärte er: "Ich habe nicht die homosexuelle Community attackiert, sondern ihre Kampagne für die Ehe-Öffnung, welche zum Ziel hat, die traditionelle Ehe zu beenden." Er beklagte verbale Attacken gegen ihn und seine Familie, die teilweise persönlich und bedrohend gewesen seien.
Nordirland ist derzeit der einzige Teil des Vereinigten Königreichs, der gleichgeschlechtliche Paare im Ehe-Recht noch nicht gleichgestellt hat. Am Montagnachmittag wird es im Regionalparlament erneut eine Debatte zum Thema geben. Im republikanischen Teil Irlands wird am 22. Mai in einem Referendum über die Gleichstellung abgestimmt (queer.de berichtete).
Wells wird weiterhin seine Partei als Kandidat für das Londoner Unterhaus im Wahlbezirk South Down vertreten. Hier landete er bei der letzten Wahl allerdings nur abgeschlagen auf dem dritten Platz. Er wird auch seinen Sitz im Regionalparlament von Nordirland behalten.
DUP könnte in London wichtig werden
Die DUP ist die stärkste Partei in Nordirland. Bei der letzten Unterhauswahl konnte sie acht der 18 nordirischen Sitze für sich erobern. Weil am 8. Mai ein äußerst knapper Wahlausgang vorhergesagt wird, könnte die DUP am Ende das Zünglein an der Waage sein und der Labour-Partei oder den Konservativen zu einer Mehrheit verhelfen.
Beim Thema LGBT-Rechte ist die Partei äußerst feindlich eingestellt. So lehnte sie wiederholt die Gleichstellung im Ehe-Recht ab (queer.de berichtete). Außerdem gab es immer wieder homophobe Ausbrüche von führenden DUP-Politikern.
So protestierten LGBT-Aktivisten 2008 gegen Iris Robinson, die damalige First Lady von Nordirland. Sie hatte in einem Interview Schwule mit Mördern verglichen (queer.de berichtete). Zwar schadete ihr diese Aussage innerparteilich nicht, allerdings wurde sie zwei Jahre später aus einem anderen Grund aus der Partei ausgeschlossen – weil sie einen Affäre mit einem Teenager gehabt hatte (queer.de berichtete). (dk)
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Sinn Féin ist eine irisch-republikanische Partei. In Nordirland ist sie seit 2005 die unter den katholischen Einwohnern stärkste Partei, in der Republik Irland ist sie seit 1997 im Parlament vertreten und verfügt dort vor allem in den Grenzregionen zu Nordirland über eine historische Verankerung. Damit ist sie die einzige bedeutende Partei, die sowohl im Norden als auch im Süden Irlands aktiv ist.
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