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Mitten in der Pride-Woche
Stockholm: Rechtspopulisten planen eigenen CSD

Eine harmlos klingende CSD-Ankündigung auf Facebook mit klaren Hintergedanken
- 26. Juli 2015, 15:05h 3 Min.
Der "Pride Järva" soll am Mittwoch durch zwei Viertel mit einem hohen Anteil von muslimischen Einwanderen ziehen.
Von Norbert Blech
Wenige Tage vor dem großen Stockholm Pride am nächsten Samstag planen Rechtspopulisten um die "Schwedendemokraten" eine eigene Demonstration, die von vielen LGBT-Aktivisten als rassistische Provokation kritisiert wird.
Der "Pride Järva" soll am Mittwoch ab 12 Uhr durch die Stadtteile Tensta und Husby ziehen – beides Viertel mit einem hohen Anteil an muslimischen Einwanderern. Hurby machte vor zwei Jahren Schlagzeilen als Epizentrum von Massenunruhen.
Die Veranstaltungsankündigung bei Facebook kommt harmlos daher: Von Gesang und der Möglichkeit zu einem Kiss-in ist die Rede. Angemeldet hat die Demonstration allerdings Jan Sjunnesson, der frühere Chefredakteur von "Samtiden", der Zeitung der "Schwedendemokraten".
Gegendemonstration geplant

Sjunnesson, hier im schwedischen Fernsehen SVT, hat bereits die Medienaufmerksamkeit bekommen, die er wollte
Die größte LGBT-Organisation des Landes, RFSL, kritisierte den Versuch, "zwei unterdrückte Gruppen – LGBT und Einwanderer – gegeneinander auszuspielen". Sjunnesson, der inzwischen für das rechtspopulistische Portal Avpixlat schreibt, wolle nicht für LGBT-Rechte kämpfen, meinte die RFSL-Vorsitzende Ulrika Westerlund, sondern habe eine andere Intention: Er wolle rassistische Fragen in die Debatte einbringen.
In einer gemeinsamen Erklärung von RFSL und dem Stockholm Pride heißt es, Sjunnesson sei bekannt als Person, die Hass auf Muslime verbreite. Die Pride-Bewegung richte sich gegen Unterdrückung und schütze ihre schwächsten Mitglieder – für "rassistische Kräfte" sei kein Platz.
Mehrere LGBT-Aktivisten aus den betroffenen Stadtteilen haben inzwischen eine Gegenveranstaltung, ein antirassistisches Picknick, angekündigt, mit erheblich mehr Zusagen auf Facebook als der "Pride Järva", der auf knapp 250 Interessierte kommt.
Man wolle den Rechtspopulisten nicht das Feld überlassen, sagte Organisatorin Noah Nord der Zeitung "Metro". Die "Schwedendemokraten", die gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und gegen ein Adoptionsrecht für Homo-Paare sind, wollten von der eigentlichen LGBT-Agenda ablenken, um Hass auf Einwanderer zu schüren.
Hetzblogs feiern den "Pride Järva"
Sjunnesson selbst gab sich in Medien wortkarg, sprach davon, dass man einen CSD einfach nicht nur in Stadtzentren, sondern überall abhalten sollte. Dass dieser Pride in Wirklichkeit zur Stimmungsmache gegen Muslime genutzt werden soll, bewiesen zugleich rechte und "islamkritische" Medien weltweit, die sich auf die Veranstaltungsankündigung stürzten und Muslimen eine generelle Homophobie bis zur Gewaltbereitschaft unterstellten.
So berichtete auch das deutsche Online-Magazin "Politically Incorrect" über den geplanten Pride und warnte vor Gewalt, der "Homos" durch eine "schleichende Islamisierung" drohe. Dass es dabei nicht wirklich um LGBT-Rechte geht, zeigt der gehässige Ton des PI-Artikels, der auch beklagt, dass Homosexuelle "Sexualität bis hin zur öffentlichen Zurschaustellung genüsslich zelebrieren, unsere Kinder frühsexualisieren wollen und als Minderheit (wie die Moslems auch) einer Mehrheit ihren Lebensstil aufzwingen wollen". Er ist einsortiert in die Kategorien "Islamisierung Europas" sowie "Werteverfall".















Woher kommt dieser Hass? Er fällt doch nicht vom Himmel!