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- 13. Juni 2015, 08:53h 2 Min.

Das Cover der "Maroc Hebdo"-Ausgabe vom 12. Juni 2015
Die marokkanische Wochenzeitschrift "Maroc Hebdo" rief auf der Titelseite ihrer neuen Ausgabe indirekt zum Mord auf.
Dieses Cover sorgte nicht nur im westlichen Ausland, sondern auch im konservativ-islamischen Marokko für heftige Empörung: "Faut-il brûler les homos?" (Sollte man die Homos verbrennen?), fragt das französischsprachige Wochenmagazin "Maroc Hebdo" auf der Titelseite seiner neuesten Ausgabe vom 12. Juni. Dazu ist ein lächelndes schwules Paar in einem Hotel-Pool angebildet.
Anlass des indirekten Mordaufrufs war eine Initiative des marokkanischen Gesundheitsministeriums, Homosexualität zu legalisieren – bislang wird gleichgeschlechtlicher Sex in dem nordafrikanischen Land mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. "Das Gesundheitsministerium fordert die Entkriminalisierung der Homosexualität in Marokko. Zugegeben, es ist ein individuelles Recht. Aber was ist mit den moralischen und religiösen Werten?", fragt das Magazin weiter auf dem Titel.
Hefte nach Shitsstorm zurückgerufen
Auf der Facebook-Seite erntete "Maroc Hebdo" sofort nach Bekanntwerden des Covers einen heftigen Shitstorm: "Wir können Sie wegen Anstiftung zum Mord vor Gericht bringen. Das ist mein Ernst", schrieb ein User. Ein anderer fragte: "Sollen wir diese Zeitschriften verbrennen?" Mit den Worten "Sie sind eine Schande für die Pressefreiheit" brachte ein Kommentator die Meinung der überwiegenden Mehrheit auf den Punkt. Die Webseite von "Maroc Hebdo" ist seit Freitag "wegen Wartungsarbeiten" nicht mehr zu erreichen.
Das Magazin selbst reagierte auf die Kritik und zog das Heft noch am Freitag "aufgrund der teilweise heftigen Reaktionen" aus dem Verkauf zurück. Mit dem Cover habe man lediglich eine Debatte über "Homosexualität und ihren Platz in der Gesellschaft" anstoßen wollen, hieß es in einer Stellungsnahme der Redaktion. Verleger Mohamed Selhami entschuldigte sich bei allen, die er mit dem Thema "schockiert" habe. Nach Angaben von Wikipedia verkauft das 1991 gegründete Magazin wöchentlich etwas mehr als 6.000 Exemplare.
In den vergangenen Wochen hatte Marokkos Homosexualitäts-Verbot mehrfach für internationale Schlagzeien gesorgt. So waren Anfang Juni zwei französische Femen-Aktivisten vorübergehend festgenommen und ausgewiesen worden, weil sie sich mit nackten Brüsten am Hassanturm in Rabat geküsst hatten (queer.de berichtete). Ende Mai waren in der Stadt Taourirt im Nordosten des Landes drei schwule Männer zur Höchststrafe von drei Jahren verurteilt worden (queer.de berichtete). Homosexualität gilt innerhalb der marokkanischen Gesellschaft als Tabu, wird aber in Touristen-Orten wie Marrakesch, Agadir oder Tanger toleriert. (cw)















Wo gibt's denn in einem muslimischen Land Moral? Dort wird alles "getrieben", aber eher heimlich. Kinder und Frauen - als Opfer - haben keine Rechte, und die männlich dominierte Polizei/Justiz/Politik hört Opfern gar nicht zu.