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Nach Tod von 16-jährigem Mädchen

Israel: CSD-Attentäter ist verhandlungsfähig


Jischai Schlissel bei seiner Verhaftung am Tatort vor drei Wochen

  • 21. August 2015, 14:15h 17 2 Min.

Nach einer psychiatrischen Untersuchung steht dem Verfahren gegen Jischai Schlissel nichts mehr im Weg.

Die Behörden in Jerusalem haben am Donnerstag bekannt gegeben, dass Jischai Schlissel vor Gericht gestellt werden kann. Zuvor war der 50-Jährige zwei Tage lang in einer psychiatrischen Klinik untersucht worden.

Der ultra-orthodoxe Gläubige hatte Ende Juli mit einem Messer CSD-Besucher in Israel attackiert und sechs Menschen schwer verletzt (queer.de berichtete). Eines der Opfer, die 16-jährige Shira Banki, starb drei Tage nach dem Angriff im Krankenhaus (queer.de berichtete).

Die Polizei hat bereits angekündigt, Schlissel wegen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes anklagen zu wollen. Der Beschuldigte hat sich bislang geweigert, sich von einem Anwalt vertreten zu lassen. Er erklärte, dass er das weltliche israelische Gericht nicht anerkenne.

Schlissel hatte bereits im Jahr 2005 CSD-Besucher mit einem Messer attackiert und dabei drei Menschen verletzt (queer.de berichtete). Für diesen Angriff war er wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Er ist dann Anfang Juli vorzeitig aus der Haft entlassen worden – nur drei Wochen, bevor er wieder Menschen auf dem CSD attackierte.

Kritik an Polizei

Seit dem Vorfall gab es viel Kritik an der Polizei, weil die Beamten es nicht für notwendig befanden, ihn zu beobachten. Es hätten keine Anhaltspunkte auf eine Gewalttat vorgelegen, erklärte Moshe Edri von der Jersualemer Polizei.

Allerdings hat der mutmaßliche Täter kurz nach seiner Entlassung bereits Flugblätter verteilt, in der er zum Widerstand gegen die CSD-Parade aufrief. In einem Flyer hieß es: "Es ist die Pflicht eines jeden Juden, […] diese große Schändung Gottes zu stoppen, die am nächsten Donnerstag geplant ist. Es ist die Pflicht, diese Parade der Sünde zu stoppen; koste es, was es wolle."

Inzwischen kritisieren auch Opfer der Messerattacke die Polizei in den israelischen Medien. So erklärte der 26-jährige Student Yarden Noy, dem Shissel in den Rücken gestochen und dabei die Lunge verletzt hatte, dass die Beamten "amateurhaftes Verhalten" an den Tag gelegt hätten. So hätte er ihnen sein blutiges T-Shirt als Beweismittel gegeben, das die Beamten aber nun nicht wiederfinden könnten. "Ich hoffe, sie machen jetzt ihre Arbeit, denn eigentlich wäre es ja ihre Aufgabe gewesen, den Mord zu verhindern", so Noy, der als Heterosexueller aus Solidarität an der Parade teilgenommen hatte. Er hoffe, dass der Täter nun lebenslänglich hinter Gittern komme.

Die Jerusalemer Polizei führt derzeit eine interne Untersuchung durch, um herauszufinden, wie es zu dem Angriff kommen konnte. (dk)

-w-

#1 KMBonn
  • 21.08.2015, 17:52hBonn
  • "... er das weltliche israelische Gericht nicht anerkenne."

    Es sind diese Äußerungen, die so besorgniserregend sind. Sie finden sich quer durch alle Religionen. da berufen sich Gläubige jedweder Couleur auf das angebliche Wort eines angeblichen Gottes, welches staatliches Recht bricht. Damit rechtfertigen sie schrecklichste Taten bis hin zu Rassenhaß, Folter und völkermord.

    Und es gibt sie eben nicht nur bei den Salafisten, wir finden sie auch bei den Evangelikalen und Katholiken. Auch Bischof Huonder hatte sich schon in der Vergangenheit ähnlich geäußert und den sog. "göttlichen" Gesetzen einen höheren Stellenwert eineräumt als den weltlichen, im Rahmen eines demokratischen Prozesses entstandenen Gesetzen.
    Und nicht erst jetzt auch ein - in der Vergangenheit gab es schon ähnliche Fälle - Israeli oder Jude, der genauso schräg drauf.

    Das sind geistige Brandstifter, idelogische Wegbereiter für Unfrieden, Haß, Terrorismus und gesellscahftliche Spaltungen. Sie müssen gebremst und aufgehalten werden.

    Aber mit normalen demokratischen und juristischen Mitteln, nicht mit allen Mitteln. Dann landet man da, wo diese Fanatiker beheimatet sind.

    Man muß sich wehren und ihnen mit gesellschaftlicher Isolierung und Ächtung begegnen, denn eine demokratische Zivilgesellschaft wird dieses terroristischen Abschaums so auch Herr. Das heißt aber nicht, dass wir nach Attacken auch noch betroffen die andere Backe hinhalten und uns solche Idioten gefallen lassen müssen.
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#2 TritonAnonym
  • 21.08.2015, 18:26h
  • Antwort auf #1 von KMBonn
  • Es ist aber besonders wichtig zu differenzieren und nicht, wie Rassisten und Homophobe, zu pauschalisieren. Nach dem Attentat auf den CSD Jerusalem waren es der orthodoxe Oberrabbiner Israels und der orthodoxe Oberrabbiner Jerusalems, die die Opfer im Krankenhaus besuchten. Und es war der Bildungsminister Israels, der Vorsitzende der nationalreligiösen "Siedlerpartei" Bayit Yehudi, Nafatli Bennet, der zunächst die Zuschüsse an die LGBT-Jugendgruppen zunächst einmal mit sofortiger Wirkung verdoppeln lies - und einen für alle Schulen verbindlichen Bildungsplan zur Prävention gegen Homophobie erarbeiten lässt. Religion und Emanzipation müssen kein Widerspruch sein - eher im Gegenteil.

    haolam.de/artikel_22117.html
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#3 MeineFresseAnonym
  • 21.08.2015, 18:47h
  • Der erste CSD Mord fand im liberalen Israel statt begangen durch einen juden an einer Hetera. Wie ironisch.
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