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LGBT-Journalismus hat seinen Preis
Manfred Bruns: Ich zahle für queer.de, weil...
- 24. September 2015, 12:45h 1 Min.

Hinweis: Manfred Bruns ist im Jahr 2019 verstorben und zahlt natürlich nicht mehr für queer.de. Aus Archivgründen ist dieser Beitrag weiterhin online.
Guter Online-Journalismus kostet Geld, allein aus Werbeerlösen lässt er sich nicht finanzieren. In dieser neuen Serie erklären Leserinnen und Leser, warum sie queer.de mit einem freiwilligen Abo unterstützen.
Den Anfang macht Manfred Bruns, Jahrgang 1934. Der frühere Bundesanwalt am Bundesgerichtshof ist langjähriges Mitglied im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) und einer der wichtigsten LGBT-Aktivisten in Deutschland:
Ich zahle für queer.de, weil queer.de nicht bloß Agenturberichte abschreibt, sondern selbst recherchiert, ausführlich berichtet und zusätzlich schildert, was der Meldung vorausgegangen ist und mit welchen weiteren Entwicklungen man rechnen kann, so dass man die Meldungen besser bewerten und einordnen kann.
Seit unserem am Sonntag veröffentlichten Aufruf "LGBT-Journalismus hat seinen Preis: Warum wir mehr Abos brauchen!" haben wir bislang 57 neue Abos erhalten. Zwei Menschen, einer davon ist Manfred Bruns, haben ihre Abos spontan aufgestockt.
Darüber hinaus sind zahlreiche Einzelüberweisungen sowie Paypal-Spenden zwischen 3 und 350 Euro bei uns eingegangen. Vielen Dank für die großzügige Unterstützung!
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Foto oben: Caro Kadatz / LSVD














- die Redaktion bei mehreren Kommentaren von derselben IP daran denken würde, dass es z.B. auch sowas wie ein Schwulenreferat an einer Uni gibt, wo mehrere Leute halt von demselben Rechner mit derselben IP schreiben. Da werden Folgebeiträge von anderen oft nicht mehr veröffentlicht, weil sie von derselben IP kommen und dann wohl der "Sichter" denkt, da würde einer unter verschiedenen Namen schreiben. Klar mag es letzteres auch geben, aber ist das wirklich so dramatisch, dass man dafür in Kauf nimmt, andere zu vergraulen, die sich viel Mühe mit dem Schreiben geben und dann zensiert werden. Dann ist halt im Einzelfall auch mal zwei Beiträge von einer Person. Immer noch besser, als andere zu zensieren, nur weil sie vom selben Rechner schreiben.
- ich hatte mich sehr geärgert, dass Micha Schulze in einem Kommentar die juristische Verfolgung der Altenpflegerin, die zum Mord an Schwulen aufrief als Hexenjagd bezeichnet hat. Niemand hat da eine Hexenjagd veranstaltet, sondern es wurde eine Person (die ihre Aussagen selbst nach mehreren Hinweisen auf die juristische Bedeutung nicht zurückgezogen hat) bei den zuständigen Ermittlungsbehörden angezeigt. So macht man das in einem Rechtsstaat mit Straftaten und daran ist nichts eine "Hexenjagd". Es geht ja auch darum, GLBTI-Senioren zu schützen, die ihr irgendwann schutzlos ausgeliefert gewesen wären.
Wer Schwule töten will, kann nicht in Pflegeberufe gehen - Punkt. Wenn Micha Schulze das dann als "Berufsverbote" o.ä. ansieht, frage ich mich, ob er so jemanden lieber auf schwule Senioren los lassen will. Wenn queer.de solche Meinungen vertritt, sinkt bei mir persönlich die Zahlungsbereitschaft ganz rapide.
- Ebenso erinnere ich mich an die erste schwule Hochzeit in Frankreich. Im Vorfeld wurde über jede einzelne Demo und Gegendemo sowie jede einzelne Meinungsäußerung eines Promis ein Artikel veröffentlicht. Als dann nach Monaten des Bangens (und der vorbildlichen Berichterstattung von queer.de) endlich das Gesetz beschlossen wurde und das erste Paar heiratete, hat queer.de nicht mal eine Kurznachricht gebracht. Kritikern wurde gesagt, dass man halt kein Geld hätte, eigene Korrespondenten da hin zu schicken und man nicht einfach nur wiederholen will, was alle Medien berichteten.
Aber mal eine Gegenfrage: war vorher bei jeder Demo und Gegendemo worüber berichtet wurde ein Korrespondent von queer.de? Wohl kaum. Nachher kam raus, dass queer.de die beiden um ein Interview gebeten hatte, was diese aber nicht annahmen, weil sie einfach zu viele Anfragen hatten und ja nicht die gesamten Flitterwochen nur mit Interviews verbringen wollten.
Ich kann verstehen, dass queer.de gerne ein Interview gebracht hätte, wenn das nicht klappt, dann aber gar nicht zu berichten, wirkt auf mich eher wie ein trotziges Kind, das seinen Willen nicht bekommt.
- Auch technisch könnte einiges verbessert werden, was ja schon mehrfach von mehreren Leuten kritisiert wurde. Zum Thema Kommentarfunktion: Ich fände es z.B. gut, wenn die Accounts, wo sich schon seit Jahren niemand mehr eingeloggt hat, gelöscht wurde, damit diese Namen wieder freigegeben werden. Auch sollten Namen mit drei Buchstaben (Tim, Tom, Leo, Max, Pia, Lea, etc.) zugelassen sein. Und in den Kommentaren sollte es eine Funktion zum Zitieren von Textstücken geben, damit man weiß, worauf man sich bezieht. Manche setzen Zitate zwischen Anführungsstriche (was leicht übersehen wird), andere machen davor und dahinter eine Zeile mit Sternen, etc. Aber alles nur, weil es keine sinnvolle Zitatfunktion gibt. Anderswo kann man zitierte Textteile einrücken und kleiner darstellen o.ä.
- Schön wäre auch der Umstieg auf adaptive Layout statt einer separaten Mobilseite. So kann man z.B. auch auf der Mobilseite beim Bild des Tages keine Kommentare schreiben, weil da die Kommentarfunktion technisch anders ist.
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Fazit:
Ich hoffe, dass das auch veröffentlicht wird. Wenn Ihr Euch kritikfähig zeigt, ist man auch bei Dissens eher zu Spenden, Abos o.ä. bereit. Das sind einfach einige Punkte, die mich bisher von einer Zahlung abgehalten haben, obwohl ich queer.de in vielen anderen Sachen toll finde.