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Neuer Comic
"Pornstory": Ralf König nimmt Heteros aufs Korn

Zu den Höhepunkten des Comics gehört die Teilnahme von Eberhard und seinem gutbestückten Kumpel Fritte an einem Pornodreh - anschließend wird im Hotelzimmer gewichst
- 25. September 2015, 05:19h 3 Min.
In seinem neuen Buch macht sich der schwule Comic-Meister über den merkwürdigen Umgang heterosexueller Männer und Frauen mit Pornografie lustig.
In verschiedenen Gesprächen hörte Ralf König immer wieder, dass Porno heute kein Tabu mehr sei. Ob das wohl stimmt, hat er sich gefragt und erzählt nun in seinem neuen Comicbuch vom verkrampften Umgang der Heteros mit "Erwachsenenvideos", der Ungleichheit der Geschlechter beim Pornokonsum und vom Medienwandel eines der gefragtesten Filmgenres.
"Pornstory" (Amazon-Affiliate-Link ) beginnt mit Super-8-Filmen, die Papa Schlüter sich heimlich ansieht, sobald der Rest der Familie aus dem Haus ist. Als sein heranwachsender Sohn eines Tages die Filmrollen zufällig entdeckt, springt der Pornokonsum auf die nächste Generation über.
Später, der Sohn ist selbst längst Familienvater und auf DVDs umgestiegen, muss er sich von seiner Frau fragen lassen, ob er die Pornofilmchen ihr eigentlich vorzieht? Die Freundinnen der Gattin schwanken zwischen Ermunterung, Schulterzucken und Frauenrechtsfragen. Der Einzige, dem Porno nicht peinlich zu sein scheint, ist der gemeinsame 11-jährige Sohn, der gerade die Kindersicherung auf dem iPad geknackt hat…
Königs Interesse am "alten Mann-Frau-Sex-Ding"

"Pornstory" ist am 25. September im Rowohlt Verlag erschienen
"Mein Ansatz war, bei dem Thema neutral zu bleiben, pornokonsumierende Männer und naserümpfende Frauen zu verstehen und eben nicht zu werten", sagt Ralf König über sein neues Buch – obwohl er sämtliche Protagonisten und Protagonistinnen ordentlich durch den Kakao zieht. Auch die große Angst heterosexueller Männer, für schwul gehalten zu werden, zieht sich als roter Faden durch den Comic.
Die gleichgeschlechtlich liebenden Leser bittet König wiederum um Verständnis, dass es in "Pornstory" ausschließlich um Heterosex geht: "Zu schwuler Pornografie wüsste ich nicht viel zu kommentieren, zwei oder mehrere Männer machen einvernehmlich Sex vor der Kamera, ok, und sonst? Was mich an dem Thema interessierte, war ja gerade der Geschlechterkampf, das alte Mann-Frau-Sex-Ding."
Ralf König, 1960 in Soest geboren, veröffentlichte seine ersten Comics Anfang der 1980er-Jahre in diversen Schwulenmagazinen. Seinen Durchbruch erzielte er 1987 mit "Der bewegte Mann", der als Comic wie als Film ein großes Publikum eroberte. Seine Bücher sind in 18 Sprachen übersetzt. König erhielt vielfache Auszeichnungen, darunter 2014 den Max-und-Moritz-Preis für sein Lebenswerk. (cw)
Ein Thema, das doch sehr komplex,
ist und bleibt nun mal der Sex.
Verschiedentlich sind die Geschlechter,
denn das, was sie nicht möcht, das möcht er.
Pornographie kann sehr entzücken,
sieht man doch andern zu beim F…,
und des Lustgenusses wegen
kann man dabei Hand anlegen.
Wenn sie ungern blasen tut,
tut blasen g u c k e n auch sehr gut.
Doch was dem Manne ein Pläsier,
ruft Brechreiz bei der Frau herfür!
Sind Pornofilme, wie vermeintlich,
in jedem Falle frauenfeindlich?
Hat Alice Schwarzer wirklich recht,
die sagt, dass Pornos schlichtweg schlecht?
Ist Pornkonsum, weil so verderblich,
vom Vater auf den Sohn vererblich?
Die Story der Familie Schlüter
ist nichts für prüdere Gemüter.
Bewegt das Thema sowieso
sich auf niederem Niveau,
wird hier auf dem Tablett beschert,
was sonst man untern Teppich kehrt!
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» Weitere Leseprobe als PDF
» Homepage von Ralf König
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