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Beeindruckende Karriere einer bärtigen Dragqueen: Nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest wurde Conchita Wurst vom Outcast zur "Kaiserin von Österreich" (Bild: Markus Morianz)
- 14. Mai 2015 5 Min.
Am Freitag erscheint endlich das erste Album von Conchita Wurst. Kann es die hohen Erwartungen erfüllen?
Von Martin Schmidtner
Wir erinnern uns: Als Conchita Wurst im vergangenen Jahr vom ORF nach Kopenhagen zum Eurovision Song Contest geschickt wurde, interessierte sich kein großes oder kleines Label für sie und ihren Song. Damit "Rise Like A Phoenix" zum Contest überhaupt als Single erscheinen konnte, nahm der ORF schließlich die Produktion selbst in die Hand.
Die Situation hat sich nach ihrem Sieg grundlegend geändert. Die "Kaiserin von Österreich" war plötzlich begehrt und jagte von einem Termin zum anderen. Da sollte natürlich auch ein Album folgen! Angeblich soll Conchitas Management mit mehreren Labels verhandelt haben, bevor Sony schließlich den Zuschlag bekam. Doch es dauerte mehr als ein Jahr. Am 15. Mai erscheint es endlich, ihr Album mit dem schlichten Titel "Conchita".
Conchitas neue Singles waren keine Chartstürmer

Am 15. Mai im Handel: "Conchita" erscheint bei Sony Music Ariola
"Mir wurden ganz viele Demoversionen zugeschickt", beschreibt Conchita Wurst den Entstehungsprozess, "die dann durch das Erarbeiten am Ende des Tages zu meinen Liedern wurden. Das hat ein Stück gedauert, aber ich denke, es ist wunderschön geworden."
Viel wurde in der Zwischenzeit gemutmaßt: Ob sie denn überhaupt als Sängerin ihre Karriere fortsetzen oder eventuell doch ins Modefach wechseln wolle? Ob bei all den Charity-Events und dem politischem Engagement überhaupt Zeit für ein neues Album bleibe? Oder ob sie befürchte, mit einem Album auf jeden Fall hinter dem Eurovision-Erfolg zurück zu bleiben?
Immerhin hat Conchita Wurst seit Kopenhagen zwei Singles veröffentlicht: "Heroes" im Herbst und "You Are Unstoppable" im März. Von "Heroes" blieb vor allem ihre Inszenierung als Muttergottes im Musikvideo im Gedächtnis, und das politisch-programmatische "You Are Unstoppable" erhielt Anerkennung, entwickelte sich aber auch nicht gerade zu einem Chartstürmer.
Die perfekte Promotion
Doch vermutlich ging es beim Veröffentlichungstermin in erster Linie um einen perfekten Promotion-Plan. Erst der Sieg in Kopenhagen, dann über Monate hinweg fast wöchentliche Pressemeldungen über Conchitas Reisen und Auftritte von der Uno bis zu den Golden Globes, die Präsentation ihrer Autobiografie und nun genau passend zum Song Contest in Wien das neue Album. Von Conchita Wursts Management können andere nur träumen!
Nachteil der Planung: Die Erwartungen an das Album sind inzwischen extrem hoch – bei einer so langen Produktionszeit wollen Fans und Publikum natürlich etwas Herausragendes geboten bekommen. Werden diese Erwartungen mit dem vorliegenden Album erfüllt? Meine eindeutige Antwort lautet: Jein!
Mir ist nach dem ersten Anhören klar: Da gibt es Perlen, über die ich mich sehr freue, aber es ist für mich kein Album, das ich allzu oft am Stück hören werde.
"Ich höre mir mein Album eigentlich ständig an, quasi in der Endlosschleife", sagt Conchita Wurst zwar selbst, aber dies habe neben allem Stolz vor allem den Grund, dass sie Fehler entdecken und für die Zukunft ausmerzen wolle.
Stocksteif im Goldregen

Ich dagegen würde empfehlen, es nach und nach zu entdecken, die ersten persönlichen Highlights herauszufiltern und dann erst die vermeintlich schwächeren Songs mit einzubeziehen. Zwar wechselt der musikalische Stil auf "Conchita" fortwährend; es gibt die klassische Ballade, es gibt Dancefloor-Beats, orientalische Klänge und Swing. Doch egal ob mit Streichern instrumentiert oder mit elektronischen Klängen gespielt wird: Die klare und unverkennbare Stimme Conchitas liegt über allen Songs so deutlich und herausragend, dass ich mich beim Hören zunächst nur schwer vom Bild der stocksteif im Goldregen stehenden Siegerin von Kopenhagen lösen kann. Egal welchen Rhythmus der jeweilige Song vorgibt, klingt vieles zunächst ähnlich.
Bei einem einzigen Song ist dies anders und deshalb küre ich den beswingten Motown-Song "Where Have All The Good Men Gone" sofort zu meiner Lieblingsnummer. Allein dafür lohnt sich in meinen Augen das Album. Hier verschmilzt Conchita Wursts Stimme mit der Musik, zeigt völlig neue Facetten, transportiert den Swing. Alles ist in sich einfach stimmig und mitreißend.
Sollte sich Conchita Wurst in der Zukunft für einen Musikstil entscheiden wollen, so müsste es dieser sein! Eindeutig hitverdächtig!
Noch aber setzt die Künstlerin selbst auf Vielfalt: "Alle Musikgenres, die mir gut gefallen, sind vorhanden."
Balladen, Clubhits, Pop und Gospel

Knappe 44 Minuten ist die Spieldauer des Albums, verteilt auf zwölf Tracks. Neben den drei bekannten Songs "Rise Like A Phoenix", "Heroes" und "You Are Unstoppable" stechen vor allem noch die Ballade "Pure" und das orientalisch angehauchte "Out Of Body Experience" heraus. Beide scheinen Conchita Wurst auf den Leib geschrieben zu sein.
Wie mag es sich anfühlen, fragt sie in "Pure", das simple und einfache Leben, das wir hatten, bevor wir gelernt haben, groß und stark zu sein? Was würde sie nicht alles geben, um wieder zu spüren, wie sich Echt-Sein anfühlt, so echt und rein zu sein wie der Regen vom Himmel oder die tropfenden Tränen? Spannend und abwechslungsreich auch in kompositorischer Hinsicht, klingt dies nach einem sehr persönlichen Song.
"Firestorm" ist als Clubhit angelegt und wie "Colours Of Your Love" durch elektronische Beats bestimmt, "Put That Fire Out" dagegen überzeugt als schlichter und einfacher Gospel.
Ich arbeite mich von Lied zu Lied, höre genau hin und meine Wahrnehmung des Albums ändert sich allmählich. Ja, ich muss zugeben – während des Schreibens habe ich "Conchita" nun etliche Male gehört und ich bin infiziert. Es lohnt sich, es sich langsam vertraut zu machen.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Album und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Homepage von Conchita Wurst
» Fanpage auf Facebook
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