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"Offenes Geheimnis"
Isle of Man: Oberster Minister outet sich

Allan Bell führt die Insel seit 2011 an, das Bild zeigt ihn 2007 (Bild: Magnus Fröderberg, by 2.5 dk)
- 8. Oktober 2015, 04:26h 2 Min.
Die direkt der britischen Krone unterstellte Insel im Nordwesten von England steht vor einer Debatte über die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare.
Allan Bell, als Chief Minister Regierungschef der Isle of Man, hat in einem Interview mit dem britischen "Guardian" erstmals öffentlich über seine Homosexualität gesprochen. "Die Menschen wissen, dass ich schwul bin", sagte der keiner Partei angehörende Politiker. "Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, aber mich hat nie jemand gefragt."
Auf der Insel mit rund 85.000 Einwohnern, die als britischer Kronbesitz nicht Teil des Vereinigten Königreichs und der Europäischen Union ist, waren homosexuelle Handlungen erst 1992 legalisiert worden – bis dahin konnten Gerichte sie gar mit lebenslänglicher Haft ahnden. Aufgrund von Schikanen durch die Polizei, die Razzien an Treffpunkten durchführte, hatten sich im Laufe der Jahre mehrere Menschen das Leben genommen – zwei Männer noch kurz vor Aufhebung des Gesetzes.
Dem "Guardian" sagte der 68-jährige Bell, er denke mit Schauern an die Parlamentsdebatten über die Aufhebung des Verbots in den 80ern und 90ern. Als Mitglied des Tynwalds, des Parlaments, habe er sich in den Debatten zahlreiche Sprüche anhören müssen, etwa über "eine Charta für Schwächlinge und Perverse, um die Gesellschaft weiter zu infizieren". "Ich war beschämt, ein Manx zu sein", sagt Bell heute.
Rasche Modernisierung

Die gelegentlich für Missverständnisse sorgende Flagge der Isle of Man mit keltischer Triskele
Ein unterschiedliches Schutzalter für Homo- und Heterosexuelle blieb noch bis 2006 in Kraft (queer.de berichtete); eine nach Angaben der Regierung bei der Reform 1992 schlicht übersehene Regelung, die "unnatürlichen Geschlechtsverkehr" ("buggery") und "grobe Unzucht" auf Handels- und Passagierschiffen verbietet, wurde im letzten Jahr aufgehoben.
Zugleich ging die Modernisierung des Rechts schnell: 2011 führte die Insel eingetragene Lebenspartnerschaften inklusive einem vollen Adoptionsrecht und dem Recht auf künstliche Befruchtung ein, bis zum nächsten Sommer will die Regierung die Ehe öffen und eine umfangreiche Antidiskriminierungsrichtlinie erlassen.
Auf das Referendum in Irland zur Ehe-Öffnung habe er auf der Insel keine negative Reaktion gehört, meinte Bell. Das sei, angesichts der "dunklen Tage" der nahen Vergangenheit, "herzerwärmend". Er sei persönlich nicht von der Idee überzeugt, seinen Partner zu heiraten, mit dem er seit 21 Jahren zusammenlebt. "Aber jeder, der seinen Partner liebt, muss gleiche Rechte haben."














