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Noch immer gehört Cruising für viele Männer, die Sex mit Männern haben, dazu (Bild: flickr / Acid Pix / by 2.0)

  • 21. Juli 2015, 12:59h 166 3 Min.

Mit den Worten "Bist du schwul?" sollen Freiburger Beamte nachts in einer beliebten Cruising-Gegend gegen Männer auf Sex-Suche vorgegangen sein.

Während des CSD-Wochenendes in Freiburg sind laut einem Bericht der "Badischen Zeitung" Polizisten gezielt gegen Cruiser vorgegangen. Am Opfinger Baggersee, einem beliebten Cruising-Ort, sollen Beamte demnach am Sonntagabend nach 22 Uhr Männer mit den Worten "Bist du schwul?" angesprochen und kontrolliert haben.

"Ich bin mir vorgekommen, als wäre ich kriminell", gab ein Cruiser Anfang 50 an. "Ich hatte Angst, dass gleich ein Wagen kommt, um mich abzuholen." Die Beamten hätten dabei auch mit Taschenlampen in Gebüschen nach Männern gesucht.

Die Polizei dementierte allerdings, dass sie gezielt gegen Homosexuelle vorgegangen sei. Man habe zwar verstärkt kontrolliert und darauf geachtet, dass die "Nutzungsbeschränkungen am Baggersee" eingehalten werden, so eine Polizeisprecherin. Es sei aber auch darum gegangen, Technopartys zu verhindern und die Waldbrandgefahr zu senken. Auf Cruising-Portalen wird aber seit längeren davor gewarnt, dass abends an dem Baggersee "regelmäßige Polizeikontrollen" stattfinden würden.

Cruising für viele Männer "oft der einzige Rückzugsort"

Kritik am Vorgehen der Polizei kommt von Stefan Zimmermann vom Präventionsprojekt Gentle Man der Aids-Hilfe Freiburg. "Für Männer, die ein Doppelleben führen müssen oder wollen, ist Cruising oft der einzige Rückzugsort, an dem sie ihre Sexualität ausleben können," so Zimmermann. Er sehe kein Problem beim Cruising, wenn dadurch niemand belästigt werde.

Gegenüber queer.de kritisierte Zimmermann, dass der Kontakt zwischen Szene und Freiburger Polizei zuletzt abgenommen habe. Gegenwärtig sei er "eher verhalten bis wenig vorhanden". Noch schwieriger sei es im ländlichen Umland, wo es schlichtweg "wenig Bereitschaft zu Kontakt" gebe. Der Dialog sei aber wichtig, weil das Vorgehen der Polizisten gegen Cruiser oft auf Unwissenheit beruhe. Die Beamten würden schlichtweg nie darüber nachdenken, "wieso das so ist, dass die Schwulen dort sind".

Die Bedeutung von Klappensex oder Cruising hat zwar in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen, weil es für Männer, die Sex mit Männern haben wollen, mehr und mehr Möglichkeiten der Kontaktaufnahme gibt. Für viele Schwule ist Cruising dennoch Teil ihres Lebens – sei es, weil sie Frau und Kinder zu Hause haben und ihre Lüste geheim halten wollen oder weil sich einige die 20 Euro für einen Saunabesuch nicht leisten können. Ältere Cruiser fühlen sich durch die Polizeischikanen auch an die Zeiten des Paragrafen 175 erinnert, als Schwule noch offensiv von staatlichen Stellen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden.

Es gibt immer wieder Beschwerden über das Vorgehen der Polizei, teilweise auch von Zivilbeamten, gegen Cruising. Allerdings droht den beteiligten Männern auch andere Gefahren: So wurden 2010 zwei Männer in Cruising-Gebieten in Baden-Württemberg und Hessen ermordet. Der Täter, ein Frührentner aus Esslingen bei Stuttgart, wurde später zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt; sein Motiv blieb unklar (queer.de berichtete). (dk)

#1 SebiAnonym
  • 21.07.2015, 15:04h

  • Warum verabreden sich die Cruser nicht übers Internet bei jemandem Zuhause.
    Jetzt kommt mir nicht mit Sicherheit, cruisen ist auch nicht sicherer als ONS oder Sexparties zuhause.
  • Direktlink »
#2 nicoAnonym
#3 GreogriusAnonym