https://queer.de/?23844
Volker Beck fordert Entschuldigung
"Kirchenzeitung" vergleicht Homosexuelle mit Dieben

Herausgeber der "Kirchenzeitung" ist Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki (Bild: Erzbistum Köln)
- 25. Mai 2015 3 Min.
Die Segnung lesbisch-schwuler Paare sei ebensowenig akzeptabel wie Straffreiheit für Einbrecher, heißt es in der vom Kölner Erzbischof Woelki herausgegebenen "Kirchenzeitung".
Zu Update springen: "Kirchenzeitung" entschuldigt sich
Auch nach dem Rücktritt von Joachim Kardinal Meisner im vergangenen Jahr scheint sich das Erzbistum Köln in seinen homophoben Entgleisungen treu zu bleiben. In der jüngsten Ausgabe der offiziellen "Kirchenzeitung", herausgegeben von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, werden in einem Kommentar Lesben, Schwule und geschiedene Heteros mit Einbrechern und Dieben verglichen.
Unter der Überschrift "Ist das ZDK verzichtbar?" kritisiert Siegbert Klein, Chef vom Dienst des im Abo erhältlichen Wochenblattes, die Forderung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), auch homosexuelle Paare und geschiedene Heterosexuelle zu segnen (queer.de berichtete). Der Begründung des ZdK, man müsse die "Lebenswirklichkeit" akzeptieren, hält der Autor entgegen, dass man schließlich auch Verbrechen nicht tolerieren würde: "Die Zahl der Einbrüche und Diebstähle steigt Jahr für Jahr, während immer weniger Täter überführt werden können. So erleben viele Menschen heute ihre Lebenswirklichkeit."
Weiter heißt es in dem Kommentar von Siegbert Klein: "Wer etwas mitgehen lässt, muss sich anscheinend keiner Schuld bewusst sein. Machen doch alle. Damit die Zahlen nicht weiter stören, dringen wir darauf, dass Diebstahl nicht mehr bestraft wird und dass die Täter zu loben sind, weil sie vielleicht für die Playstation ihrer Kinder oder für eine Aufmerksamkeit für ihre Partnerin auf Beutezug gehen. Solches Handeln müsste die Gesellschaft eigentlich wertschätzen. Es ist vorbildlich. Sie schütteln energisch den Kopf?"
Volker Beck kritisiert "inakzeptable, respektlose Diffamierung"

Der Herausgeber fungierte im vergangenen Jahr auch als Coverboy der "Kirchenzeitung"
In einem Leserbrief an die "Kirchenzeitung" nannte der religionspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion Volker Beck den Vergleich eine "Ungeheuerlichkeit": "Es bleibt Ihnen unbenommen, an dem 'naturrechtlichen' kirchlichen Dogma der Ehe für den kirchlichen Bereich festzuhalten", schreibt der Kölner Politiker. "Aber Ihre Aussage in dem Kommentar über alle, die nicht erst-ehelich oder zölibatär leben, ist – wenn nicht Hetze – so zumindest eine inakzeptable, respektlose Diffamierung."
Diebe und Einbrecher verletzten das Recht anderer auf Eigentum, so Beck. "Homosexuelle Paare oder nichteheliche heterosexuelle Familien verletzen niemandes Recht und haben Anspruch auf ein Mindestmaß von Respekt, auch von der katholischen Kirche und ihren Publikationen." Der Grünen-Politiker forderte sowohl eine Entschuldigung des Autors als auch eine Distanzierung von Erzbischof Woelki.
Verleger der wöchentlich erscheinenden "Kirchenzeitung" ist der J.P. Bachem Verlag. Auf dessen Website heißt es über die Publikation: "Sie zeichnet sich durch fundierte Berichte und Kommentare zum Geschehen in Kirche und Gesellschaft aus. Ihre hohe redaktionelle Qualität bringt ihr Wertschätzung weit über das Erzbistum hinaus ein." (mize)
Update 26.05., 10:20h: "Kirchenzeitung" entschuldigt sich
Die "Kirchenzeitung" im Bistum Köln hat sich am Dienstag für den beleidigenden Kommentar ihres Chefs vom Dienst entschuldigt. Man wolle Homosexuelle nicht diskriminieren, erklärte Chefredakteur Robert Boecker gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er bedauere den Text. Zudem sagte Boecker, dass Erzbischof Rainer Maria Woelki als Herausgeber des Magazins den Kommentar nicht gekannt habe.
Auf der Homepage der "Kirchenzeitung" wurde der Kommentar gelöscht.
Update 13:30h: Auch Woelki distanziert sich
Nach dem Chefredakteur der "Kirchenzeitung" hat sich auch der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki von dem Kommentar distanziert. "Die redaktionelle Verantwortung für Beiträge in der 'Kirchenzeitung' liegt bei den Autoren und dem Chefredakteur", sagte Woelkis Sprecher Christoph Heckeley dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er teile die Sicht der Redaktion, "dass der strittige Kommentar nicht die Meinung des Erzbischofs wiedergibt".
Der Erzbischof habe wiederholt deutlich gemacht, dass die Diskriminierung von Lesben und Schwule nach der Lehre der Kirche nicht zu tolerieren sei. "Dies gilt auch für den vom Kommentator gewählten Vergleich Homosexueller mit Dieben und Einbrechern." Dem Kardinal würden Texte der "Kirchenzeitung" vorab nicht vorgelegt, so Heckeley.
Links zum Thema:
» Der Kommentar der "Kirchenzeitung"
» Leserbrief von Volker Beck















www.welt.de/regionales/bayern/article141419537/Vielfalt-bere
ichert-die-Kirche.html
ich vermisse bei queer.de ein kotz-smiley.