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Neuer Affront
Venedig: Bürgermeister will keinen CSD

Luigi Brugnaro sorgte neben Kritik von LGBT-Organisationen auch für einigen Spott in sozialen Netzwerken (Bild: Wiki Commons / Alvyspera / by 3.0)
- 26. August 2015, 19:15h 3 Min.
Nach seinem Kampf gegen Schulbücher über Regenbogenfamilien hat Luigi Brugnaro nun mit einer weiteren homophoben Äußerung nachgelegt.
Der erst seit wenigen Wochen im Amt weilende neue Bürgermeister von Venedig hat sich am Mittwoch erneut homophob geäußert. In einem Gespräch mit der Zeitung "La Repubblica" sprach er sich gegen die Durchführung von CSD-Veranstaltungen in der Lagunenstadt aus: Diese werde es "nie in meinem Venedig" geben.
Der parteilose Unternehmer hatte zu einer Frage nach einem CSD gesagt: "Das ist ein Unsinn, das höchste an Kitsch". Schwule und Lesben könnten "das meinetwegen in Mailand machen oder in ihrem Zuhause."
Zuvor hatte der Bürgermeister in dem Interview betont, nicht homophob zu sein: "Ich habe schwule Freunde."
Kein CSD, keine "unnormalen" Familien
Brugano hatte bereits Ende Juni für Empörung gesorgt, als er angekündige, alle Bücher aus Grundschulen zu entfernen, die von alleinerziehenden Eltern oder Regenbogenfamilien handeln (queer.de berichtete). Auf seiner Zensurliste fand sich etwa das Buch "And Tango Makes Three" über die wahre Geschichte eines Babypinguins im New Yorker Zoo, der von zwei männlichen Pinguinen aufgezogen wird.
Eltern sollten Kinder über Regenbogenfamilien aufklären, nicht die Schule, hatte der 53-Jährige dazu geäußert. "Zu Hause kann man Eltern als 'Papi 1' und 'Papi 2' bezeichnen, aber ich muss an die Mehrheit der Familien denken, die einen Vater und eine Mutter haben."
In dem neuen Interview sagte Brugano, eine Familie mit zwei Frauen und einem kleinen Jungen sei "unnormal". Auch kritisierte er den Popstar Elton John, der ihn wegen der Schulbuchfrage öffentlich als "ungehobelt intolerant" getadelt hatte: Der Brite sei "arrogant" und habe seit drei Jahren nicht mehr Venedig besucht.
LGBT-Aktivisten empört
Die italienische LGBT-Organisation Arcigay hat die neuerlichen Äußerungen des Bürgermeisters, der im Rahmen eines Mitte-Rechts-Bündnisses zur Wahl angetreten war, scharf krisitisiert. Nicht ein CSD, der bereits zweimal in Venedig stattgefunden habe, sei Unsinn und schade der Stadt, sondern ein "nicht vorzeigbarer Bürgermeister".
"Wir werden nächstes Jahr zurück in Venedig sein und wir laden den Bürgermeister ein, an der Spitze der Parade mit uns zu marschieren", sagte Arcigay-Sprecher Flavio Romani. "Auf diesen Weg wird er sehen, was ein CSD wirklich ist." Die Parade, ein wichtiges Zeichen für Toleranz und eine weltoffene Stadt, könne er ohnehin nicht verhindern.
Lebenspartnerschaft vor weiterer Verzögerung?
Italienische LGBT-Aktivisten haben derweil ein weiteres Problem: Am Dienstag spekulierten mehrere Medien, eine für spätestens Mitte Oktober angekündige Verabschiedung eines Gesetzes zur Einführung von Eingetragenen Lebenspartnerschaften könnte sich erneut verschieben. Als Grund wird der Druck der katholischen Kirche angegeben, die in dem Zeitraum, vom 4. bis 25. Oktober, ihre lang erwartete Familiensynode abhält. Auch gebe es zwischen den Parteien noch eine Diskussion über das Verbot einer Leihmutterschaft.
Ministerpräsident Matteo Renzi hatte am Mittwoch bei einer Rede vor der katholischen Bewegung "Comunione e Liberazione" detailliert geplante Projekte seiner Regierung vorgestellt und dabei kein Wort zu Lebenspartnerschaften verloren.















Mit diesem Bürgermeister wird Venedig nicht bunter, sondern eher brauner.
In Italien ist Katholizismus mit seiner Macht nun mal allgegenwärtig und es gibt politisch sehr viel zu tun, um die Rechte aller Bürger gleich zu stellen.