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Pseudo-Märtyrerschaft
Kanada: Homophober Busfahrer gefeuert

Der "unchristliche" Bus
- 12. September 2015, 16:52h 2 Min.
Der Angestellte wollte keinen Bus in Regenbogenfarben steuern. Gekündigt wurde er aber wegen unternehmensschädlicher Äußerungen.
Im kanadischen Calgary haben die städtischen Verkehrsbetriebe einen Busfahrer gekündigt, der sich öffentlich geweigert hatte, einen speziell zum CSD eingesetzten Bus in Regenbogenfarben zu steuern.
Das gab Busfahrer Jesse Rau am Freitag auf einer Pressekonferenz bekannt. "Ich bin gefeuert worden, weil ich zu 100 Prozent zu meinem Glauben stehe", sagte er im Beisein seines Pastors Artur Pawlowski. Der hatte es in Kanada bereits zu einiger Bekanntschaft gebracht, weil er behauptete, Überflutungen in Alberta 2013 seien auf Gotets Zorn über die Anerkennung von Homosexualität zurückzuführen.
Vor einigen Wochen hatte der Vater eines kleinen Kindes bereits gesagt, dass er kündigen wolle, sollte ihn Calgary Transport dazu zwingen, den Bus zu fahren (queer.de berichtete). Er habe nichts gegen Schwule und Lesben, sagte er, könne aber deren "Lebensstil" nicht gutheißen.
Selbst erzeugter Sturm im Wasserglas

Jesse Rau gab sich in Medien als verfolgter Christ
Medienberichten zufolge war Rau kurz vor Ablauf seiner einjährigen Probezeit gekündigt worden. Während das Verkehrsunternehmen keine Stellung zu dem Vorgang abgeben wollte, verteilte der Fahrer auf der Pressekonferenz selbst sein Kündigungsschreiben.
Demnach wurde er wegen "falscher und irreführender Behauptungen" entlassen, die den Ruf der Stadt geschädigt hätten. So sei er nie gebeten worden, den Bus zu fahren, und hätte auch nicht-öffentlich die Versicherung erhalten, dies nicht tun zu müssen. Dennoch hätte er sich mit einer unberechtigten Kritik am Unternehmen an die Öffentlichkeit gewandt. Die Kündigung verweist zudem auch rechtsradikale Facebook-Postings des Fahrers.
Der Regenbogenbus war seit Ende April auf verschiedenen Strecken in der gesamten Stadt im Einsatz, mit der Aufschrift "Ride with Pride". Nach der CSD-Parade am 6. September sollte er wieder übermalt werden.
Zunehmende Pseudo-Märtyrerschaft
In Kanada und den USA hatten in den letzten Monaten immer wieder Christen für Schlagzeilen gesorgt, die aufgrund ihrer religiösen Ablehnung von Homosexualität Schwulen und Lesben Dienstleistungen verweigerten oder Tätigkeiten nicht ausführen wollten – teilweise mit einem Hang, sich dabei zum Märtyrer zu machen.
Neben einigen Floristen oder Bäckern, die zu Homo-Hochzeiten Dienstleistungen verweigerten, sorgten in den USA vor allem einige Standesbeamte, die homosexuelle Paare nicht trauen wollten, für Furore. Kim Davis aus Kentucky, die deswegen sogar für einige Tage in den Knast musste (queer.de berichtete), wird am Montag an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Mit Spannung wird erwartet, ob sie den Angestellten des von ihr geleiteten Amtes erneut verbieten wird, Paare zu trauen – dann droht erneut der Gang ins Gefängnis. (nb)














