Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?24452

Orgasmen in der schwulen Einhandliteratur: Aktive Männer brüllen oder schreien, die passiven winseln oder sagen in ganz vielen Fällen auch gar nichts (Bild: Ausschnitt aus dem Cover des Ratgebers "Cum!"/Bruno Gmünder Verlag)

  • 23. August 2015, 13:04h 17 3 Min.

In der schwulen (Erotik-)Literatur wirkt der Orgasmus oft wie eine Karikatur. Das war nicht immer so.

Im schwulen Pornofilm ist es sehr einfach: Wenn dort jemand einen Orgasmus erlebt, dann wird der auch gezeigt in Form der Ejakulation. Das Abspritzen ist der feuchte Beweis, dass der Point of no Return überschritten wurde. Deshalb müssen diejenigen, die gerade so schön rammeln, ihr bestes Stück auch immer kurz vor dem Kommen rausziehen und auf den Rücken, den Bauch oder sonstwohin spritzen.

Beim Porno im Buch muss der Autor die Fantasie der Leser dazu bringen, sich die Szenerie vorzustellen. Wenn man der erotischen Literatur glauben darf, dann ist Sex unter Männern dabei eine ziemlich lautstarke Angelegenheit: Die Protagonisten beweisen ihre Lust, indem sie rumbrüllen wie die Stiere.

Keuchen und schnaufen bis zur Explosion

Ein paar typische Beispiele aus dem willkürlich aus dem Regal gegriffenen 70. Band der "Loverboys"-Reihe des Bruno Gmünder Verlags mit dem vielversprechenden Titel "Wissbegierde im Internat" (Amazon-Affiliate-Link ):

"Dwaynes Stöhnen wurde immer lauter und hitziger, und mit einem gewaltigen Aufschrei spritzte er in mir ab."

"Ich entlud mich mit lautem Gebrüll in seinen Knackarsch und nach kaum einer Minute kam es ihm auch."

"Frank winselte vor Lust und drückte sein Gesicht in das Kissen, bevor er abspritzte."

Wir halten fest: Aktive Männer brüllen oder schreien, während die passiven winseln oder in ganz vielen Fällen auch gar nichts sagen. Sie spritzen einfach irgendwann ab. Davor "keuchen" sie, "röcheln heiser", "schnaufen und zittern". Der Höhepunkt kündigt sich immer dadurch an, dass sich die Stoßfrequenz enorm erhöht. Die Adern, der Schwanz, alles schwillt noch mehr an und wird größer. Bis eine Art Explosion stattfindet. Höher, schneller, weiter – Peng!

Schwule Pornofantasien in der Literatur sind offensichtlich immer Karikaturen des realen Geschehens. Das einzig Realistische in den Schilderungen: Der Höhepunkt wird nach einem seitenlangen Vorspiel immer in wenigen Sätzen abgehandelt. Im wahren Leben dauert der Orgasmus ja leider auch nur wenige Augenblicke.

Wenn Lesben schwule Pornos schreiben

Vor 16 Jahren hat der Berliner Querverlag ein interessantes Experiment veröffentlicht: Für das Buch "Sexperimente" (Amazon-Affiliate-Link ) schrieben Lesben Schwulenpornos – und Schwule Lesbenpornos. Und plötzlich erleben die Männer in diesen Storys Orgasmen, wie man sie sonst nur von Frauen kennt. Die Autorin Barbara Kantz schreibt etwa:

"Er fühlte sich groß an und mächtig, aber gleichzeitig auch empfindsam. Er reagierte auf jede Bewegung meiner Zunge. Er kam in Wellenbewegungen, bei der dritten Welle spritzte er los."

Oscar Wildes Ganzkörperorgasmus in der Pferdekutsche

Auch in der schwulen Literatur vergangener Jahrhunderte ging es anders zu, vor allem der Moment des Orgasmus wurde viel ausführlicher und sinnlicher beschrieben. Zumindest gilt das für Oscar Wildes Roman "Teleny" (Amazon-Affiliate-Link ), der 1895 erstmals veröffentlicht wurde. So in einer Szene, in der Teleny das lang begehrte Objekt seiner Begierde in der Pferdekutsche erstmals verführt:

"Mit jedem Tropfen, der dem Körper entwich, begann ein unheimliches, beinahe unerträgliches Gefühl sich auszubreiten, von den Fingerspitzen, den Zehen, besonders von den innersten Gehirnzellen: das Mark der Wirbelsäule und in allen Knochen schien zu schmelzen; und als die verschiedenen Strömungen sich im Phallus trafen, kam es zu einem schrecklichen Erdbeben: zu einer Konvulsion, die sowohl Geist wie Materie vernichtete."

Offensichtlich haben wir hier den ersten Ganzkörperorgasmus der Literaturgeschichte erlebt, der in einer Art Schwarzen Loch endet… (cw)

Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.

15.12.16 | Umfrage zum Welt-Orgasmus-Tag
Wir kommen oft und lang
22.12.12 | Schöner kommen
Orgasmustypen: Vulkan oder Achterbahn?
18.11.12 | Liebe - Fotobände
Abgespritzt
28.08.11 | Liebe - Sextrends
36 Orgasmen am Tag
08.08.11 | Liebe - Sextrends
Eine Auster für die "sexpositive" Lust
08.08.11 | Meinung - Blog
Heute ist Welt-Orgasmus-Tag
-w-

#1 keyjahn
  • 23.08.2015, 16:00h
  • hmmm, also ich habe da schon ganz anderes gelesen...
    nicht immer laut...nicht immer brünftig...
    es gibt viele Autoren die sehr gute Sexszenen schreiben können...
  • Direktlink »
#2 Weeping CockAnonym
#3 gayturk
  • 23.08.2015, 21:40h
  • Ich finde die Sex-Szenen, die die Frauen in ihren kitschigen "Gay-Romance" Romanen immer schreiben zum schießen komisch. Andauernd ließt man was über ROSETTE. Rosette hier, Rosette dort, Rosetten überall. HAHAHA.
    Future Sex von Chris Raw fand ich sehr gelungen und auch recht Realitätsnah, halt so, wie Männer wirklich poppen. Mit diesem ganzen weichen Schwachsinn kann ich nichts anfangen. Da hat man die Autorin vor Augen und nicht den Charakter, der ja dann ein Mann sein soll.
  • Direktlink »