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Homophobe Glaubensgemeinschaft
Zeugen Jehovas: Schwule sind Kinderschänder

Sektenführer Anthony Morris weiß, wo der Feind steht
- 7. Juli 2015, 12:19h 2 Min.
In einem Video macht ein Mitglied des Führungsgremiums der Zeugen Jehovas männliche Homosexualität für Kindesmissbrauch verantwortlich. Hintergrund für die Aussagen sind offenbar innerkirchliche Missbrauchsskandale.
Die Zeugen Jehovas haben in ihrem Video-on-Demand-Portal "JW Broadcasting" generell vor schwulen Männern als Täter beim Kindesmissbrauch gewarnt. In der neuesten englischsprachigen Sendung zitierte Anthony Morris, einer der sieben Mitglieder des obersten Führungsgremiums der christlichen Sekte, eine amerikanische "Erwachet!"-Ausgabe aus dem Jahr 1982; darin wird vor der "neuen Moral" gewarnt, die sich in den Sechzigerjahren entwickelt und Akzeptanz gegenüber Homosexuellen hervorgebracht habe.
Er betonte insbesondere die Gruppe der schwulen Männer als Haupttäter, damals wie heute: "[Ein Artikel] hat vor homosexuellen Männern gewarnt, die es auf Jungs für Sex abgesehen haben und für das Recht auf Missbrauch eintraten. Sie sollten sich schämen!" Dagegen hätten die Zeugen Jehovas laut Morris "ein innbrünstiges Verlangen danach, Kinder vor allen Formen des Missbrauchs zu schützen."
Zeugen Jehovas gebeutelt von Missbrauchsskandalen
Allerdings erscheint die homophobe Tirade wie eine Schutzbehauptung, denn bereits wiederholt wurde die amerikanische Glaubensgemeinschaft wegen innerkirchlichen Kindessmissbrauchs kritisiert. So verurteilte 2012 ein kalifornisches Gericht die kircheneigene "Watchtower Bible and Tract Society of New York" zur Zahlung von mehr als 20 Millionen US-Dollar, weil sie den Missbrauch eines neunjährigen Mädchens durch ein Kirchenmitglied geduldet hatte. Im Dezember letzten Jahres sorgten zudem zwei Gerichtsverfahren in England für Aufsehen, in denen Zeugen Jehovas zu Haftstrafen wegen des sexuellen Missbrauchs junger Mädchen verurteilt worden sind.
Die These vom schwulen Triebtäter wurde außerdem von Wissenschaftlern und Organisationen wie dem amerikanischem Psychologenverband längst widerlegt. "Homosexuelle Männer missbrauchen nicht eher Kinder als Heterosexuelle", erklärte zum Beispiel bereits vor Jahren Professor Gregory Herek von der University of California.
Die Zeugen Jehovas akzeptieren in ihren Reihen keine sexuell aktiven Schwulen und Lesben. In der Vergangenheit wurden mehrfach Menschen wegen ihrer Homosexualität aus der Kirche ausgeschlossen – beispielsweise die schwulen Zwillingsbrüder Jacob und Joshua Miller, nachdem sie im schwulen Fernsehsender Logo aufgetreten sind (queer.de berichtete).
Morris hatte bereits vor einem guten halben Jahr mit einer homophoben Tirade für Aufmerksamkeit gesorgt: So warnte er vor schwulen Modedesignern, die heterosexuellen Männern zu enge Hosen aufschwätzen würden (queer.de berichtete).
In Deutschland soll es nach Angaben der Sekte über 160.000 Zeugen Jehovas geben. Weltweit sind es über acht Millionen. (dk)















Lieber dk, ich halte es für überholt, einerseits von "katholischer Kirche" und anderersseits von Zeugen Jehovas als "Sekte" zu schreiben. Der einen Organisation Kirchenstaus zu gewähren und die andere zu brandmarken halte ich für falsch: Beides sind gleichermaßen religiös vernagelte Organisationen, die z. B. unschuldige Kinder einer Gehirnwäsche unterziehen und Erwachsene mit teils exitenzberohenden Konsequenzen verfolgen, wenn sie versuchen, aus der jeweiligen Religionsgemeinschaft (!) auszutreten.