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Heiner Koch wird am Samstag um 11 Uhr in der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale in sein neues Amt als Erzbischof eingeführt (Bild: Walter Wetzler)

  • 18. September 2015, 06:25h 153 3 Min.

Kurz vor seiner Amtseinführung am Samstag diffamiert der neue Erzbischof von Berlin erneut Lesben und Schwule.

Er möchte "differenzierte Wirklichkeiten ansprechen, ohne zu diskriminieren", behauptet Heiner Koch, Berlins neuer katholischer Erzbischof, in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem "Tagesspiegel" – und belegt Lesben und Schwule im selben Gespräch gleich mit zwei neuen diffamierenden Adjektiven: Homosexualität sei "beschränkt" und nicht "gelungen", so der 61-Jährige, der am Samstag in sein Amt eingeführt wird.

"Zu unserem Verständnis von gelungener Sexualität gehört die Weitergabe von Leben", erklärte Koch laut "Tagesspiegel". "Bei homosexuellen Menschen ist das ausgeschlossen. Damit ist die Sexualität aus unserer Sicht beschränkt."

Anfang des Jahres hatte sich Koch in einem Interview mit der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" noch dafür eingesetzt, auf Lesben und Schwule zuzugehen: "Die Kirche braucht eine andere Sprache, wenn es um Homosexuelle geht" (queer.de berichtete).

Koch: Homosexuelle wollen gar nicht gleichgestellt werden

Er habe nichts gegen Lesben und Schwule per se, versicherte der neue Erzbischof im "Tagesspiegel"-Interview. Die nicht "gelungene" Sexualität schränke "die Wertschätzung für diese Menschen in keiner Weise ein, so sehe ich das zumindest. So wie der Mensch ist, ist er erstmal gut."

Koch lobte in diesem Zusammenhang eine Gruppe schwuler Männer, die er als Kölner Weihbischof regelmäßig getroffen habe: "Viele aus der Gruppe sind mittlerweile alt und stehen selbstverständlich zueinander, über Krankheiten, Schlaganfälle hinweg. Da ist nichts mehr mit erotischer Leichtigkeit. Aber das ist eh ein Klischee."

Homosexuelle Partnerschaften will der neue Berliner Erzbischof dennoch nicht als gleichwertig anerkennen. Als "nicht hilfreich" bezeichnete er im "Tagesspiegel" das Vorhaben der evangelischen Landeskirche, die Segnung homosexueller Paare mit Trauungen gleichzustellen. "Es zementiert die Debatte."

Dass die katholische Kirche selbst einen Segen verweigert, verteidigte Koch: "Wir haben Sorge, dass das mit Trauung verwechselt wird." Als Begründung schob er Lesben und Schwule vor: "Homosexuelle sagen: Unsere Beziehung ist anders als die von Paaren mit Kindern."

2011 kämpfte Koch gegen schwule Schützenkönige

Bereits vor vier Jahren war Koch als homophober Hardliner bundesweit bekannt geworden. Als damaliger Bundespräses des Dachverbands Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften hatte er einem schwulen Schützenkönig verboten, gemeinsam mit seinem Partner aufzutreten (queer.de berichtete).

Ein schwules Königspaar sei ein "Missbrauch zu Demonstrationszwecken", erklärte er damals im Interview mit Domradio, da der Eindruck entstehen könne, dass deren Beziehung gleichwertig mit einer heterosexuellen Ehe sei: "Wir möchten verhindern, dass das öffentliche Auftreten als 'Schützenkönig und -königin' als Demonstration missbraucht wird, dass jede partnerschaftliche Beziehung gleichwertig und gleichartig ist" (queer.de berichtete).

Heiner Koch wurde 1954 in Düsseldorf geboren und studierte Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften. Bereits an seinem 26. Geburtstag wurde er zum Priester geweiht. Im Jahr 2006 wurde er vom Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zum Weihbischof ernannt. Am 18. Januar 2013 berief ihn Benedikt XVI. zum Bischof von Dresden-Meißen. Nur zwei Jahre später ernannte ihn Papst Franziskus am 8. Juni 2015 zum Erzbischof von Berlin. Die Amsteinführung findet am 19. September um 11 Uhr in der St. Hedwigs-Kathedrale statt. (cw)

-w-

#1 habemus_plemplem
  • 18.09.2015, 09:30h

  • "Differenzierte Wirklichkeiten ansprechen, ohne zu diskriminieren" ist lediglich eine Variante von "Ich hab ja nichts gegen die, aber..." - der klassische Beginn diskriminierender Aussagen also. Die Frage ist dann nicht mehr, ob die dann tatsächlich folgen, sondern höchstens noch, welche es dieses Mal sein werden und wie sie formuliert sind. Wenn man es sich denn unbedingt antun will.

    Ich hab trotzdem weitergelesen, es gab dabei aber nicht die kleinste Überraschung.

    Bei wem will er damit eigentlich punkten? Bei gleichgeschlechtlichen Paaren ja wohl kaum! Notorisch weiter diskriminieren und dabei ein freundlicheres Gesicht machen, darum wird es wohl mal wieder gehen. Scheint die neue Masche zu sein.
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#2 LeonhardAnonym
#3 PatroklosEhemaliges Profil
  • 18.09.2015, 09:52h
  • Koch: Homosexuelle wollen gar nicht gleichgestellt werden

    Natürlich wollen wir gleichgestellt werden, und zwar uneingeschränkt und ohne Wenn und Aber!

    TOTALE GLEICHSTELLUNG JETZT!
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