Dresdens rechtsextreme OB-Kandidatin Tatjana Festerling traute sich in die "Boys"-Bar und wurde dort von Dragqueen-Mitbewerberin Lara Liqueur (Die Partei) mit Likörchen empfangen.
Liebe Lara Liqueur,
was wäre das für eine Chance gewesen, dieser Frau einmal zu zeigen, was wir von ihrer homophoben und rassistischen Hetze halten.
Da verirrt sich Dresdens Pegida-Oberbürgermeisterkandidatin Tatjana Festerling ausgerechnet in die Schwulenbar "Boys", in der du als DJ und Entertainerin arbeitest – und dir fällt nichts anderes ein, als sie zum Likörchen einzuladen, mit ihr um die Wette Kondome aufzublasen und ein Selfie zu machen.
Und offensichtlich hatte auch kein anderer Gast den Mut, die rechtsextreme Politikerin vor die Tür zu setzen. "Die Jungs in der Bar rieben sich verwundert die Augen", schreibt die "Bild"-Zeitung.
Weicheier statt Terrortunten
Zwei unwählbare OB-Kandidatinnen für Dresden: Lara Liqueur (Die Partei) und Tatjana Festerling (Pegida)
Nur zu Erinnerung: Festerling, das ist jene Frau, die selbst ihren ehemaligen AfD-Parteifreunden zu rechts war und die bei der Pegida-Demo am 30. März ordentlich gegen Lesben und Schwule vom Leder zog: "Wir wollen übrigens auch nicht den Terror der schwul-lesbisch-queren-intersexuellen Minderheit, die unsere Kinder mit ihrem überzogenen Sexualscheiß schon in der Grundschule traumatisieren." Das war, im Vergleich zu ihren Äußerungen gegenüber Ausländern und Muslimen, sogar noch freundlich.
Immerhin, könnte man sagen, hat sich Festerling nun selbst widerlegt, traf sie doch – 46 Jahre nach dem "Stonewall"-Aufstand – statt auf tapfere Terrortunten leider nur auf winselnde Weicheier. Man hätte ja nicht gleich handgreiflich werden müssen – aber gerade von dir als Kandidatin der Satiretruppe "Die Partei" hätte ich einen etwas kreativeren "Empfang" erwartet.
Und ich weiß nicht, was peinlicher ist: Das Selfie, der Likör und der Kondomaufblas-Wettbewerb oder das Rechtfertigungs-Video, das du am nächsten Morgen ungeschminkt und mit freiem Oberkörper aufgenommen hast. "Sie ist auch nur ein Mensch", sagst du darin, "es war einfach nur ein Gespräch", ein "blöder Zufall" und du und "die Tatjana" werden nicht beste Freundinnen werden. Die deutlichste Selbstkritik: "Das Selfie war wahrscheinlich ein bisschen falsch zu verstehen."
Am selben Tag, als die dreiste Festerling in die "Boys"-Bar marschierte, wurde in Düsseldorf unter dem Motto "Bunt statt braun" eine Kampagne gegen Rechtsradikale und Neonazis in der Szene gestartet. Ich habe heute für dich online die beiden Aufkleber "In-Out" und "No Drinks for Nazis" bestellt, sie sollten in den nächsten Tagen im Lokal eintreffen.
Herzlichst,
Micha Schulze
Was über Dresden hinausgeht, ist die unterwürfige Dankbarkeit einer Minderheit, die froh ist, wenn die Reaktion ihren historisch gewachsenen Vernichtungsvorbehalt gerade mal nicht umsetzt und sich 'nur' mit Entrechtung begnügt.
Heiter-bunte Sklavenmentalität.
2015!