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Umringt von Journalisten versuchte Rechtspopulist Jan Sjunnesson, seine wenigen Anhänger anzuheizen

  • 29. Juli 2015, 14:43h 53 3 Min.

Nur 20 Menschen wollten beim "Pride Järva" durch zwei Viertel mit einem hohen Anteil an muslimischen Einwanderern mitmarschieren.

Beim vom Rechtspopulisten Jan Sjunnesson organisierten "Pride Järva" am Mittwoch in Stockholm haben nach Angaben der Zeitung "Metro" nur 20 Personen teilgenommen. Der CSD startete um 12 Uhr bei Nieselregen und führte nach einer Zugfahrt aus dem Zentrum durch die Stockholmer Stadtteile Tensta und Husby, in denen viele Muslime wohnen und die als Problembezirke gelten.

Die Teilnehmer skandierten während der Demonstration auf Englisch "We're here, we're queer, get used to it.". Es gab keinerlei Ausschreitungen. Der Sender SVT berichtete, einige Bewohner des Viertels hätten zuerst den Umzug, der auch Partymusik und einige Regenbogenflaggen bot, begrüßt, bis sie über den Hintergrund der Organisatoren aufgeklärt wurden.

Zugleich protestierten mehrere Menschen gegen den Umzug, den sie als "rassistisch" bezeichneten; etwas entfernt fand als offizieller Gegenprotest auch ein anti-rassistisches Picknick mit hundert Teilnehmern statt. Linke Gruppen und LGBT-Organisationen hatten zuvor den CSD mit Verbindungen zu den "Schwedendemokraten" scharf kritisiert (queer.de berichtete).

So sagte die bedeutendste LGBT-Organisation RFSL, der "Pride Järva" sei ein Versuch, "zwei unterdrückte Gruppen – LGBT und Einwanderer – gegeneinander auszuspielen". Auch der Stockholmer CSD, der am Samstag seine große Parade abhält, hatte sich von der Veranstaltung distanziert. Kritiker verwiesen darauf, dass die "Schwedendemokraten" selbst viele LGBT-Rechte ablehnen.

Unterstützung durch Richard Dawkins

Der Rechtsaußen-CSD hat aber sogar vereinzelt prominente Unterstützer gefunden. So wies der britische Biologe Richard Dawkins, der mit Bestsellern wie "Der Gotteswahn" und "Die Schöpfungslüge" als bekanntester Vertreter des Neuen Atheismus gilt, auf Twitter den Vorwurf des Rassismus bei diesem CSD zurück – dieser würde nur von der "erbärmlichen Linken" verbreitet.

In der Zeitung "Aftonbladet" verteidigte Sjunnesson am Mittwoch seinen CSD und griff das "LGBT-Establishment" an, weil "es in den Vororten nichts tut". Die Mainstream-Aktivisten seien nun neidisch auf ihn, weil er zuerst die Idee eines Pride in den Problembezirken gehabt hätte. Er kündigte an, im nächsten Jahr wieder einen CSD durch muslimische Viertel veranstalten zu wollen. Sjunnesson ist der ehemalige Chefredakteur von "Samtiden", der Zeitung der "Schwedendemokraten". Er arbeitet jetzt für das rechtspopulistische Portal Avpixlat.

Dass es hier weniger um LGBT-Rechte als um die generelle Verteufelung von Muslimen ging, machten nicht nur weltweite Berichte auf "islamkritischen" Blogs im Vorfeld deutlich, sondern auch ein Nachbericht eines rechten Blogs aus Dänemark: Das hatte für ein Video offenbar gezielt Reaktionen von Einwohnern der Stadtteile gesucht und letztlich tatsächlich eine Person gefunden, die aus gut 100 Metern Entfernung zum CSD meinte: "Wir sind Muslime, was wollt ihr hier?", verbunden mit einem Ruf "Allahu akbar". Der Rest des Eintrages beschäftigt sich mit der Migrationspolitik, ein Video vom eigentlichen Pride suchte man dort vergebens. (dk)

Youtube | Ein kurzer Eindruck vom kurzen Marsch
-w-

#1 lucdf
  • 29.07.2015, 17:00hköln
  • Ich habe eine tiefste Aversion gegen Rechtsradikale. Das ändert nichts an meiner tiefsten Aversion gegen muslimische, christliche, jüdische, atheistische Homophoben. Ob diese Aktion dazu beitragen wird, die homophoben Muslime zu überzeugen, dass Homosexualität nichts Verwerfliches ist, bezweifle ich. Die Situation scheint ziemlich hoffnungslos zu sein, wenn man nicht dazu neigt, alles zu verdrängen und so tun als ob man sich in unserer Gesellschaft immer besser verwirklichen könnte. Roll back könnte viele von uns böse überraschen.
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#2 wuermchenEhemaliges Profil
  • 29.07.2015, 17:35h
  • Antwort auf #1 von lucdf
  • Naja, du kannst ja dennoch nicht den Kopf in den Sand stecken. Abschreckendes Beispiel ist beispielsweise die Mohamed Karrikaturen, wo sich die komplette westliche Welt von Verbrechern vorführen lassen hat und die eigenen Überzeugungen nicht verteidigt und damit über Bord geworfen hat. Die Gleiche Kapitulation darf bei Homophobie nicht geben, sonst erleben wir alle wirklich noch unser blaues Wunder.
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#3 PatroklosEhemaliges Profil
  • 29.07.2015, 18:07h
  • Man sieht es schon an der Teilnehmerzahl: der CSD der Rechtspopulisten hat gefloppt und den braucht auch niemand!
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