Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?24172

Steffen Königer, ein ehemaliger "Mister Brandenburg" forderte ein Referendum über die Ehe-Öffnung (Bild: Screenshot rbb)

Im Brandenburger Landtag fiel die "Alternative für Deutschland" erneut durch homophob-absurden Populismus auf. Den verbliebenen "Homosexuellen in der AfD" gefiel das.

Von Norbert Blech

"Die AfD ist weder programmatisch noch hinsichtlich ihrer Mitglieder schwulenfeindlich, lesbenfeindlich, ausländerfeindlich, islamfeindlich, europafeindlich" – so leitete der AfD-Abgeordnete Steffen Königer am Donnerstag im Brandenburger Landtag eine Rede ein, die man durchaus so auffassen könnte.

Anlass war eine Aktuelle Stunde zur Debatte um die Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare. Königer, Fliesenleger und ehemaliger "Mister Brandenburg" sowie Ex-Redakteur der "Jungen Freiheit", fragte, ob es angesichts von Krisen wie in Griechenland "nichts wichtigeres" zu debattieren gebe.

Dann sprach er Schwulen und Lesben die alltägliche wie rechtliche Diskriminierung ab – durch einen absurden Vergleich: "Wer wird sich denn in Zukunft noch so diskriminiert fühlen? Vielleicht jemand, der glaubhaft versichert, dass er nun alle seiner vier Frauen ehelichen möchte? Oder vielleicht seinen Fußballverein? Seinen heiß geliebten Gartenzwerg?"

- Werbung -

Warnung vor "überzogener Symbolpolitik"

Später spielte Königer Minderheit gegen Minderheit aus, als er in Bezug auf "plakative Symbolpolitik" in Form von Homo-Ampelmännchen fragte: "Wem nützt das wirklich? Nützt das wirklich denjenigen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in den meisten Teilen der islamischen Welt, um nicht Russland mit einzuschließen, leiden?" Die "überzogene Symbolpolitik" sei eine "Kompensationsfehlleistung", weil man sich an die Diskriminierung in anderen Ländern nicht herantraue.

Zur Ablehnung der Ehe für alle sagte Königer, es gehe "um den Nachwuchs unserer Kinder als wichtigsten Aktivposten für die Zukunft". Das Grundgesetz schütze die Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Dann ging der Abgeordnete auf den Mehrwertssteuersatz von "Windel- und Kinderprodukten" ein, um auch zu fragen, warum ein kinderloses Ehepaar oder eine Eingetragene Lebenspartnerschaft steuerlich besser darstehe als eine Alleinerziehende mit zwei Kindern.

Die Partei hatte einen Ergänzungsantrag vorgelegt, in dem sie sich gegen die Ehe-Öffnung und zugleich für eine Volksabstimmung zu der Frage stark machte. Angesichts der Meinungsumfragen hätten die Ehe-Befürworter doch nichts zu befürchten, so Königer, obwohl: "Beim ZDF kam das ja schon mal vor, dass öfter mal ein wenig rumgedoktert wurde an solchen Umfragen."

Lob von AfD-Homos

Die verbliebenen "Homosexuellen in der AfD" applaudierten der Rede: Auf ihrer Facebook-Seite teilten sie ein Video davon und kommentierten: "Eine gute Rede. Danke nach Brandenburg!" Bundessprecher Mirko Welsch war nach der Niederlage von Bernd Lucke beim Parteitag am Wochenende ausdrücklich in der Partei geblieben, anders als sein Stellvertreter Torsten Ilg (queer.de berichtete).

Wie schon mehrfach wurden die Homosexuellen in der AfD auch von Königer instrumentalisiert: Diese machten "nicht so ein Aufhebens um ihre sexuelle Orientierung und tragen sie nicht wie eine Monstranz vor sich her", meinte der Abgeordnete im Landtag. "Herr Tassis", Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft, sei gar "ein schwuler Ausländer" in der Partei – er ist übrigens der letzte Abgeordnete der Partei nach dem Austritt der drei übrigen Abgeordneten und hatte sich auf dem Parteitag selbst gegen die Ehe für alle ausgesprochen. Diese Haltung habe man mit Beatrix von Storch entwickelt, meinte Tassis dazu.

Jene AfD-Europaabgeordnete und Organisatorin der "Demos für alle" wurde von Königer als quasi homofreundliche Politikerin gelobt. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er zu seiner eigenen Auffassung: "Ich halte es mit dem Alten Fritz: Soll jeder nach seiner Façon selig werden. Nur die Ehe bleibt für mich etwas zwischen Mann und Frau!"

"Lindenstraße" ist Erfolg genug

Es war nicht das erste Mal, dass die AfD im Brandenburger Landtag zu Homo-Fragen recht eigenwillige Meinungen vertrat: Im März lehnte sie einen LGBT-Sitz im ZDF-Fernsehrat ab. Der Abgeordnete Andreas Kalbitz meinte dazu, die Minderheit hätte bereits jetzt zuviel mediale Öffentlichkeit und mit Rollen in der "Lindenstraße" sei es "aus unserer Sicht auch schon gut" (queer.de berichtete).

Grund für die neuerliche Debatte war ein Antrag der Linken (PDF) für eine Debatte zur Ehe für alle. Darin betonte u.a. die CDU-Abgeordnete Kristy Augustin, für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu sein – das sei "quasi gelebtes CDU-Programm". In ihrer Partei werde aber noch diskutiert, und das müsse man mit Fingerspitzengefühl und Respekt für die Gegner einer Ehe-Öffnung machen.

-w-

-w-

-w-

#1 12354rztrdAnonym
  • 10.07.2015, 14:35h
  • Solange wir nicht eine Massendemo für die Eheöffnung auf die Beine stellen, wird es auch keine Eheöffnung geben.

    Es ist zwar blöd sich ständig wiederholen zu müssen, aber eure Kommentare im Internet, in denen ihr euch wütend über die Diskriminierung äußert, haben unter dem Strich kaum etwas gebracht. Ihr müsst auf die Straße gehen, wenn ihr in naher Zukunft gleiche Rechte haben wollt.
  • Direktlink »
#2 mezzoAnonym
  • 10.07.2015, 14:38h
  • Das schlimme ist ja was sich seine Enkelkinder mal denken werden, wenn sie hören, dass ihr geliebter Großvater mal so einen Schwachsinn verzapft hat.
  • Direktlink »
#3 maaartinAnonym
  • 10.07.2015, 14:39h
  • jaja, die afd, die cds/csu und so ein paar andere können mit diesem ganzen menschrechtsscheiß, dem grundgesetz der bundesrepublik und den grundsätzen der aufklärung einfach nichts anfangen.

    da gibt es wichtigers... eine wahl gewinnen oder aufmerksamkeit erregen. die haben ihre prioritäten halt anders gesetzt
  • Direktlink »