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Video-Experiment
Ukraine: Neues Video zeigt homophobe Gewalt auf der Straße

Nachdem das schwule Paar zunächst ungestört durch Kiew gehen konnte, wurde es von einem nationalistischen Mob angegriffen
- 23. Juli 2015, 05:05h 3 Min.
Nach Moskauer Vorbild liefen zwei Männer händchenhaltend durch Kiew und ließen die Reaktionen filmen – bis sie brutal angegriffen wurden.
Von Norbert Blech
Es ist mittlerweile fast zwei Wochen alt und sorgt noch immer für Empörung und Medienberichte auf der ganzen Welt: Zwei jugendliche Mitarbeiter des russischen Youtube-Kanals "ChebuRussia TV" liefen händchenhaltend durch die Moskauer Innenstadt und ließen per versteckter Kamera die Reaktionen filmen.
Sie dokumentierten eine offen homophobe Stimmung in der Bevölkerung, die laut Umfragen zugenommen hat: An mehreren Ecken wurde das Paar angepöbelt und beleidigt sowie zweimal körperlich angegriffen. Ein russischer LGBT-Aktivist, der in Deutschland lebt, meinte dazu, vor zwei Jahren sei es noch möglich gewesen, als schwules Paar ungestört durch Moskau zu gehen (queer.de berichtete).
Spontaner, koordinierter Angriff
Nun hat "Bird In Flight", ein Online-Projekt für visuelle Kunst auf Deutsch und Russisch, das Experiment in der ukrainischen Hauptstadt Kiew wiederholen lassen, sogar mit einem tatsächlichen schwulen Paar: Timur und Zoryan.
Das Ergebnis war zunächst positiv: Man habe fast keine aggressive Reaktion bemerkt, berichtet Zoryan, der hauptberuflich für die Organisation "Freedom House" arbeitet. Eine Passantin habe sich sogar über die Offenheit des Paares gefreut, mit ihnen über ihre Lage gesprochen. Das habe sie beeindruckt, meint Zoryan: In den vier Jahren, die man zusammen sei, wäre man noch nie händchenhaltend durch die Straßen gelaufen. "Wir haben nie das Bedürfnis verspürt."
Das Paar beschloss, die Situation zu "verschärfen": Es nahm auf einer Bank Platz, einer der Männer setzte sich halb auf den anderen und legte ein Bein über ihn. "Wir waren auf alles vorbereitet", so Zoryan, "vor allem, nachdem wir beim 'Marsch für Gleichberechtigung' waren". Der CSD Anfang Juni war von Ausschreitungen durch Nationalisten begleitet worden (queer.de berichtete). Was folgte, sollte in der Tat daran erinnern.
Das Paar wurde schnell von einigen Jugendlichen entdeckt, teils in nationalistischer Kleidung und mit kahlgeschorenen Köpfen. Dann ging alles ganz schnell: Einer der Jugendlichen begann ein Gespräch und fragte, ob die Männer Patrioten seien, offenbar um bei vorbeilaufenden Polizisten keinen Verdacht zu erwecken. Dann sprühte einer der Jugendlichen Pfefferspray in die Gesichter der Männer; die in Folge wehrlosen Männer wurden von mehreren Jugendlichen geschlagen und getreten. Die Szene wirkt wie ein koordinierter, antrainierter Angriff. Ein schnelles Eingreifen des Projektteams konnte Schlimmeres verhindern.
Radikale ungestörte Minderheit
In einer Besprechung beider Videos schreibt ein ukrainisches LGBT-Portal, die Videos zeigten den Unterschied in beiden Bevölkerungen: In Russland gebe es weit mehr Intoleranz, während sich die Mehrheit in der Ukraine neutral verhalte. "Aber es gibt eine radikale Minderheit, die Patriotismus als eine Entschuldigung für Gewalt verwendet. Und das ist beängstigend."
Die Ereignisse auf dem Maidan und "die russische Aggression in der Ost-Ukraine" hätten einen Teil der Gesellschaft "spürbar radikalisiert", so der Kommentar weiter. Die Instabilität der Situation, Unzufriedenheit mit der Innen- und Außenpolitik und allgegenwärtige Berichte über Morde hätten zu der Einschätzung geführt, dass Gewalt akzeptabel sein könnte.
In letzter Zeit hatte es in der Ukraine mehrere Angriffe auf Szeneeinrichtungen gegeben, größtenteils durch mutmaßliche Nationalisten. Erst in der Nacht zum Montag war in Odessa eine Handgranate in den Eingangsbereich eines Homo-Clubs geworfen worden (queer.de berichtete). In den Jahren vor dem Umsturz hatte Russland zugleich die Homophobie im Lande geschürt (queer.de berichtete).
Der im Video angegriffene Timur meint, die Behörden müssten viel deutlicher gegen die Nationalisten vorgehen, sie bereits unter Druck setzen, bevor sie Gewalt begehen. "Ansonsten senden sie das Signal, dass Gewalt ohne Konsequenzen bleibt." Zoryan sagt, diese Aufgabe wäre zu bewältigen: "Diese Leute sind weniger in der Gesellschaft vertreten als wir Schwulen und Lesben, vielleicht drei bis fünf Prozent." Der Rest der Bevölkerung würde nie Gewalt anwenden und wissen, dass LGBT nur "frei von Diskriminierung und Gewalt" leben wollten.















und das in einem land, in dem regierungsvertreter in öffentlichen interviews zugeben, dass in ihrer armee freiwillge (private) nazis (kampfverbände) an den kämpfen innerhalb des landes teilnehmen.
was will Timur in so einer gesellschaft einfordern???
Ist eh schon mutig genug, dass er videos macht und öffentlich auf die homophobie aufmerksam macht. RESPEKT.