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TV-Kritik
Neue Trans-Comedy der BBC

Mit "Boy meets Girl" ist der BBC eine Feel-Good-Comedy mit Botschaft gelungen. Werden Judy und Leo zueinander finden? (Bild: BBC)
- 6. September 2015, 07:14h 3 Min.
Mit dem Sechsteiler "Boy meets Girl" zeigt der britische Sender die erste Sitcom mit einer Transsexuellen, die von einer Transsexuellen gespielt wird.
Von Norbert Blech
Eine Zufallsbekanntschaft steht im Mittelpunkt der neuesten BBC-Sitcom mit Community-Bezug, die am Donnerstag Premiere auf der Insel hatte: Der 26-jährige Leo (Harry Hepple) lernt in einer Bar die 40-jährige Judy (Rebecca Root) kennen.
Man verabredet sich auf ein Date. "Ich wurde mit einem Penis geboren", eröffnet es Judy – das wolle sie "lieber jetzt als später" sagen. Während es Leo die Sprache verschlägt, wird der überraschte Kellner, der die Bestellung aufnehmen wollte, wieder weggeschickt.
Mit dieser Szene im Mittelpunkt könnte eine Serie schnell kippen, doch "Boy meets Girl" fängt sie auf, umhüllt sie in eine Erzählung, wie beide sich auf das Date vorbereiten. Man fiebert bereits mit den beiden Darstellern mit, hat bereits ihre jeweiligen Familen kennengelernt.
"Boy meets Girl" ist die erste BBC-Serie mit einer transsexuellen Hauptfigur, die von einer Transsexuellen gespielt wird – das war bereits eine Vorgabe für das Casting. Die 46-jährige Root machte sich als Stand-up-Comedian einen Namen und arbeitet zudem als Voice Coach für Transsexuelle und Transgender. Entsprechend hoch waren die Erwartungen.
Bemühte Comedy, unbemühte Menschlichkeit
Enttäuscht ist man nicht von der Serie, ganz zufrieden auch nicht: Bisweilen wirken viele Stellen zu bemüht auf Comedy getrimmt, gerade bei den Nebenrollen, selbst auf Slapstick mag man nicht verzichten. Ja, Judys Mutter ist schön schrullig und sympathisch in ihrer Akzeptanz der Tochter, Leos Familie ist modern kumpelhaft zueinander. Als Sitcom funktioniert das trotzdem nur bedingt.
Vielleicht hätte man sich einfach auf eine Romantic Comedy konzentrieren sollen. Denn den Teil macht die Serie dann doch ganz hervorragend: Wie Root und Hepple miteinander harmonieren, ist schön anzusehen und glaubhaft, schafft gute Laute. Zum Schluss sagt Leo, Judy könnte die Richtige für ihn sein – die nächste Episode wird also ein Pflichtermin.

Um Trans-Fragen ging es bis dahin kaum, und man wird genauer hinschauen müssen. Als Leo in seiner ersten Sprachlosigkeit fragt, ob Judy quasi im falschen Körper geboren sei, sagt sie Ja – es gibt einige Trans-Verbände, einige Transsexuelle, die diese Aussage als diskriminierend auffassen. Wenn sie an anderer Stelle in einem Nebensatz von merkwürdigen Ärzten spricht, hofft man, dass mehr Scherze, mehr Hintergrund aus ihrer Perspektive folgen werden.
Eigentlich sollte es gelingen, Klischees und unglückliche Sprache zu vermeiden: Die Serie ist eine Folge einer Veranstaltung der Organisation "All About Trans", die Medienschaffende und Trans-Aktivisten zusammenbrachte. Daraus entstand der "Trans Comedy Award", mit dem die BBC Scripts suchte, die Trans-Charaktere in einem positiven, selbstbewussten Licht zeigen. Zu den Gewinnern gehörte das Drehbuch von Elliott Kerrigan, aus dem ein Pilotfilm für "Boy meets Girl" wurde. Nachdem BBC Two die Serie in Auftrag gab, wurden einige Szenen neu gedreht und die Handlung vom Filmort Manchester nach Newcastle verlegt. Ob "Boy meets Girl" irgendwann in Deutschland zu sehen sein wird, steht in den Sternen.
Trans in Serie
Rebecca Root ist übrigens erst die zweite Transsexuelle in einer Trans-Rolle im britischen Fernsehen; erst im Februar hatte es eine entsprechende Premiere in einer Folge der Episoden-Serie "Banana" im Jugendkanal E4 gegeben (eine queere Begleitserie zu Russell T. Davies' hevorragendem schwulem Drama "Cucumber"). Bethany Black spielt darin Helen, die von einem Ex-Lover gestalked wird und der sich dann mit der Veröffentlichung eines Sextapes rächt.
Transsexuelle und Transgender sind dabei nichts ungewöhnliches im britischen Fernsehen, die Soap "Coronation Street" (ITV Granada) bot etwa zwischen 1998 und 2014 eine Transsexuelle (gespielt von Julie Hesmondhalgh, Henrys Schwester in "Cucumber"), die in späteren Folgen vor allem als Frau wahrgenommen wurde. In der hevorragenden Serie "Hit & Miss" (Sky Atlantic, 2012) spielte Chloë Sevigny eine transsexuelle Auftragskillerin.
2012 gab der populäre Schauspieler Sean Bean in einer Folge der BBC-Episoden-Serie "Accused" einen Transvestiten, der des Mordes beschuldigt wird. Dafür bekam er einen International Emmy.
Links zum Thema:
» BBC-Seite zu "Boy meets Girl"
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
22:15h, rbb:
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Und wieviele GLBT-Charaktere es auch in anderen Filmen und Serien gibt... Und wie selbstverständlich das alles ist...
Da kann man als Deutscher, Österreicher und Schweizer nur neidisch werden.
Wieso gibt es da im deutschen Fernsehen so wenig? Und die wenigen Sachen, die kommen, werden entweder im Nachtprogramm versteckt und/oder sie laufen auf kleinen Spartensendern.
Wir wollen ja keine Überpräsenz. Wir wollen nur einen Anteil, der wenigstens ansatzweise dem tatsächlichen Anteil in der Gesellschaft entspricht. Das ist ja wohl nicht zu viel verlangt...