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Artikel im "Kirchenboten"
Hetze in Andacht: Evangelischer Pfarrer nennt Ehe-Öffnung "dekadent und pervers"

Markante Doppeltürme: Die Pfarrkirche Unserer Lieben Frau der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Nemmersdorf (Bild: Dekanat Bad Berneck)
- 8. August 2015, 12:30h 2 Min.
Der Nemmersdorfer Pfarrer Günther Weigel vergleicht die Gleichstellung von Lesben und Schwulen mit Hochzeiten zwischen Menschen und Tieren.
Im fränkischen Goldkronach sind bereits mehrere Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Anlass ist eine Stellungnahme von Günther Weigel, seit 2012 Pfarrer im Ortsteil Nemmersdorf, gegen die Öffnung der Ehe für lesbische und schwule Paare, bei der er sich deutlich im Ton vergriffen hat.
Die Forderung nach einer Ehe für alle würde bedeuten, dass die Ehe unter nahen Verwandten "dann ebenfalls möglich wäre; oder auch die Ehe zwischen einem Menschen und seinem geliebten (Haus-)Tier", schrieb Weigel im aktuellen "Kirchenboten". Und fragte weiter: "Wie dekadent und pervers müssen einzelne Vertreter unserer Politik und Gesellschaft eigentlich sein, um auf solche Ideen zu kommen?"
Landeskirche kritisiert "bizarre Fantasien" Weigels
Die evangelische Landeskirche in Bayern distanzierte sich prompt vom Nemmersdorfer Pfarrer. Die Andacht hinterlasse eine "Mischung aus Irritation und Ratlosigkeit", erklärte Sprecher Michael Mädler gegenüber dem "Nordbayerischen Kurier". Er sei verwundert über die "bizarren Fantasien, die der Autor angesichts der erhobenen Forderung nach der Ehe für alle entwickelt", und bescheinigte Weigel eine "theologisch schwachbrüstige Argumentation".
Heftige Kritik am Pfarrer äußerte auch der Arbeitskreis Queer an der Uni Bayreuth. "Eine Beziehung zwischen Mensch und Tier war nie Teil der Debatte", meinte Sprecher Thomas Pickel. Er sei "schockiert und traurig" über Weigels Andacht und fühle sich in seiner "Menschenwürde angegriffen". Insbesondere für junge Lesben und Schwule im Coming-out könnten solche Äußerungen verheerende Folgen haben.
Pfarrer Weigel selbst kann die Aufregung um seinen Gemeindebrief nicht verstehen, eine Entschuldigung lehnt er ab. Die Ehe sei vor Gott "grundsätzlich unauflöslich, eine Verbindung zwischen Mann und Frau und auf Nachkommenschaft angelegt", erklärte er gegenüber dem "Nordbayerischen Kurier". Auf die Frage der Zeitung, ob der Vergleich einer homosexuellen Beziehung und einer Beziehung zwischen Mensch und Tier nicht menschenverachtend sei, meinte der Pfarrer: "Das ist nicht die Frage." Mit der Forderung nach einer Ehe für alle sei das in letzter Konsequenz denkbar. "Mehr habe ich nicht gesagt." (cw)














