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- 24. Juni 2015, 15:02h 3 Min.

Die Südstaatenflagge links weht vor dem Parlamentsgebäude in South Carolinas Hauptstadt Columbia – nach Ansicht mancher Erzkonservativer ist die Regenbogenfahne genauso schlimm wie die Flagge der Sklavenhalter
Den Streit um die Südstaatenflagge wollen Homo-Hasser für sich nutzen: Sie fordern nun, eine andere "Hassflagge" zu entfernen: die Regenbogenfahne.
Nach dem Terroranschlag in Charleston (South Carolina), bei dem ein weißer Rassist vor wenigen Tagen in einer Kirche neun Schwarze tötete, setzt sich eine breite Koalition dafür ein, die Südstaatenflagge aus dem öffentlichen Leben zu entfernen. Die "Confederate Battle Flag" war während des Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert von Teilen des Südstaatenmilitärs genutzt worden – sie gilt heute in den meisten Teilen der USA als rassistisches Symbol der ehemaligen Sklavenhalter.
Die homofeindliche radikale Rechte versucht nun, von der Debatte über die Fahne zu profitieren: Erzkonservative Aktivisten haben eine Kampagne gestartet, in der sie behaupten, die Regenbogenfahne unterdrücke genauso sehr wie die Südstaatenflagge – statt Schwarzen seien nun aber arme christliche Heterosexuelle die Opfer.
Diese Meinung äußert etwa Bryan Fischer in seiner Radiosendung. Er ist Chef-"Analytiker" der millionenschweren "American Family Association", deren Hauptziel es ist, die Rechte von Schwulen und Lesben zu begrenzen:
Wenn wir Unterdrückungssymbole aus unserer Kultur entfernen, wenn wir sagen, dass jede Flagge, die Engstirnigkeit, Hass, Sklaverei oder Unterdrückung symbolisiert, entfernt werden muss, dann empfehle ich, dass als nächste Fahne die Regenbogenfahne des 'Gay Reich' drankommen soll".
Mit "Gay Reich" spielt er auf das Dritte Reich an ("[Homosexuelle] haben eine Flagge, genauso wie die Nazis eine hatten"). Den Nazivergleich hat Fischer schon oft benutzt. So behauptete er vor ein paar Jahren, dass Adolf Hitler sehr vielen Schwulen schmutzige Jobs gab, weil dieser Menschenschlag besonders unzivilisiert und brutal sei (queer.de berichtete).
Hier ein Ausschnitt der Sendung, die vom Projekt Right Wing Watch veröffentlicht wurde:
Angesichts dieses Diskussionssstandes traut sich der LGBT-feindliche republikanische Präsidentschaftskandidat Ben Carson, der einzige Afroamerikaner im Rennen, in einem CNN-Interview noch nicht einmal, auf die Unterschiede zwischen Südstaaten-Kriegsflagge und dem Symbol für LGBT-Emanzipation hinzuweisen:
Auch die erzkonservative Website "Breitbart News" befeuert die Debatte. In mehreren Artikeln wird davor gewarnt, dass das LGBT-Symbol immer allgegenwärtiger sei – und dann fabuliert Autor John Nolte:
Unter dem Banner dessen, was unredlich als Gay-Pride-Flagge bezeichnet wird, wird Hass, Faschismus und Intoleranz gepredigt, besonders gegen Christen und Konservative. Man tut so, als ob es ein Symbol für Gleichberechtigung ist, aber Linksradikale haben damit in einem Wutanfall die Rechte anderer beschnitten – durch Mobbing, Lügen und Onlineterrorismus.
Viele hundert Kommentare danken dem Autor dafür, sich endlich mal gegen diese "Unterdrückung" gewehrt zu haben. Solche verbalen Übergriffe – die übrigens nur von einer kleinen Minderheit der Amerikaner kommen – dürfte man aber noch öfter zu hören bekommen, sollte der Supreme Court die Ehe für Schwule und Lesben im ganzen Land öffnen. Hier wird in den nächsten Tagen eine Entscheidung erwartet. (dk)
Hier gibt es mehr Infos zur echten Geschichte der "Rainbow Flag".














