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LSU-Ehrenpreis verliehen
Kirchenpräsident Jung: Homosexualität ist "gute Prägung"

Dr. Volker Jung wurde am 1. Oktober bereits zu zweiten Mal von LGBT-Aktivisten ausgezeichnet (Bild: EKHN)
- 2. Oktober 2015, 05:53h 4 Min.
Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, wurde am Donnerstag in Berlin mit dem Ehrenpreis der LSU ausgezeichnet.
Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Volker Jung, hat am Donnerstagabend in Berlin den Ehrenpreis der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) erhalten. Der Bundesverband der homosexuellen CDU/CSU-Mitglieder würdigte Jung mit der seit 2011 alle zwei Jahre vergebenen Auszeichnung für seinen Einsatz für "die Gleichberechtigung und gesellschaftliche Akzeptanz" von Schwulen und Lesben.
Jung hob in seiner Dankesrede (PDF) hervor, dass es wichtig sei, weiter dafür einzutreten "Homosexualität als eine gute Prägung von Menschen zu akzeptieren, die wie Heterosexualität verantwortlich gelebt werden kann". Dabei gehe es "um nichts weniger als um die Menschenwürde", so Jung.
Nach seinem Verständnis sei "der Kirche vom Kern ihrer Botschaft her ein besonderer Blick auf diejenigen aufgetragen, die in irgendeiner Weise an den Rand gedrängt und diskriminiert werden". Das hieße im Bezug auf die Homosexualität, in der Gesellschaft immer wieder neu die Frage danach zu stellen, "was getan werden muss, dass eine Minderheit nicht diskriminiert wird und Leid verhindert wird". Dazu gehöre auch die Frage nach der Gestaltung einer "Rechtsform, die dabei hilft, eine Partnerschaft unabhängig vom Geschlecht verlässlich, verbindlich, dauerhaft und in gegenseitiger Verantwortung zu leben".
Jung für Offenheit gegenüber Flüchtlingen und Islam
Der Kirchenpräsident ging in seinem Beitrag auch auf aktuelle Entwicklungen wie die Flüchtlingsfrage oder "Islamkritik" ein, die er in einen Zusammenhang mit der öffentlichen Debatte um die Gleichberechtigung Homosexueller stellte. Vielfach werde von den Kirchen in diesen Fragen Aussagen zur Abgrenzung verlangt. Jung spreche sich aber "für die Offenheit gegenüber Flüchtlingen und eine Begegnungskultur mit dem Islam" sowie gegen Diskriminierung und für die gegenseitige Akzeptanz von Menschen aus.
Jung wolle damit bewusst denen entgegentreten, "die sich in Talkshows und Interviews ein bisschen mehr 'Kreuzzugsrhetorik' wünschen". Jung: "Ich werbe für das Gespräch. Ich werbe für die Begegnungen – von Mensch zu Mensch". Er wolle damit "dem Weg folgen, den Jesus gewiesen hat und der von der Liebe, ja sogar von Feindesliebe sprach", erklärte Jung.
LSU-Chef Vogt würdigt Jung als Vorreiter
Alexander Vogt, der Bundesvorsitzende der LSU, begründete die Entscheidung seines Verbandes damit, dass der Kirchenpräsident "durch sein Reden und Wirken immer wieder dezidiert für die Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz homosexueller Menschen eingetreten" sei. Vor allem habe er dies durch seine Mitarbeit in der Ad-Hoc-Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gezeigt, die den Text "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familien als verlässliche Gemeinschaft stärken" 2013 veröffentlicht und damit eine intensive Debatte angestoßen habe.
"Die Schlüsse, die viele christliche Kirchen und ihre Amtsvertreter bis heute in Bezug auf Homosexualität ziehen, beruhen auf einer Vorstellungswelt, die längst nicht mehr unserem heutigen Wissensstand entspricht", erklärte der LSU-Vorsitzende in seiner Laudatio. "Davon heben Sie sich als Person, die evangelische Landeskirche von Hessen und Nassau und immer mehr Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland wohltuend ab. Denn selbstverständlich geht es nicht mehr nur darum, die Ehe als Verbindung zur Fortpflanzung des Menschen anzuerkennen, sondern auch die verbindliche Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechts als eine erfüllende und ganzheitliche Liebe, die von Treue und Fürsorge geprägt ist, anzuerkennen. Dafür danken wir Ihnen!"
Zuvor Rita Süssmuth und "Wilde 13" ausgezeichnet
Der LSU-Ehrenpreis wird alle zwei Jahre verliehen. Erste Preisträgerin im Jahr 2011 war die frühere Bundestagspräsidentin und Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth, die für ihre langjährigen Verdienste um gesundheitliche Aufklärung und im Kampf gegen HIV und Aids gewürdigt wurde. Vor zwei Jahren zeichnete die LSU die so genannten "Wilden 13" – eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU – aus, die sich innerhalb ihrer Fraktion und öffentlich für die steuerliche Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften mit der Ehe eigesetzt hatten.
Der LSU-Ehrenpreis ist mit 1.000 Euro dotiert. Volker Jung kündigte an, ihn einer Familienberatungsstelle in seinem Kirchengebiet zu spenden. Bereits im vergangenen Jahr war der Kirchenpräsident mit der Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW ausgezeichnet worden (queer.de berichtete). (cw/pm)
Links zum Thema:
» Die Ansprache von Volker Jung als PDF














