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Reise in ein verlassenes Tagebau-Dorf in der Lausitz: Bernd (Benno Fürmann, li.) und sein Lebenspartner Marc (Kai-Ivo Baulitz) genießen die Aussicht auf dem Dach der alten Schule (Bild: Patryk Witt)
- 03. Juni 2015 2 Min.
Am Donnerstag startet Florian Gottschicks Mystery-Drama "Nachthelle" im Kino – mit Benno Fürmann in seiner ersten schwulen Rolle.
Bevor ihr Heimatdorf in der Lausitz von Kohlebaggern weggefressen wird, fahren die beiden Schulfreunde Anna (Anna Grisebach) und Bernd (Benno Fürmann) noch ein letztes Mal mit ihren Partnern in die fast völlig verlassene Gegend. Hetera Anna bringt ihren wesentlich jüngeren Freund Stefan (Vladimir Burlakov) mit und der Schwule Bernd seinen langjährigen Lebenspartner, den angesehenen Psychologen Marc (Kai Ivo Baulitz).
Die in der Vergangenheit schwelgende Anna genießt die Anwesenheit ihrer alten Freunde so sehr, dass sie Bernd und Marc einlädt, eine Nacht zu bleiben. Dann allerdings beginnt Marc, makabren Gefallen daran zu finden, ein lange vergangenes Ereignis ins Gedächtnis zu rufen: Im Sommer vor genau 25 Jahren stürzte ein Bekannter von Anna und Bernd von einem Dach in den Tod – und Anna fühlt sich mitschuldig.
Ein Film über Treue, Schuld und Verlangen

Plakat zum Film: "Nachthelle" startet am 4. Juni 2015 bundesweit im Kino
Die Erinnerung an diesen Vorfall und alles, was danach geschah, nimmt Anna mehr mit, als sie erwartet hätte. Marc nutzt die Gelegenheit aus, um mit ihrer angeschlagenen Psyche zu spielen und gleichzeitig ihren Freund Stefan anzumachen. Der wiederum fühlt sich unsicher, weil erst jetzt erfahren hat, dass Anna und Bernd früher mal ein Paar waren. Und auch Bernds und Marcs offene Beziehung scheint nicht wirklich ausbalanciert zu sein…
Um Treue, Schuld, Verlangen und unterdrückte Gefühle geht es in Florian Gottschicks etwas verstörenden Film "Nachthelle". Ein Jahr nach der Uraufführung beim Filmfest München und einigen Aufführungen im Mai bei der Filmreihe "homochrom" in NRW bekommt das psychologische Mystery-Drama am 4. Juni seinen langerwarteten Bundesstart.
Wie die Tagebau-Kohlebagger befördert der außergewöhnliche Film einiges tief Verbuddelte ans Licht, erschüttert das Leben der vier Protagonisten. Die sehr unheimliche Umgebung des verlassenen Dorfs ist dabei nicht mehr als die passende Kulisse. Die kammerspielartige Inszenierung fokussiert komplett auf die Charaktere, ihre Schwächen, Unsicherheiten und Begierden.
Die hochkarätige Besetzung des Films hat sich gelohnt, alle spielen so überzeugend, dass es geradezu beängstigend ist. Auch Benno Fürmann, der auf der Leinwand bislang eher als typischer Hetero-Macho zu erleben war, hat seine erste schwule Rolle mit Bravour bestanden. (cw)
Nachthelle. Drama. Deutschland 2014. Regie: Florian Gottschick. Darsteller: Michael Gwisdek, Ivo Baulitz, Vladimir Burlakov, Benno Fürmann, Anna Grisebach, Gudrun Ritter. Laufzeit: 83 Minuten. Deutsche Originalfassung. FSK 12. Label: Darling Berlin. Verleih: daredo media. Bundesweiter Kinostart: 4. Juni 2015
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