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Industrie-Region Krywbass
Ukraine: Neue Angriffe auf LGBT-Einrichtungen

Das "Queer Home" nach dem Überfall
- 1. September 2015, 15:13h 2 Min.
In der südlichen Großstadt Krywyj Rih wurden an zwei Abenden hintereinander Schwule und Lesben angegriffen und teils schwer verletzt.
In der ukrainischen Großstadt Krywyj Rih ist in der Nacht zum Dienstag eine Anlaufstelle für Schwule, Lesben und Transsexuelle von mutmaßlichen Nationalisten überfallen worden.
Im Zentrum "Queer Home Kryvbas" hatten sich sieben Aktivisten zu einer Besprechung getroffen, als sechs maskierte Männer das Haus stürmten, Parolen wie "Tod den Schwuchteln" riefen und Rauchbomben in den Raum warfen, in dem sich die Aktivisten zunächst verschanzen konnten.
Ein Aktivist, der sich den Männern entgegen stellte, wurde von ihnen bewusstlos geschlagen. Er musste später mit einer Gehirnerschütterung und Verletzungen im Gesicht im Krankenhaus versorgt werden. Die Angreifer, die vor dem Eintreffen der Polizei fliehen konnten, zerstörten auch das Büro der Organisation. Inzwischen ermittelt die Polizei.
Auch Angriff auf Party

Ein Mann musste nach dem Überfall auf das "Queer Home" im Krankenhaus behandelt werden
Das Pikante dabei: Die LGBT-Aktivisten hatten sich getroffen, um Konsequenzen aus einem Überfall in der Nacht zuvor zu besprechen. Bis zu 20 maskierte und nach Augenzeugen "rechts" gekleidete Personen hatten eine private Party in einem Club der Stadt gestürmt und auf Besucher eingeprügelt.
Einem Bericht des Portals upogau.org zufolge griff die hinzugerufene Polizei nur halbherzig ein und ließ die Angreifer gehen. Auch nahm sie Zeugenaussagen gegen "Unbekannt" auf, obwohl sie die Männer hätte identifizieren können.
Laut upogau.org soll es sich bei einem der Angreifer um einen örtlichen Führer der AutoMaidan-Bewegung handeln. Dieser habe seine Teilnahme gegenüber dem Portal bestätigt und mit einem angeblichen Jugendschutz begründet, obwohl auf der Veranstaltung laut LGBT-Aktivisten keine Minderjährigen anwesend waren. Der Mann habe zugleich betont, nicht für die Attacke auf das "Queer Home" verantwortlich zu sein.
In der Ukraine kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Anschlägen auf LGBT-Einrichtungen und Angriffe auf Aktivisten, erst Mitte August hatten Hooligans einen LGBT-Treff in Odessa überfallen (queer.de berichtete). Zumeist schienen Nationalisten für die Taten verantwortlich, die genauen Hintergründe sind aber unübersichtlich. (nb)














