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Unter dem Titel "Diktatur der Verwirrung" wurde in "Familienbunt" gegen Schwule und Lesben gehetzt

  • 21. Juli 2015, 11:24h 19 3 Min.

In Bayern protestiert die SPD gegen die Unterstützung einer homophoben Magazins durch die Seehofer-Regierung.

Eine mit Steuergeldern finanzierte homophobe Beilage zur Tageszeitung "Augsburger Allgemeine" hat nach Empörung im Netz am Wochenende inzwischen auch für Kritik vor Ort gesorgt. Der Augsburger Landtagsabgeordnete Linus Förster (SPD) erklärte, dass empörte Bürger den ganzen Montag über im Abgeordnetenbüro angerufen hätten. Der Politiker zeigte sich entsetzt über die "fundamentalistischen Positionierungen" in dem Magazin.

Die Beilage des Familienbundes der Katholiken im Bistum Augsburg, die am Montag auch der "Allgäuer Zeitung" beilag, war vom bayerischen Familienministerium unterstützt worden und enthielt einen Beitrag des französischen Philosophen Betrand Vergely, in dem gegen die Gleichbehandlung von Homo-Paaren polemisiert wurde und es unter anderem hieß, dass Homosexualität nicht "dem Wesen des Menschen" entspreche (queer.de berichtete). Vergely gehört in Frankreich der homophoben Bewegung "La manif pour tous" an.

"Der Familienbund der Katholiken hat in dieser Beilage ein regelrechtes Manifest gegen die sogenannte Homo-Ehe formuliert" erklärte dazu der SPD-Politiker Förster. Wenn das wirklich die Meinung des Familienbunds sei, "so muss ich dies im Sinne der Meinungsvielfalt akzeptieren, aber was mich wirklich entsetzen würde, wenn eine solche Positionierung vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Familie, Soziales und Integration gefördert wurde."

Er hat daher eine schriftliche Anfrage an die Seehofer-Regierung gestellt, in der er unter anderem wissen will, ob die redaktionellen Inhalte vorher bekannt waren und welche Intention die Staatsregierung mit der Förderung verfolgte. Zudem möchte Förster erfahren, ob Bayern auch auch Publikationen von Schwulen- und Lesbengruppen für eine Gegenpositionierung entsprechend fördert. Die Fragen werden noch am Mittwoch im Landtag debattiert, bevor sich die Abgeordneten in die Sommerpause verabschieden.

MdB Brunner: "Üble Hetze"


Karl-Heinz Brunner kritisiert die Unterstützung der homophoben Beilage durch die bayerischen Steuerzahler scharf (Bild: Deutscher Bundestag/Achim Melde)

Kritik kommt auch vom bayerischen Bundestags­abgeordneten Karl-Heinz Brunner, dem Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion zum Thema Gleichstellung der Eingetragenen Lebenspartnerschaften: "Ich finde es schlimm, dass der Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg diese Thesen abgedruckt und verbreitet hat", so Brunner. "Noch schlimmer aber ist es, dass sowohl das Bistum als auch das Staatsministerium von Frau Müller diese üble Hetze zulässt, ja sogar fördert! Damit werden beide ihrer Verantwortung für die Menschen nicht gerecht." Er erklärte, der Artikel von Vergely sei "homophob" und habe mit "Wahrheit, Realität oder gar Wissenschaft" nichts zu tun.

Heftige Kritik kam auch aus der Szene: So bezeichneten die Augsburger CSD-Organisatoren die homophobe Publikation als beschämend. Das Queer-Referat der Universität Augsburg sieht den Text sogar an der "Grenze zur Volks­verhetzung".

Bereits frühere Publikationen des Familienbunds hatten homophobe oder erzkonservative Inhalte. Ein Magazin, das nur an Mitglieder verschickt und auf der Webseite des Bistums verbreitet wurde, warb etwa im Juli für eine Demo gegen Abtreibung in Berlin. Auch dieses Ausgabe hatte eine Förderung erhalten. (dk)

-w-

#1 PatroklosEhemaliges Profil
#2 ursusEhemaliges Profil
  • 21.07.2015, 14:05h
  • zunächst mal ist es erfreulich, dass es inzwischen auch in den parlamenten eine wachsende aufmerksamkeit für homophobe umtriebe gibt. das ist ein schöner erfolg unserer bewegung.

    aber diese veröffentlichung ist nicht, wie förster verharmlost, nur ein "manifest gegen die homo-ehe [sic]". es ist ein manifest für ein sexistisches weltbild, in dem nicht nur schwule und lesben, sondern auch alle frauen abgewertet werden, und ein manifest gegen die menschenwürde.

    ich würde mir wünschen, dass wir wo immer es geht noch deutlicher machen, dass es bei unseren politischen forderungen nicht nur um die konkreten rechte von einer minderheit in der minderheit (ehewillige homos) geht, sondern um fundamentale gerechtigkeitsfragen, die unsere ganze gesellschaft betreffen.

    viele haben das inzwischen verstanden. bei förster bin ich mir da nicht ganz sicher.
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#3 FelixAnonym
  • 21.07.2015, 14:16h

  • Da versucht jetzt wieder mal die SPD sich zu profilieren, aber echte Konsequenzen wird das nicht haben...

    Was wir brauchen, sind gesetzliche Regelungen gegen Hassrede, die dann auch empfindliche Strafen nach sich ziehen. Nur so kann man diese religiösen Fanatiker stoppen.

    In anderen Staaten ist sowas selbstverständlich, während Deutschland sich immer noch als Gottesstaat gibt...
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