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"Meinungsterror"
Norbert Geis warnt vor "kampfbereiten Homosexuellen"

Norbert Geis, als er noch im Namen der Union im Bundestag gegen LGBT-Rechte poltern konnte. Vor der letzten Bundestagswahl verlor er eine interne Stichwahl um die Direktkandidatur.
- 13. Juli 2015, 15:36h 3 Min.
Der CSU-Rechtsaußen ärgerte sich über einen Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung über "religiöse Rechte und ihre unheiligen Allianzen".
Von Norbert Blech
Der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis hat in einem Offenen Brief an die Konrad-Adenauer-Stiftung einen regelrechten Wutanfall über die rechtliche Anerkennung homosexueller Paare in Worte gefasst.
"Es ist niemand mehr frei, die homosexuelle Lebensweise offen zu kritisieren, ohne dafür nicht als rechtsradikal abgestempelt zu werden", beklagte der 76-Jährige, der von 1987 bis 2013 als direkt gewählter Vertreter des Wahlkreises Aschaffenburg im Bundestag saß und dort als einer der größten Gegner von LGBT-Rechten galt.
"Die Propagierung der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften als gleichwertiges Institut neben der Ehe" sei ein "weiterer Wahn, der alles niederwalzt, was sich ihm entgegenstellt". Wer eine andere Position vertrete, gerate "auf die Abschusslinie".
Adenauer-Stiftung gegen "antiliberale" Bewegungen
Mit dem Brief reagierte Geis auf eine Veröffentlichung der Konrad-Adenauer-Stiftung unter dem Titel "Religiöse Rechte und ihre unheiligen Allianzen". Der Text von Dr. Andreas Püttman und Dr. Liane Bednarz (Zusammenfassung) analysiert, wie sich im Kampf gegen LGBT-Rechte und einen vermeintlichen "Genderismus" Religiöse, Rechtspopulisten und "russische Werteverteidiger" verbünden – eine Analyse, die weiteren Studien der Parteistiftungen von SPD und Linken ähnelt.
Aber auch die Konrad-Adenauer-Stiftung beklagt, wie eine "Anhängerschaft antiliberaler Gesellschaftsmodelle" eine angebliche "Homosexualisierung" westlicher Gesellschaften zu einem Kernthema macht, erwähnt dabei auch die AfD-nahe "Initiative Familienschutz" ("Demo für alle") und verbündete Organisationen, ohne allerdings auf die Schnittmenge ins Unionslager einzugehen: Die "Familienschutz"-Aktivistin Hedwig von Beverfoerde ist etwa CDU-Mitglied.
Die Analyse beklagt, wie mit dem Gerede über eine "Meinungsdiktatur" eine "Verähnlichung von Demokratie und Diktatur betrieben" werde. Dabei setze die "Religiöse Rechte" selbst Shitstorms mit heftigen Aussagen ein und lasse wenig "demokratisches Rechtsstaatsdenken" erkennen. Staat und Kirche stünden daher vor einer "notwendigen Anstrengung zur politisch-ethischen Bildung".
Geis beklagt "schmutzige Angriffe"
In seiner Antwort beklagte Geis den Versuch, "was als Rechtskatholizismus gebrandmarkt wird" als Gefahr für die Gesellschaft darzustellen. Dabei sehe er im "Meinungsterror" die eigentliche Gefahr für die Freiheit.
Als er sich 2001 als rechtspolitischer Sprecher der Unionsfraktion mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz auseinandergesetzt habe, "war ich einem solchen Wall an Aggressivität ausgesetzt, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte", berichtet Geis. Er habe gar überlegt, seine Familie "diesen schmutzigen Angriffen nicht länger auszusetzen. Immerhin haben mir diese kampfbereiten Homosexuellen Morddrohungen ins Haus geschickt."
Minderheiten versuchten, "andere, die nicht ihre Meinung vertreten, regelrecht zu terrorisieren", so Geis. Dabei hätten sie fast "die gesamte veröffentlichte Meinung auf ihrer Seite". Selbst Bischöfe würden es "kaum noch wagen, sich diesem Meinungsterror zu widersetzen".
Von denen, die im Stiftungsbericht als "'Rechtskatholiken' verurteilt werden, geht keine Gefahr für unsere Gesellschaft, unsere Kultur oder gar für die katholische Kirche aus", meint Geis. Die Analyse der Stiftung entspreche "mit Sicherheit nicht dem Geist Konrad Adenauers".
Geis' Offener Brief wurde von zahlreichen Seiten geteilt, die nicht nur die Stiftung der Religiösen Rechten zuordnen würde.










