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Boris Palmer fordert Bürgerrechtsaktivisten auf, lockerer zu werden

Der grüne Tübinger OB ruft LGBT-Aktivisten auf, verbal abzurüsten: Man solle nicht sofort den "Vorwurf der Homophobie" auspacken, wenn jemand am Ehe-Verbot für Schwule und Lesben festhält.

Boris Palmer, seit 2007 grüner Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen, kritisiert in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom Donnerstag, dass manche Bürgerrechtsaktivisten ihre politischen Gegner verdammten, statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Der Gastbeitrag (Überschrift "Entspannt Euch!") tadelt auch ausdrücklich LGBT-Aktivisten: "Es hilft der Sache nicht, den Vorwurf der Homophobie sofort auszupacken, wenn man sich kritisch über das volle Adoptionsrecht für Schwule und Lesben äußert oder an der (weitgehend von der Wirklichkeit überholten) Vorstellung einer besonderen Vorrangstellung der Ehe festhält", so der 43-Jährige.


Ausschnitt aus dem Artikel in der FAZ (Seite 8)

Zwar hätten "emanzipatorische Strömungen" ihren Kampf zunächst "aus einer gesellschaftlichen Außenseiterposition geführt" und hätten sich daher "radikal zur Wehr" setzen müssen. Mittlerweile sei aber ein "Stadium breiter Akzeptanz" erreicht. Daher könnte man gelassener reagieren.

Er nennt allerdings keine Beispiele, welche Äußerungen von LGBT-Aktivisten er für überzogen hält. Allerdings erschien der Text des grünen Poltikers wenige Tage, nachdem die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) die "Diskussionskultur" in Deutschland ebenfalls kritisiert hatte (queer.de berichtete). LGBT-Aktivisten hatten zuvor ihren Rücktritt gefordert, nachdem sie gleichgeschlechtliche Ehe mit Polygamie und Inzest verglichen hatte (queer.de berichtete).

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"Aufgeklärter Diskurs" statt "jakobinischer Verdammnis"


Darf man Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer Homosexuellenfeindlichkeit unterstellen, wenn sie die gleichgeschlechtliche Ehe mit Polygamie und Inzest gleichsetzt? (Bild: Wiki Commons / J. Patrick Fischer / CC-BY-SA-3.0)

Als Anlass für seinen Text gab Palmer nicht Kramp-Karrenbauer, sondern die Entlassung des britischen Nobelpreisträgers Tim Hunt an, der bei einer Fachkonferenz über Frauen gesagt hatte: "Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in dich, und wenn du sie kritisierst, fangen sie an zu heulen." Sprüche wie dieser seien zweifellos sexistisch, so Palmer. Statt "jakobinischer Verdammnis" empfehle er aber eine verhältnismäßigere Reaktion: Er empfiehlt einen "aufgeklärten Diskurs" und Ringen um die "empanzipatorische Position".

Bürgerrechtsaktivisten müssten sich bewusst werden, dass sie in vielen Feldern bereits gewonnen hätten und der "jeweilige Widerpart längst auf dem Rückzug und am gesellschaftlichen Rand" angekommen sei. Mit einem entspannteren Umgang könne sich der "gesellschaftliche Konsens gegen jede Art von Diskriminierung weiter festigen".

Palmer hat bereits wiederholt an seine Partei appelliert, sich eher in Richtung der Mitte zu orientieren. 2011 sorgte er mit einem Thesenpapier für Aufregung, in dem er kritisierte, dass die Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnern im Adoptionsrecht vorerst keine Forderung sei, mit der sich die Wahlergebnisse der Grünen verbessern lassen würden (queer.de berichtete). Das führte zu scharfer Kritik, auch innerparteilich. Renate Künast, damals Bürgermeisterkandidatin in Berlin, versicherte rasch den eigenen Anhängern, dass die Ökopartei ihre "Kernpositionen und Werte" nicht aufgeben werde. (dk)

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#1 goddamn liberalAnonym
  • 25.06.2015, 11:30h
  • Früher waren deutsche Herrenmenschen nicht so empfindlich und hatten mit dem Homophobie-Vorwurf kein Problem.

    Was die Gegner der Gleichstellung auch immer sein mögen, ist doch völlig egal.

    Tatsache ist: Sie verweigern im Land des rosa Winkels betroffenen StaatsbürgerInnen den Rechtsstandard der westlich-demokratischen Welt.

    Das kann man ganz entspannt feststellen ....und weiterkämpfen.

    Boris Palmer

    Friedrichstraße 21, 72072 Tübingen

    ?07071 204-1300

    ?ob@tuebingen.de

    ?
    www.boris-palmer.de
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#2 Al BanoAnonym
  • 25.06.2015, 11:36h

  • Mit anderen Worten: "Nicht jeder, der nicht will das Farbige im Bus auch vorne sitzen dürfen, hat was gegen Farbige!"
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#3 AEMR 1948Anonym
  • 25.06.2015, 11:50h
  • Kritisieren ohne konkrete Beispiele bringt nichts Herr Palmer. Pauschalisierungen sind nicht hilfreich und dienen nur Menschen, die sich rechten Argumentationsmustern bedienen. Leider ist mir bisher keine Argumentation bekannt, die am Ehe-Verbot für Schwule und Lesben festhält und nicht homophob ist. Auch hier wäre es schön, wenn Herr Palmer ein Beispiel nennen würde, welches Argument seiner Meinung nach nicht homophob ist! Sich in der FAZ bei dem konservativen reaktionären Bürgertum anzubiedern, verbessert nicht unbedingt die Wahlergebnisse der Grünen.
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