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Scherz oder Propaganda-Streich?

Elton John fiel auf TV-Komiker rein


Das Komikerduo Vovan und Lexus (r.) hatte John angerufen und sich als Putin und sein Sprecher ausgegeben

  • 16. September 2015, 16:54h 31 3 Min.

Der Popstar hatte am Montag die Welt mit der Meldung überrascht, er sei von Wladimir Putin angerufen worden.

Von Norbert Blech

Der britische Popstar Elton John ist von einem russischen Komiker-Duo hereingelegt worden. Am Montag hatte der 68-Jährige auf Instagram behauptet, Präsident Wladimir Putin habe ihn angerufen und man habe ein Treffen vereinbart, um über LGBT-Rechte zu sprechen (queer.de berichtete). Zuvor hatte John in einem BBC-Interview gesagt, dass er sich ein solches Treffen wünschen würde (queer.de berichtete).

Das angebliche Telefonat hatte für einige Verwirrung in Medien und sozialen Netzwerken gesorgt: Während es vom Management des Sängers ohne weitere Details bestätigt wurde, war es recht schnell vom Kreml dementiert worden. Nun steht fest: Offenbar hat John in Wirklichkeit mit Fernsehkomikern telefoniert.

Das Komikerduo Vovan und Lexus gab am Mittwoch an, sich in dem Gespräch als Putin und sein Sprecher ausgegeben zu haben. Ausschnitte des Gespräches sollen am Abend in einer TV-Sendung zur Primetime ausgestrahlt werden, auf Perwy kanal, dem beliebtesten Sender des Landes. Er ist in Staatsbesitz.

Nur ein Scherz oder eine Replik?

Der russische LGBT-Aktivist Nikolai Aleksejew vermutet eine Beteiligung der Behörden an dem "Streich": Elton John solle öffentlich lächerlich gemacht werden, nachdem er es gewagt habe, von der Ukraine aus Putin zu kritisieren.

In dem Gespräch mit der BBC hatte John gesagt, die Politik Putins gegenüber LGBT sei lächerlich und "isolierend und von Vorurteilen durchsetzt". In einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko und bei einer Rede vor Unternehmern hatte er am Samstag in Kiew zugleich durchaus engagiert LGBT-Rechte angemahnt (queer.de berichtete).

Der echte Sprecher Putins hatte am Dienstag bereits gesagt, dass es kein Gespräch mit dem Präsidenten gegeben habe, und angedeutet, dass sich hier jemand einen Scherz erlaubt haben könne. Zugleich hatte Dimitry Peskow durchaus ebenfalls mit Ironie gesagt, dass man sich ein Treffen vorstellen könne: "Der Präsident war immer offen, Fragen der Menschenrechte oder sonstige Fragen zu besprechen. Er ist immer bereit, die tatsächliche Situation klarzustellen."

Putin hatte bei Gesprächen mit Diplomaten in der Vergangenheit immer wieder betont, dass es in seinem Land keine Homophobie gebe. Die weltweit angeprangerten Gesetze u.a. gegen Homo-"Propaganda" dienten vielmehr dem Schutz der Familie und der Kinder. Am Wochenende wurde bekannt, dass Putin den homophoben Politiker Witali Milonow mit einem Verdienstorden ausgezeichnet hat (queer.de berichtete).

Nun könnte der Präsident als Sieger und der Sänger als Trottel dastehen. John könnte gezielt in die Mühlen der Propaganda des russischen Fernsehens gelangt sein, wie viele Oppositionelle oder kritische Künstler vor ihm. Auch vor besonders homophober Propaganda macht das russische Fernsehen ja keinen Halt (queer.de berichtete), und Vovan und Lexus betätigen sich zunehmend politisch im Sinne der Regierung.

Vielleicht war John aber auch nur ein viel zu einfaches Opfer.

 Update  17.9., 09.25h: Gespräch veröffentlicht

Das Telefongespräch wurde am Mittwoch im russischen Fernsehen ausgestrahlt. Elton John kommt dabei gar nicht mal so schlecht weg. Propaganda ist indirekt spürbar: So wird, wie in vielen russischen Medien, die Gewalt gegen CSDs in der Ukraine kritisiert, die eigene Behandlung von CSDs aber verharmlost.

Youtube | Das Gespräch
-w-

#1 paren1957Ehemaliges Profil
  • 16.09.2015, 20:10h
  • Wer vor lauter Eitelkeit bereit ist, sich von einem Putin vorführen zu lassen, verdient es wohl nicht besser.

    Mit Putin redet man nicht, Putin bekämpft man.
  • Direktlink »
#2 UschiAnonym
#3 paren1957Ehemaliges Profil
  • 16.09.2015, 21:09h
  • Antwort auf #2 von Uschi
  • Ich fürchte, dieser Herr wird das es dahingehend missverstehen, dass jemand winselnd darum bittet, eins in die Fresse zu bekommen. Und er wird diesen Wunsch höhnisch grinsend vor laufenden Kameras erfüllen. Für ihn gehören Würmer zertreten. Und mehr sind wir für ihn nicht wert.
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