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Der ESC bietet wieder einen europaweiten Einblick in das Leben der Anderen, hier Sloweniens Marjetka Vovk, die tatsächlich grundlos mit Kopfhörer auftritt (Bild: EBU (alle Bilder auf dieser Seite))

  • 21. Mai 2015 9 13 Min.

Queer.de stellt weitere 17 Lieder vor, die um den Einzug ins Finale am Samstag kämpfen. Natürlich mit Prognose, wer es schafft!

Von Carsten Weidemann

Ab 21 Uhr geht es weiter mit dem großen Eurovisionsspektakel aus Wien. Heute dürfen auch endlich die deutschen Zuschauer abstimmen! Nach dem ersten Halbfinale sind bereits zehn Länder ins Finale eingezogen. Da gab es bereits einige spektakuläre Momente, wozu allerdings weder die flachen Moderationen von Arabella Kiesbauer & Co. noch die albernen Wien-Touren gehörten. Immerhin, Conchita Wurst verkaufte sich blendend.

Das zweite Halbfinale des ESCs wird wieder live auf eurovision.de und im Fernsehen auf Phoenix, EinsFestival und EinsPlus übertragen. Mit acht richtigen Tipps im ersten Halbfinale lag queer.de schon mal nicht schlecht. Welche von den folgenden 17 Kandidaten haben wohl am Ende die Nase vorn?

Litauen: Dieses Jahr mangelt es nicht an Duetten! Im zweiten Halbfinale dürfen Monika Linkyte und Vaidas Baumila – beide Wettbewerbs- und Casting-gestählt – die Eröffnung bestreiten. Die beiden trällern "This Time" und bieten vor einem knallbunten Hintergrund eine sympathische, aber grundsätzlich auch leicht belanglose Show. Der Höhepunkt: Ein koketter Schmatzer auf den Mund und ein motiviertes "Come On Eurovision" vom zugegebenermaßen süßen Vaidas. Dennoch haben putzige Belanglosigkeiten dieser Art eigentlich keine Chance, das Finalticket zu ziehen und so wird es für die Litauer wie letztes Jahr nach Hause gehen. Wobei: In den drei Jahren davor, kam das kleine Land immer weiter – stets mit Liedern, auf die zuvor keiner auch nur einen Pfifferling gesetzt hatte.

Irland: Auf der Leinwand ziehen dunkle Schatten auf, wehende Bäume und eine grün-schwarze Färbung sorgen für eine ernste Atmosphäre. Willkommen in Irland! Und was können die Iren besonders gut? Richtig, besinnliche Balladen mit Schunkelcharakter! Der besondere Kick liegt im vorliegenden Fall bei der kehligen, leicht brüchigen Stimme von Molly Sterling, die deutlich älter als zarte 17 klingt. Diese erweckt die gar nicht so triste Ballade namens "Playing With Numbers"" erst zum Leben. Ihr großes Vorbild: Stevie Nicks! Bei den Proben gab es bislang keine Patzer, Molly macht ihre Sache sehr überzeugend und im Laufe des Liedes geht nicht nur musikalisch die Sonne auf. Nicht das einzige überzeugende Singer/Songwriter-Stück im Wettbewerb, aber auch dieses hat gute Chancen auf einen Finaleinzug.



San Marino: Was macht eigentlich Valentina Monetta (San Marinos Vertreterin 2012-2014)? In einem italienischen Supermarkt an der Kasse sitzen? In san-marinesischen Kirchen feucht durchwischen oder doch bei den unzähligen Galas im Lande ihrer Jazz-Leidenschaft frönen? Keine Ahnung, was wir allerdings wissen ist, dass Ralph Siegel wieder dabei ist und das zum 24. Mal! Kein Mensch außerhalb von San Marino will ihn scheinbar noch und das hat nach zwei recht ordentlichen Beiträgen 2013 und 2014 in diesem Jahr viele Gründe: Die beiden jüngsten Teilnehmer im Wettbewerb, Anita Simoncini und Michele Perniola, süße 16 Jahre alt, haben einen Schlager aus unzähligen Versatzstücken am Start, der einfach nur Künstlichkeit transportiert. Dazu kommen abgeschmackte, einstudierte Gesten und Schritte, wie sie sich selbst in der schlimmsten Casting-Show keiner mehr traut. Die Weltkugel dreht sich auf der LED-Wand und gegen Ende muss die arme Anita auch noch – schlecht – rappen. Hilfe! Valentina, komm zurück!

Montenegro: Von blutjung zu in Ehren ergraut. Knez (48) ist bereits seit Anfang der Neunzigerjahre ein gestandener Interpret montenegrinischer Pop-Musik. Sein "Adio" trägt er allerdings auf Serbisch vor. Geschrieben wurde der schwermütige Liebesschlager von keinem Geringeren als Balkan-Superstar Željko Joksimovic, der schon viele tolle Eurovisionsbeiträge verantwortet hat. Das Bühnenbild ist schlicht, rot und blau, auch ansonsten passiert nicht gerade viel bei Montenegro. Knez' Backgroundmädels machen im letzten Drittel einen hübschen Ausdruckstanz – da werden Erinnerungen an frühere Kibbuz-Schlager aus Israel wach. Singen kann Knez ohne Zweifel, sein Lied bleibt allerdings selbst bei wiederholtem Anhören nicht hängen. Kein Wunder, dass sich der Sänger in den meisten Wetten ganz hinten befindet. Bislang der schwächste Beitrag aus dem Hause Željko Joksimovic und nur die slawische Diaspora können ihn und Knez wohl retten.

Malta: In Malta gehört es für Pop-Sängerinnen zum guten Ton, beim Vorentscheid des ESCs teilzunehmen. Wo sollte man auch sonst auftreten, außer vielleicht abends in irgendwelchen Strandkaschemmen? Und so war Amber auch schon einige Male dabei, doch erst dieses Jahr sollte es klappen. Was sofort auffällt: Die Lady kommt ohne Background oder unnötige Tänzer aus und steht alleine ihre Frau. Wem der Titel "Warrior" bekannt vorkommt, der sei daran erinnert, dass auch der laute Beitrag aus Georgien so heißt. Nur zu blöd, dass Amber gleichfalls auf eine düstere Stimmung und die Farbe Schwarz setzt. Nicht nur das: Die für Abwechslung sorgenden Flammen im zweiten Teil der Performance scheinen bei "Rise Like A Phoenix" geklaut, das altbackene Kleid wäre eher was für die frühen Neunzigerjahre gewesen, der Song fährt nicht ein und außerdem singt sich Amber zu angestrengt die Seele aus dem Leib. Die Diven aus Russland, Griechenland oder auch Spanien können das besser. Das wird leider nichts mit der Strandparty in Valletta!



Norwegen: Die Norweger setzen wie kein anderes Land auf die Ausstrahlung ihrer Interpreten und des Songs, der schon beim Titel "A Monster Like Me" Spannung aufbaut. Es gibt keine große Show, nur sehr gezieltes Licht und minimalste Effekte auf der Bühne. Doch nicht nur damit hat sich das Duo Mørland und Debrah Scarlett zu einer Art Geheimfavorit gemausert. Ein großartiger, eingangs nebulöser Text ("I'm telling the truth, I did something terrible in my early youth"), zwei exzellent aufeinander eingespielte Interpreten und ein dramatische, keinesfalls kitschige Melodie mit großem Abgang sorgen für echte Gänsehaut. Auch die Wetten sind gut und selbst überkritische Tagesblätter jubilieren bereits. Wenn sich die Fernsehkameras tatsächlich auf Mørland und Debrah Scarlett fokussieren, um so die besondere Atmosphäre ihres Beitrags einzufangen, dann wird Norwegen nicht nur ins Finale schweben, sondern am Samstag ganz vorne landen. Schon jetzt ein Beitrag, der bei den Fans noch in Jahrzehnten gespielt und angeschaut wird.

Portugal: Noch ein Geheimfavorit des diesjährigen Wettbewerbs – allerdings für den letzten Platz. Leonor Andrade liegt mit "Há um mar que nos separa" derzeit in den meisten Prognosen ganz hinten und dies änderte sich auch nach den Proben nicht. Dabei sang Leonor bislang überzeugend und gab auch ihr Möglichstes, alles aus ihrem eingängigen, netten Pop-Song herauszuholen. Leonors ruckartige Bewegungen Marke "ich rock" das Ding schon" passen allerdings nicht zu 100 Prozent zur Komposition. Sie ist durchaus eine talentierte Sängerin, allerdings fordert ihr Song sie nicht sonderlich. Zudem wurden sämtliche Elemente der Inszenierung auch schon bei etlichen anderen Beiträgen überzeugender eingesetzt: Düsteres Weiß-Blau (obwohl der Song eher optimistisch klingt), ein mit Lack besetztes Flatterkleid mit langen Ärmeln und großen Schulteraufsätzen (brachte schon Niederlande kein Glück) und ohne Ende Lichtkegel gegen Ende. "Es gibt ein Meer, das uns trennt" heißt der portugiesische Titel übersetzt und soweit scheint auch die Finalteilnahme entfernt.

Tschechien: Es darf weiter duettiert werden: Für Tschechien treten Marta Jandová und Václav Noid Bárta an, die bislang auch nicht hoch gewettet werden. Das Land setzte zwischen 2010 und 2014 verbittert aus, nachdem es drei Mal in Folge ganz hinten im Halbfinale gelandet war (und somit noch nie im Finale). Das Comeback "Hope Never Dies" ist eine weitere dramatische Liebesballade, die allerdings enorm von den beiden Vollprofis profitiert, die zudem bei Fans und Presse durch ihre sympathische, herzliche Art sehr viel Boden gut gemacht haben. Power-Stimme Marta Jandová dürfte vielen Lesern durchaus bekannt sein, denn sie ist die Sängerin der Rock-Band Die Happy, die seit 2001 mit sämtlichen Studio-Alben in den deutschen Charts platziert war. Außerdem gewann Marta gemeinsam mit den Rockern von Oomph! überraschend den Bundesvision Song Contest 2007 ("Träumst du?"). Ihre Rock-Ballade hat einen schönen Refrain, dazu gehört der dunkle Václav sicher auch zu den heißesten Typen im Wettbewerb. Auch setzen die Beiden auf wenige Effekte und ein schlichtes schwarzes Bühnenoufit. Dark Horse!



Israel: Vor lauter Balladen, dunklen Lichteffekten und Dramatik freut man sich geradezu auf den israelischen Beitrag, und mag er noch so dümmlich und platt sein. Der gerade mal 16-jährige Nadav Guedj (er sieht deutlich älter aus) und seine putzigen Jungs sorgen für jede Menge Stimmung auf der Bühne, zudem kommt bei "Golden Boy" endlich mal so etwas wie (orientalische) Party-Stimmung auf. Wer zuvor leicht weggenickt ist, dürfte jetzt wieder aufwachen. Da stört auch nicht weiter, dass Nadav kein großer Sänger ist, der Refrain an Tarkan erinnert oder der Text leicht infantil wirkt. Witzig auch der Schluss: "Okay, we gotta go, three minutes, bye bye"! Das ist sicher alles trashig, aber doch so sympathisch und lebendig, dass ein Finaleinzug endlich wieder greifbar ist. Zuletzt gelang das den Israelis nämlich 2010.

Lettland: Fielen die Israelis durch sympathischen Nonsens auf, geht es bei der lettischen Vertreterin Aminata, die wie die kleine Schwester von Dschungelshow-Quasselstrippe Gabby (Queensberry) aussieht, wieder ernster, aber nicht weniger unterhaltsam, zu. Die Sängerin trägt ein ausgefallenes, knallrotes, tief ausgeschnittenes Kleid, dass unten mit jeder Menge Tüll scheinbar zerfließt. Dazu flackert es rot im Hintergrund, Lichtblitze wechseln sich mit orientalischen Symbolen ab und die statisch positionierte Aminata setzt dazu auf ausladende Armbewegungen. Ein sehr beeindruckendes Staging, dass die vertrackte, sehr moderne Komposition zwischen R&B und Dubstep großartig untermalt. Letztendlich dürfte "Love Injected" ein bisschen zu kompliziert für einen Spitzenplatz sein, aber der Finaleinzug für Lettland, nach sechs Megaflops in Folge, dürfte endlich wieder möglich sein.



Aserbaidschan: Die Aserbaidschaner sagen sich jedes Jahr scheinbar Folgendes: "Warum daheim irgendwelchen zweitklassigen Mist schreiben lassen, dann lieber gleich wieder die Schweden anheuern." So auch dieses Jahr. Und was singt uns Elnur Hüseynov Schönes? Natürlich eine dramatische Ballade: "Hour Of The Wolf" ist bereits sein zweiter Beitrag beim ESC. Hardcore-Fans erinnern sich bestimmt noch an seinen achten Platz im Jahre 2008 – das Debüt von Aserbaidschan. Auch dieses Jahr sehen ihnen die Buchmacher ungefähr auf diesem Platz. Das wird schwer, denn seine gefühlvolle Ballade ist einen Tacken zu beliebig, wird aber keineswegs schlecht präsentiert. Elnur singt ganz gut, bis auf die extrem hohen Stellen – die wirken aufgesetzt. Und das erneut sehr düster wirkende Staging haben wir (leider) auch schon viel zu oft gesehen. Es wird dennoch für den Finaleinzug reichen. Kleine Randnotiz: Bei den Proben trug er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Conchita UR Unstoppable".

Island: Auch in Island scheint die Sonne bekanntlich nicht sehr oft, darum gibt es hier auch wieder ein dunkles Staging. Reicht vielleicht auch, denn die Sonne soll schließlich mit der kleinen Prinzessin María Ólafs und ihrem Bekenntnis "Unbroken" aufgehen. Das Püppchen singt ihr süßes Pop-Liedchen im rosafarbenen Tüllröckchen – auch eine Farbe, die wir dieses Jahr nicht oft sehen. Die Schuhe lässt sie in der Garderobe, ein echter Sandie-Shaw-Moment. Der Hintergrund färbt sich in allen möglichen Farben, ohne, dass es gleich in ein Chaos ausartet. Zum Abgang gibt es zarte Lichtfunken. Das ist alles sehr lieb und alle Mädchen unter 15, von Oslo über Moskau bis nach Nikosia, werden ganz sicher für sie anrufen und ihr einen Finalplatz sichern. ESC-Fans sollten übrigens genau auf den Background-Chor achten: Da singt Hera Björk, die 2010 für Island über die Bühne schwebte ("Je ne sais quoi") und mittlerweile nach Chile (!) ausgewandert ist.



Schweden:Vielleicht bleibt die süße Isländerin aber auch auf der Strecke, denn nach ihr kommt einer der Top-Favoriten für den ESC-Sieg. Die Schweden könnten ihr Song wahrscheinlich auch furzen und es käme immer noch ein radiokompatibler Pop-Song dabei heraus. Nein, das riskiert Schönling Måns Zelmerlöw natürlich nicht, bei ihm knallt es dafür ordentlich, denn sein "Heroes" bedient alles, was man an schwedischer Pop-Musik liebt (oder eben hasst). Ein Aufmerksamkeit erzielender Einstieg mit Gitarrenriff, ein aufgemotzter Refrain, der sofort einfährt, und ein Tempo, das mitreißt. Dazu gibt es eine äußerst geschickt eingebaute Trickshow mit kleinen Männchen. Schlussendlich ist Måns dann auch ein sehr guter Performer, der – nicht unwichtig – sehr gut aussieht und sich sexy bewegt. Finale, oh oh, Finale, trotz mancher Kritik im Vorfeld über einen homophoben Spruch des Schweden und Plagiarismus (selbst die Männchen mussten ausgetauscht werden).

Schweiz: Wie schön wäre es, wenn Deutschland, Österreich (beide bereits fest für das Finale gesetzt) und die Schweiz in trauter Dreisamkeit wie im letzten Jahr im Finale stehen würden. Wunschdenken! Mélanie René ist mauritianischer Abstammung, das merkt man ihrem konventionellem Pop-Song allerdings nicht an. Es wird wieder düster und dramatisch, zudem scheint Mélanie auf Bewährtes oder gar bereits Getragenes zu setzen: Hatte die Portugiesin nicht einen ähnlichen dunklen Fummel an? Doch halt, das ist etwas anderes: das Comeback des Trickkleids! Und noch ein großes Thema beim diesjährigen Wettbewerb gibt es auf der LED-Leinwand: Bäume! Ach und getrommelt wird auch noch – vor zehn Jahren durch Ruslanas "Wild Dances" ein äußerst beliebtes Stilmittel. Mélanie singt ansonsten ordentlich, scheint aber doch chancenlos zu sein, auch nur in die Nähe des Finales zu kommen.



Zypern: Eigentlich gab es schon lange keine Ballade mehr, oder? Für die einen die Pinkelpause, für die anderen eine schöne, einschmeichelnde Kuschelballade. Giannis "John" Karagiannis singt so ruhig und konzentriert wie kaum ein anderer Interpret beim diesjährigen Contest. "One Thing I Should Have Done" wird ohne großen Schnickschnack mit kleinen Lichtakzenten präsentiert. Giannis trägt – ebenfalls selten gesehen – einen klassischen, schwarzen Anzug. Eigentlich eine Wohltat für überstrapazierte Ohren. Und Giannis ist zudem ein äußerst putziger Kerl. In den Wetten hat sich der kleine, unspektakuläre Beitrag ganz leise in das fordere Mittelfeld hochgeschoben. Das sollte drin sein.

Slowenien: Will es Lara Fabian, einst Céline Dions Konkurrentin beim ESC 1988 und späterer Weltstar, noch einmal wissen und tritt für Slowenien an? Optische Täuschung! Marjetka Vovk heißt die Sängerin und erinnert stimmlich eher an Duffy. Ihr Song gehört zu den modernsten und vor allen Dingen flottesten Beiträgen beim diesjährigen Wettbewerb. Ein gut gemachter Pop-Song mit Geigenelementen (Achtung: eine Luftgeigerin springt im Background mit Leuchtdioden am Arm herum). Jetzt hätten wir fast ihren Ehemann Raay unterschlagen. Mit diesem bildet Marjetka nämlich das Duo Maraaya. So oder so, eine echte Überraschung aus Slowenien, die ja auch schon einige hintere Plätze belegten (so auch letztes Jahr). Kritiker und Wettbüros sind sich einig, die Slowenen erreichen nicht nur das Finale, sondern können auch die bisher besten Platzierungen 1995 und 2001 (Platz sieben) verbessern. Nur zwei Dinge stehen den Slowenen im Weg: Die sinnfreien Kopfhörer und Maraayas scheußliches weißes Kleid aus Häckeldecken.



Polen: Gott, erbarme dich, nicht noch eine Ballade. Und jetzt wird richtig auf die Tränendrüse gedrückt. Monika Kuszynska sitzt im Rollstuhl (eine Premiere beim ESC), singt "In The Name Of Love" und bemüht sich vergeblich, den Kitschfaktor möglichst klein zu halten. Keine Chance: An ihrem Rock wurden lange weiße Tücher befestigt, die im hellen Licht leuchten. Dazu gibt es einen Pianisten an einem weißen Klavier, auf der LED-Wand wehen rosafarbene Vorhänge. Und dazwischen? Ihr ahnt es schon: Bäume, mit üppigen, rosafarbenen Blüten. Irgendwie von allem etwas zu viel, zudem ist die Ballade einfach so pastellfarben schnarchig, dass man sie nach drei Minuten auch wieder schnell vergessen hat. Dabei ist es lobenswert, dass neben den schon ausgeschiedenen Finnen, deren geistige Behinderung Thema war, nun auch eine Interpretin mit körperlicher Behinderung gleichberechtigt neben allen anderen Startern zu sehen ist.

Folgende zehn Länder sehen wir am Samstag im Finale wieder: Irland, Norwegen, Tschechien, Israel, Lettland, Aserbaidschan, Island, Schweden, Zypern und Slowenien. Glauben wir zumindest.

Youtube | Ein Appetizer zur Show
-w-

#1 67o43w2vAnonym
  • 21.05.2015, 12:52h
  • Das Schlimmste ist, dass Schweden wohl gewinnen wird.

    Der Song ist strukturell ein Plagiat von Lovers On The Sun. Beweis:

    www.youtube.com/watch?v=kTqUx4Aud0w

    Die Visuals wurden geklaut vom offiziellen Video von Lovers On The Sun und von einem anderen Künstler. Letzterer hat Einspruch erhoben, so dass Schweden sein Strichmännchen ändern musste, im Wesentlichen bleiben die Visuals aber Ideenklau. Beweis:

    www.youtube.com/watch?v=JnTvAaHtQRU

    Der Sänger ist homophob, hat bei einem entspannten Abendessen mit TV-Kamera dabei gesagt, dass Homosexualität eine "Verirrung" (avvikelse) sei und dass es "unnatürlich" sei wenn zwei Männer mit einander schlafen. Beweis:

    www.youtube.com/watch?v=YcHdSJtCWKQ

    Das darauffolgende Zurückrudern kann man so sehen, dass er dazu gezwungen wurde sich zu entschuldigen, denn mit einem homophoben Ruf kann man als Sänger weder in Schweden noch beim Eurovision Karriere machen. So also heuchelte der Sänger bei diversen LGBT-Veranstaltungen Homofreundlichkeit und ließ sich sogar zu schwammigen Aussagen über scheinbare Bisexualität hinreißen, was sich in einem Interview bei der diesjährigen Nordic Party dann aber so herausstellte, dass er damit nur sagen wollte, dass wenn er eines Tages aufwachen und (auch) auf Männer stehen würde er Männer daten würde, aber dass er keine Gefühle für Männer hege. Beweis:

    www.youtube.com/watch?v=l4add95eouc

    Wer als queerer Mensch oder als Freund queerer Menschen für Schweden votet, der votet für eine homophoben Sänger, dessen Song ein strukturelles Plagiat und dessen Visuals schlicht dreist geklaut sind.

    Viele Schwule werden auf seine schöne Hülle reinfallen. Ja, er sieht verdammt gut aus, aber sollte er allein deswegen gewinnen?

    Der Song ansich ist schnöder Schweden-Pop, catchy aber schon millionenfach gehört. Einmal gehört wird der Song dann einfach nur noch langweilig. Und so toll ist sein Gesang nicht. Man beachte, dass die Backing Vocalists viel Gesangsarbeit verrichten und sich dafür hinter der Projektionsfläche verstecken.

    Wenn das Publikum anfängt zu kreischen und die Punkte für Schweden reinkommen und Schweden am Ende gewinnen sollte und dieses homophobe Arschloch am Ende wieder seine arrogante Siegerpose macht, dann werd ich in die bereitgestellte Kotztüte kotzen.
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#2 PatroklosEhemaliges Profil
  • 21.05.2015, 16:09h
  • Der ESC ist voller Überraschungen und es wär auch eine Sensation, wenn Norwegen und Schweden, da als Favoriten ja gehandelt, heute Abend bitterlich weinen müssen, weil es nicht gereicht hat!
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#3 BacksteinAnonym
  • 21.05.2015, 17:39h
  • Wieso werden qualitativ hochwertige und gut durchdachte Beiträge eigentlich immer gleich als vertrackt und zu kompliziert bezeichnet? Anscheinend wird gerade zu die Abstumpfung und mentale Degression durch Beiträge wie Schweden oder Israel herbeigesehnt, die hier schon gehyped werden, als wären sie nicht das was sie leider sind - mindestens zehn Mal so versatzstückig wie San Marino und getreu dem Motto: Stumpf ist Trumpf!

    Lettland wie auch Malta haben mit ihren Beiträgen Mut und Können bewiesen - Love injected fordert sogar ein wenig den intellekt, wenn in der Bridge Hemiolen verwendet werden oder - Gott bewahre - längere Pausen als das obligatorische Beat-Anhalten nach "Stop!"-Lyrics auftreten. Mit der Orchestrierung des maltesischen Warriors wird bewiesen und gezeigt, dass es einen Grund gibt, warum Orchester oder zumidnest Ensembles verwendet werden - weil es einfach klingt und Atmosphäre erzeugt, die kein "Herououous"-Gegröhle erzeugen kann.

    Aber das ist ja anscheinend der Redaktion "zu vertrackt" und "kompliziert". Gute Nacht, Land der Dichter, Musiker und Denker.
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